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Norddeutsche Rundschau

28. Mai 2016 | 04:05 Uhr

Hafen : Hilfe für gestrandete Seeleute

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Nicht alle verlasen das Feederschiff „Kappeln“, das in Glückstadt festliegt – Die Seemannsmission kümmert sich um die Männer an Bord

Ordnung muss sein: Als Werner Leyffer an Bord der Kappeln geht, wird er von einem philippinischen Seemann aufgefordert, seinen Namen zu nennen. Denn der Glückstädter befindet sich auf ausländischem Terrain: Das Schiff mit deutschem Namen ist beheimatet im karibischen Staat Antigua und Bardua. Heimathafen ist laut Register St. John’s. Der Matrose trägt den Namen in ein Buch ein und lässt sich eine Visitenkarte zeigen. Diese weist Werner Leyffer als Mitarbeiter der Seemannsmission aus. Der 75-Jährige wird umgehend freundlich von weiteren Seeleuten empfangen. Sie haben schon auf ihn gewartet.

Gleich wird er in den Aufenthaltsraum des 132 Meter langen Containerschiffes geführt. Ein Matrose schenkt ihm ein Glas Saft ein. Werner Leyffer ist die Ruhe in Person. Obwohl an Bord der Kappeln eine besondere Stimmung herrscht. Von 13 Mann Besatzung werden nur vier bleiben. Das Containerschiff liegt für sechs Wochen in Glückstadt. Welche Zukunft es hat, ist unklar. Ein Insolvenzverwalter hat jetzt das Sagen.

Doch dies ist kein Thema zwischen Leyffer und den Seeleuten. Alle sprechen Englisch. Es gibt keine Verständigungsprobleme. In seiner Tasche hat der Glückstädter etwas mitgebracht, worauf einige Seeleute schon sehnsüchtig warten: Karten für die Telefone. Geld wechselt den Besitzer. Ein Seemann freut sich, dass er mit Dollar zahlen kann. Der Chefingenieur, ein Ukrainer, fragt gleich, wo der Club der Seemannsmission ist. Werner Leyffer erklärt ihm den kurzen Weg über die Brücke des Sperrwerkes. Der „Chief“ verabredet sich gleich für den nächsten Abend mit dem Leiter der Glückstädter Seemannsmission. Ein philippinischer Seemann möchte wissen: „Wann hat die katholische Kirche in Glückstadt geöffnet?“ Auch dies wird ihm erklärt.

In der Zwischenzeit hat Leyffer auch Zeitungen in verschieden Sprachen verteilt, die er vorher in seinem Büro ausgedruckt hat. Die Blätter in den Landessprachen der Seeleute wurden tagsüber in der Seefahrtsmission in Lübeck geschrieben. Die News sind brandaktuell.

Anders als bei Schiffen, die nur kurz im Hafen liegen wird Werner Leyffer auf die Kappeln öfter kommen und helfen. „Nächste Woche Montag wieder.“ Und weitere Besuche werden sich ergeben.

Der Glückstädter ist selbst einmal zur See gefahren, als Schiffsingenieur. „Ich möchte aus dieser Zeit etwas zurückgeben.“ Denn auch er ist in anderen Ländern von der Seefahrtsmission betreut worden. Nachdem er mit der aktiven Seefahrt aufgehört hatte, arbeitete er viele Jahre für die Werft Blohm +Voss in Hamburg und war viel im Ausland tätig.

Nachdem Leyffer in den Ruhestand gegangen war, engagierte er sich im Freundeskreis der Seefahrtsmission in Brunsbüttel und half dort vor Ort. „Vor zwei Jahren kamen Diakon Leon Meyer und ich auf die Idee, Seeleute auch in Glückstadt und Wewelsfleth zu betreuen.“ Leyffer übernahm die Aufgabe und hat mit seinem Seemannsclub am Außenhafen eine Außenstelle der Mission in Brunsbüttel gegründet – mit vielfältigen Aufgaben. Hilfe bekommt er bei Bedarf von zwei jungen Glückstädtern, die am Hafen wohnen: Sonja Bartholomä und Marian Scheer. Beide absolvierten ein freiwilliges Soziales Jahr bei der Seemansmission.

Auch sie helfen im Seemannsclub. Das fängt damit an, dass dort im Club Getränke und Chips bereit stehen. Werner Leyffer hilft aber auch bei alltäglichen Problemen in der Fremde: So können Seeleute bei ihm Geld tauschen. „Keine Bank tauscht jemanden ausländische Währungen, wenn er dort kein Konto hat.“ Ebenso wichtig: Die Seemannsmission nimmt Bargeld entgegen und überweist den Betrag. Vor allem philippinische Seemänner bekommen ihre Heuer häufig in bar. Bei der Seemannsmission wissen sie: Das Geld kommt dann sicher und mit geringen Gebühren auf den Philippinen an. „Die Seefahrtsmission hat dort ein Transferkonto“, erklärt der Glückstädter. Das Geld bringt er immer gleich nach Brunsbüttel, wo Finanzgeschäfte abgewickelt werden.

Die Fahrten zahlt der Ehrenamtler komplett aus eigener Tasche. Für ihn kein Thema, er will helfen. Aufwandsentschädigungen bekommt er nicht. Der Seemannsclub wird ihm und damit der Mission als Spende von der Firma Schramm Group zur Verfügung gestellt.

Leyffer bringt für die Matrosen auch Briefe zur Post, kauft ein und stellt sein Büro für Internetaktivitäten zur Verfügung. „Viele wollen mit ihren Familien skypen“, sagt er zum Telefonieren über das Internet.

Die Seeleute der Kappeln, die nicht aus der EU kommen, dürfen zwar von Bord gehen, aber Glückstadt nicht verlassen. „Das Visum gilt für sie nur für die Stadt“, erklärt Werner Leyffer das Seefahrtsrecht. Für manche Matrosen ist dies bedauerlich. „Sie würden gerne Hamburg kennen lernen“, weiß der Glückstädter aus Erfahrung.

Als sich Werner Leyffer auf der Kappeln verabschiedet, kommen einige der Seemänner bereits mit Koffern an. Sie werden abgeholt. Zwei polnische Fahrer warten bereits vor dem Sicherheitszaun an Land auf die Seeleute. Für die Männer ist in Glückstadt mit der Arbeit auf dem insolventen Schiff Schluss. Sie fahren nach Hause.

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erstellt am 25.Jul.2014 | 05:00 Uhr

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