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Norddeutsche Rundschau

26. Mai 2016 | 20:18 Uhr

Flüchtlinge : Heißes Thema – sachliche Diskussion

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Stadt lädt Bürger zur Debatte über Landesunterkunft. Glückstadt wird Erstaufnahmelager mit 1800 Plätzen.

Glückstadt wird Erstaufnahmelager mit zunächst 1800 Plätzen für Asylsuchende. Das verkündete Ulf Döhring bei der Versammlung der Stadt Glückstadt in der Elbschule vor rund 300 Bürgern. Ein Datum für den Wandel der Landesunterkunft zum Erstaufnahmelager ließ der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten offen. Die künftigen Gäste sollen sechs Wochen bleiben. Sie werden in Glückstadt registriert, erfasst, medizinisch untersucht und können einen Asylantrag stellen – dies bearbeitet das Amt für Bundesangelegenheiten. Zurzeit sind rund 450 Männer, Frauen und Kinder in der Landesunterkunft untergebracht. „Glückstadt kommt eine große Bedeutung zu“, sagte Döhring. Und es würden deutlich mehr Mitarbeiter gebraucht.

Landesamt, Polizei und DRK als Betreiber – zehn offizielle Vertreter saßen auf dem Podium, um Rede und Antwort zu stehen. Zuerst stellten sie den Sachstand vor, dann beantworteten sie die umfangreichen und vielfältigen Fragen der Bürger. Diskutiert wurde sehr sachlich.

Gibt es sexuelle Übergriffe in der Landesunterkunft? Wie wird mit der Angst von Bürgerinnen vor Übergriffen umgegangen? Was macht die Polizei im Sommer, wenn es zu sexuellen Übergriffen im Freibad kommen sollte?

„Es ist kein einziger Fall eines sexuellen Übergriffes bekannt“, erklärte André Radunz, Polizeichef der Unterkunft. Alleinstehende Frauen würden separat untergebracht. Er stellte klar: „Jeder sexuelle Übergriff ist einer zu viel.“ Wenn Frauen sich bedrängt fühlten, sollten sie direkt die Polizei rufen. „Wir sind dann so schnell wie möglich vor Ort. Und besser rufen Sie einmal zu viel an, als einmal zu wenig.“ Hinsichtlich des Freibads setzt er auf die Aufklärung der Flüchtlinge.

Wie viele Arbeitsplätze werden durch das Erstaufnahmelager geschaffen?

Diese Frage konnten die Männer und Frauen auf dem Podium nicht genau beantworten. Das DRK geht von 80 Arbeitsplätzen aus, hinzu kommen zurzeit neun Polizeibeamte, 100 Angestellte eines Sicherheitsdienstes, mehrere Landesbeamte, dazu Bundesbeamte und Küchenpersonal für die geplante eigene Kantine.

Wie vertreiben sich die Asylbewerber ihre Zeit? Wie steht es um Gleichberechtigung?

In der Landesunterkunft gibt es mittlerweile Freizeiträume, Fußballangebote und für Frauen wird eine Nähstube eingerichtet, berichtete Marion Meusel vom DRK. Gerade neu in der ehemaligen Marinekaserne ist eine Fahrradwerkstatt, eine Tischlerwerkstatt ist geplant. Dass Männer und Frauen in Deutschland gleichberechtigt sind, ist Thema von Informationsveranstaltungen, die das DRK für die Bewohner der künftigen Erstaufnahme veranstaltet.

Was wird gegen Müll am Neuendeich und in der Jahnstraße gemacht?

„Müll ist ein Problem“, erklärte Gerhard Blasberg, Bürgermeister und Mitarbeiter des DRK in der Landesunterkunft. Aber auch die Stadt habe nur unzureichend Geld, um Müll zu beseitigen. Das Problem soll angesprochen werden.

Zu Beginn des Abends hatte Dirk Gärtner vom Innenministerium erklärt, dass das Land seit Oktober Aufnahmeplätze für 25  000 Asylsuchende aufgebaut hat. Zurzeit seien 13  000 Plätze belegt.

DRK-Leiterin Ortrud Michel sagte zum offenen Umgang zwischen Gästen und Bürgern: „Die Unterkunft soll sich geschmeidig in die Stadt einfügen.“ Sie sei dabei, Personal einzustellen.

Über die Anlage, die noch Baustelle ist, sprach Reimer Tiedemann, Koordinator der Landesunterkunft: 1200 Plätze stehen Ende des Monates zur Verfügung. Hinzu kommen fünf Wohnblöcke, die noch fertig gestellt werden. Ob es sich lohnt, eine Schule einzurichten, stellte er in Frage, weil die Asylsuchenden künftig höchstens sechs Wochen bleiben sollen.

Die Polizeibeamten sprachen insgesamt von einer „unauffälligen Lage“.

Zum Thema Essen in der Landesunterkunft sagte Gerhard Blasberg als DRK-Mitarbeiter: „In der Ausschreibung stand nicht drin, dass es schmecken muss. Ich würde meine Frau nicht dazu einladen.“

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