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Norddeutsche Rundschau

23. März 2017 | 15:29 Uhr

Öl-Abwehr : Gut gerüstet für den Ernstfall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Küsten im Süden Schleswig-Holsteins vor Öl und anderen Schadstoffen aus der Schifffahrt zu schützen, ist die Aufgabe von Jörg Brokmann.

Ölverschmutzte Strände so weit das Auge reicht, verschmierte Seevögel, die ums Überleben kämpfen: Die Bilder von Umweltkatastrophen durch Schiffsunfälle kennt jeder Fernsehzuschauer. Dass es auch Schleswig-Holsteins Küsten treffen könnte, verdrängen die meisten. Jörg Brokmann beschäftigen ständig solche Szenarien. In seinem Büro in der ehemaligen Itzehoer Gudewill-Kaserne plant der Küstenschützer, um im Fall der Fälle zu retten, was zu retten ist. „In der Vergangenheit ist Schleswig-Holstein zum Glück von großen Umweltschäden durch die Schifffahrt weitgehend verschont geblieben“, sagt Brokmann. „Wir hoffen natürlich alle, dass es so bleibt.“ Zwar seien die Sicherheitsauflagen für die Schifffahrt in den vergangenen Jahrzehnten erhöht worden, aber: „Passieren kann immer etwas.“

Und es passiert auch: Etwa 120 Unfälle mit gefährlichen Stoffen registrieren Brokmann und seine Kollegen von der Schadstoffunfallbekämpfung des Landesbetriebs für Küstenschutz im Jahr, zirka ein Drittel davon im Zuständigkeitsbereich von Brokmanns Itzehoer Dienststelle, der Unterelbe und ihren Nebenflüssen inklusive des Nord-Ostsee-Kanals. „Die häufigsten Unfälle sind Fehlanschlüsse beim Bunkern von Treibstoff und geplatzte Hydraulikschläuche.“ Die ausgetretenen Mengen an Öl oder Diesel sind in der Regel überschaubar. „Das meiste passiert in Häfen, was die Beseitigung einfacher macht, weil wir gut an die Unfallstelle gelangen können und die Schadstoffe nicht schnell abgetrieben werden“, sagt Brokmann. Bei kleineren Fällen muss er teilweise gar nicht selbst ausrücken. Die örtlichen Feuerwehren, beispielsweise im Glückstädter Hafen, können solche Fälle schnell und sicher abarbeiten.

Weit gefährlicher sind aus Brokmanns Sicht Schiffskollisionen wie zwischen dem Frachter Siderfly und dem Gastanker Coral Ivory am 28. Oktober 2013 auf dem Nord-Ostsee-Kanal. In solchen Fällen können große Mengen gefährlicher Treibstoffe oder Ladung in offenen Gewässern austreten. Um Schäden von Mensch und Natur abzuwenden, sei es entscheidend, bei einem solchen Unfall schnell zu handeln, so Brokmann. „Sperren einzuziehen und die Ausbreitung zu verhindern, ist eigentlich bei allen Szenarien das erste und wichtigste Ziel“, erklärt der technische Beamte und Wasserbaumeister, der seit zehn Jahren bei der Schadstoffunfallbekämpfung ist. „Ist der gefährliche Stoff eingegrenzt, hat man Zeit, sich um die Beseitigung zu kümmern.“

Bei großen Unfällen werden dafür zahlreiche geübte Helfer und viel Material gebraucht. „Wir können im Schadensfalls keine langwierigen Einweisungen vornehmen“, sagt Brokmann. Regelmäßig hält der Landesbetrieb daher Großübungen mit Feuerwehren und Technischem Hilfswerk ab. Die nächste bereiten Brokmann und seine Kollegen gerade für das Frühjahr in Dithmarschen vor.

Das Material für die Ölabwehr lagert teilweise bei bestimmten Feuerwehren wie in Glückstadt oder Brunsbüttel. Der Landesbetrieb unterhält aber auch große eigene Depots, beispielsweise in Meldorf. Dort werden neben hunderten Metern Ölsperren auch sogenannte Skimmer, schwimmende Absaugpumpen für Ölteppiche, und Spezialfahrzeugen bereit gehalten. Schutzkleidung für hunderte Helfer liegt jederzeit griffbereit. Und in einer Ecke lagern hunderte, noch nicht gefaltete Pappkartons mit Löchern: Sie dienen im Ernstfall zum Abtransport verschmutzter Seevögel von der Küste zu Sammelstellen, wo Tierärzte entscheiden würden, was weiter mit den Vögeln geschieht. „Wir wollen für alle Fälle vorbereitet sein“, sagt Brokmann mit Blick auf die Kartons. Es ist ihm anzumerken, dass er sie nie im echten Einsatz sehen möchte.

 

 

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erstellt am 08.Mär.2017 | 12:03 Uhr

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