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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 20:28 Uhr

Pastor Verlässt Itzehoe : „Ich fühle mich sehr sicher am Steuer“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pastor Björn Schneidereit verlässt am 1. Mai die Innenstadtgemeinde Itzehoe, in der er seine ersten Erfahrungen als Pastor sammelte.

Herr Schneidereit, als Sie vor gut drei Jahren in Itzehoe Ihre erste Pastoren-Stelle nach dem Vikariat antraten, da haben sie gesagt, es fühle sich an, „wie zum ersten Mal nach der bestandenen Führerscheinprüfung am Steuer zu sitzen“. Sind Sie inzwischen zu einem sicheren Autofahrer geworden?

Ich bin in der Tat ordentlich gereift auf dieser Pfarrstelle in Itzehoe. Es war einerseits eine große Herausforderung, gleich am Anfang den Vorsitz des Kirchengemeinderats zu übernehmen. Andererseits habe ich auf diese Weise viele Erfahrungen in leitender Position gemacht, so dass ich mich jetzt sehr sicher am Steuer fühle.

Warum verlassen Sie nun Itzehoe?

Es ist der normale Werdegang eines Pastors zur Anstellung, dass man sich nach drei Jahren die Bewerbungsfähigkeit verdient. Die hat mir der Propst ausgesprochen und bescheinigt. Die drei Jahre in Itzehoe waren sehr wertvoll und gut, aber ich habe hier keine familiären Wurzeln geschlagen, was mir eine gewisse Freiheit gibt. Jetzt stand die Entscheidung an: Bleibe ich länger oder schaue ich mal, was es sonst noch gibt. Mit Lübeck habe ich eine gute Alternative gefunden, um mich beruflich und privat zu verwurzeln. Es ist nicht nur eine schöne Stadt, sondern ich finde auch die Gemeinde, in die ich gehen werde, vom Profil her sehr interessant.

Wenn Sie die Itzehoer Innenstadtgemeinde mit wenigen Worten beschreiben müssten. Was würden Sie sagen?

Es ist ein hohes ehrenamtliches Engagement vorhanden, ein florierendes kirchenmusikalisches Angebot. Ein besonderes Profil dieser Gemeinde stellt die Jugendkirche St. Ansgar da. Gottesdienste werden sehr liebevoll und mit Bedacht gestaltet.

Welche Ereignisse aus Ihrer Itzehoer Zeit werden Ihnen besonders in Erinnerung bleiben?

Ich hatte viel Freude an der ökumenischen Arbeit, beispielsweise am ökumenischen Aschermittwoch. Das ist ein zukunftsweisendes Zeichen. Denn, ich glaube, wir Christen tun nicht gut daran, uns abzuschotten. Außerdem hatte ich viel Freude an meiner religionspädagogischen Arbeit mit den Kitas. Bei Trauerfeiern gab es für mich viele berührende Begegnungen und Momente, in denen ich das Gefühl hatte, dass ich den Menschen wirklich etwas geben konnte.

In Ihre Zeit in Itzehoe fielen mehrere Schicksalsschläge für die Stadt, allen voran die Gasexplosion in der Schützenstraße im März 2014. Wie sehr hat Sie dieser Vorfall bewegt?

Die Gasexplosion hat mich sehr bewegt. Erst vor Kurzem haben wir ja mit einer Andacht vor Ort am zweiten Jahrestag der Opfer gedacht. Kurz nach der Explosion gab es eine große Gedenkfeier in St. Laurentii. Ich bin sehr dankbar, dass wir als Kirche zu diesem berührenden Ereignis einen Beitrag leisten konnten. So konnten wir zeigen, dass Glaube und Gemeinschaft in Momenten der Ohnmacht tragende Kräfte sind – selbst bei solchen Katastrophen.

Während Ihrer Wirkungszeit hat die Innenstadtgemeinde Fusionsverhandlungen mit der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde geführt, die am Ende erfolglos ausgingen. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?

Meine ganz persönliche Meinung ist, dass das Zeitfenster einfach zu kurz war, um die Fusion vernünftig vorzubereiten. Aus meiner Sicht waren da noch zu viele Fragen offen, sodass es erst einmal besser war, nichts übers Knie zu brechen. Fusionen sind aber durchaus etwas, was angesichts von Mitgliederschwund und Mangel an Pastorennachwuchs immer mehr auf Kirche zukommt.

Was haben Sie getan und was tun Sie, um dem Mitgliederschwund in der Kirche entgegenzuwirken?

Ich finde, dass vor allem Qualität in der Arbeit wichtig ist, gerade auch im Gottesdienst. Egal, ob ich mit einer großen Gemeinde oder nur mit wenigen Leuten feiere, ich versuche immer, mich mit vollem Herzblut auf das einzulassen, was ich tue. An Tagen wie Heiligabend, an denen viele Menschen in die Kirche kommen, versuche ich ihnen einen Grund zu geben, im nächsten Jahr wiederzukommen.

Was wünschen Sie der Innenstadtgemeinde für die Zukunft?

Ich wünsche der Innenstadtgemeinde Beständigkeit. Es braucht ein festes Pastorenteam, das gut miteinander wirken kann. Außerdem wünsche ich der Gemeinde weiterhin die Freude an der Vielfalt. Die beiden Standorte St. Laurentii und St. Ansgar bieten da ein gutes Potential. Ich hoffe, dass die zahlreichen Gruppen und Ehrenamtler auch in Zukunft gut zusammenarbeiten und sich nicht als Konkurrenz, sondern als gegenseitige Ergänzung betrachten.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 12:00 Uhr

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