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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 01:14 Uhr

Segelverein : Hafenwart aus Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Klaus Kühn ist eigentlich Schulhausmeister - im Nebenberuf kümmert er sich als Hafenwart um über 100 Liegeplätze für Sportboote im Glückstädter Hafen.

Er mag gern mit Menschen zusammen sein und ist leidenschaftlicher Segler: Seit April 2015 ist Klaus Kühn (65) Hafenwart der Segler-Vereinigung Glückstadt (SVG). Sein Büro mit dem Jugendraum befindet sich im ehemaligen Speichergebäude am Binnenhafen und ist vom Steg der Liegeplätzen zugänglich. Das Gebäude, in dem sich auch ein Speiselokal befindet, gehört der Stadt und ist dem Segelverein zur Nutzung überlassen worden.

„Im Dezember gehe ich in Rente, dann bin ich 65 Jahre und fünf Monate alt, und dann möchte ich weiterhin eine Aufgabe haben, die mich erfüllt“, sagt Kühn über seine Planung. Zurzeit übernimmt er die Aufgabe des Hafenwarts in seiner Freizeit – am Abend und am Wochenende, denn im Hauptberuf ist er Hausmeister beim Schulverband Glückstadt. Dort hat er seinen Einsatzort an der Elbschule und ist insbesondere für die IT-Betreuung von Elbschule, Bürgerschule und Grundschulen in Herzhorn und Kollmar zuständig.

Als Hafenwart ist Klaus Kühn für die Zuteilung und Verwaltung der Liegeplätze zuständig. „Im Binnenhafen haben wir 50 Liegeplätze und im Außenhafen 45. Dazu kommen 20 Plätze am Wartesteg.“ Im Binnenhafen sind alle Plätze von Mitgliedern der Segler-Vereinigung Glückstadt belegt und können von Gastliegern nur genutzt werden, wenn ein Boot länger auf Tour ist und der Platz mit einem grünen Schild gekennzeichnet wurde.

In der Saison von April bis Oktober kommen wöchentlich zwischen 100 und 180 Gastlieger – die meisten am Wochenende. Für die Gastlieger im Binnen- und Außenhafen wird ein Hafengeld erhoben, dass Strom, Wasser und die Toilettennutzung einschließt. Bei einer Bootslänge über alles von bis zu 5,99 Meter beträgt das Hafengeld für einen Tag sechs Euro. Pro angefangenen Meter erhöht sich die Gebühr um einen Euro, so dass ein Schiff von 12,50 Metern Länge dann 13 Euro zu bezahlen hat. Das Einsammeln und Verbuchen des Hafengelds ist eine der Hauptaufgaben des Hafenwarts.

„Das Bezahlen des Hafengelds ist eine Bringeschuld. Im Kasten vor dem Hafenbüro sind Umschläge, in denen das Geld abgegeben wird. Aber es gibt auch schwarze Schafe unter den Seglern. Durch meine täglichen Kontrollgänge weiß ich ziemlich genau, welche Boote wo liegen und welche dazu- oder weggekommen sind.“

Auf seinem Schreibtisch liegt eine Liste mit Bootsnamen, die nicht bezahlt haben. „In dieser Saison sind es bereits 20. Das sind meistens Motoryachten, aber die kriege ich beim nächsten Mal.“

Von jedem Gastlieger wird der Schiffsname, der Heimatverein, die Länge, das Liegedatum und die Platznummer dokumentiert. Das Hafengeld geht an den SVG, denn der Verein hat den Binnenhafen von der Stadt Glückstadt und den Außenhafen vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein gepachtet. Klaus Kühn ist für die Ordnung und Sicherheit im Hafen verantwortlich. „Es kommt schon mal vor, dass ein Boot den Weg versperrt oder so liegt, dass nicht genügend Schiffe unterkommen können. Einem Ruhestörer habe ich auch schon mal Hafenverbot erteilt, aber meistens lerne ich viele nette Menschen kennen. Das ist das Schöne daran.“

Wenn Klaus Kühn am Abend gegen 17 Uhr seinen Rundgang durch den Hafen macht, warten schon die Schiffseigner auf ihn – und neben der Abrechnung gibt es oft viel zu besprechen. „Wo kann man noch hingehen? Wann öffnet die Schleuse? Kannst du mir einen Winterliegeplatz nennen? Ist im Binnenhafen noch ein Liegeplatz?“ Ein besonderes Erlebnis war für Klaus Kühn im Juli dieses Jahres der Besuch des Royal Maas Yachtclubs aus Rotterdam, der mit 15 Booten für eine Nacht vor der Weiterfahrt nach Hamburg im Hafen lag. „Als ich zum Kassieren an Bord des 30 Meter langen ausgemusterten Schnellschiffs ging, wurde ich mit einem Pfeifenton begrüßt und die Mannschaft stand Spalier und hatte einen Begrüßungstrunk vorbereitet.“ Gut erinnert er sich an ein Ehepaar, das bereits seit 23 Jahren die Welt mehrfach umsegelt hatte. „Eigentlich wollten sie nur fünf Jahre unterwegs sein. Sie hatten im Alter von 50 Jahren ihre Firma an ihren Sohn übergeben. Jetzt sind beide über 70, aber topfit. Über zwei Stunden haben sie mir von ihrer Reise erzählt.“

Diese Geschichte erinnert Klaus Kühn ein wenig an seinen eigenen Lebensweg, denn er hat seine Firma mit 52 Jahren ebenfalls an den Sohn abgegeben und etwas Neues angefangen. Aufgewachsen ist er in Neuendeich in der Blomeschen Wildnis. Nach dem Realschulbesuch in Glückstadt hat er den Beruf des Fernsehtechnikers gelernt und sich mit einem Radio- und Fernsehgeschäft in Krempermoor selbstständig gemacht. Als stellvertretender Obermeister war er aktiv im Berufsverband. „Nach der Firmenübergabe im Jahr 2002 wollte ich nicht dazwischenfunken, das geht meistens nicht gut zwischen Vater und Sohn.“

Durch Zufall entdeckte er dann die Ausschreibung der Schulhausmeisterstelle in Kollmar. 2007 kam er an die Bürgerschule, und durch die Einführung des Hausmeisterpools ist die Elbschule jetzt sein Dienstort. „Für mein Rentnerdasein habe ich eine Anschlussbeschäftigung gesucht und als die Stelle des Hafenwarts im letzten Jahr vakant war, hat mich der Verein gefragt und ich habe gerne zugesagt, denn das war genau das, was ich suchte.“

Jetzt im Oktober wird es ruhiger am Hafen. Bis auf einige Stahl- und Holzschiffe sind alle Boote aus dem Wasser, und die Stege vom Außenhafen kommen wegen der Sturmflutgefahr in den Binnenhafen oder an Land. Wenn Klaus Kühn ab Dezember mehr Zeit als Hafenwart hat, will er das Flagge hissen noch konsequenter wahrnehmen – und dann wird ihm sicherlich kein Schiff mehr durch die Lappen gehen, dass seine Hafengebühr nicht bezahlt hat.

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