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Norddeutsche Rundschau

02. Dezember 2016 | 23:21 Uhr

Gut aufgestellt im „Vier-Länder-Eck“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Was die Gemeinde Dammfleth für den Altbauern Erwin Mahlstedt so liebenswert macht / Kommune ohne Ortskern steht finanziell gut da

Viele Wege führen nach Rom. Das Gleiche gilt für die Gemeinde Dammfleth in der Wilstermarsch. Wer die 16 Quadratkilometer große Gemeinde anfährt, sucht allerdings erst einmal vergebens nach dem üblichen Ortsschild für eine geschlossene Ortschaft. Besucher gelangen von Wilster über Stadtfeld und Neufeld ebenso nach Dammfleth wie über die Landesstraße 136 nach Hochfeld oder Rotenmeer und schließlich auch über die idyllische Route entlang der Wilsterau in den Ortsteil Klein-Kampen oder nach Neumühlen.

Die Dammflether Besonderheit: Es gibt keinen Ortskern, wenngleich die ehemalige Schule in Hochfeld heute der Mittelpunkt des Ortes für Dorf- und Kinderfeste, die Feuerwehr, Seniorenveranstaltungen, Gemeinderatssitzungen und Festlichkeiten ist.

In der Vergangenheit prägten stattliche Wilstermarsch-Bauernhöfe das Dorf. Einst säumten rund 60 Gehöfte die Dammflether Straßen. Heute ist es nur noch ein Viertel – eine Entwicklung, über die sich Altbauer Erwin Mahlstedt große Sorgen macht. „Das Höfesterben geht weiter“, blickt der 78-Jährige skeptisch in die Zukunft. Schon jetzt sei absehbar, dass es für mehrere Höfe keinen Nachfolger geben werde. Erwin Mahlstedt: „Für mich ist das erschreckend!“

Er selbst hat gemeinsam mit seiner zwei Jahre jüngeren Ehefrau Annelene den reetgedeckten Hof unmittelbar an der L 136 vier Jahrzehnte lang bewirtschaftet. rot-buntes Milchvieh war der Haupterwerbszweig des Betriebes, den die Eheleute Mahlstedt bis 2002 führten. Hier verbringen sie jetzt auch ihr Altenteil, während auf den Weiden gut 50 Kälber ihres Schwiegersohnes Jochen Starck und Ehefrau Antje grasen.

„Im Winter nehme ich sie in den Stall und füttere das Jungvieh“, sieht Erwin Mahlstedt noch eine Aufgabe für sich.

„Dammfleth war und ist für uns seit jeher unser Lieblingsort“, sind sich Erwin und Annelene Mahlstedt einig. Der Gemeinde gehe es finanziell gut, sie biete ihren Bürgern niedrige Steuerbelastungen und vielerlei Aktivitäten und werde in naher Zukunft auch den Anschluss an das Breitbandnetz mit kommunalen Zuschüssen unterstützen. „Wir leben hier sehr günstig“, bestätigt Erwin Mahlstedt. Er könne sich ein Leben in der Stadt nicht vorstellen. Hier in Dammfleth sei es doch am schönsten.

Auch mit der direkten Nachbarschaft zum Kraftfutterwerk der Firma Trede & von Pein haben sich die Mahlstedts arrangiert. Es genießt weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus einen guten Ruf. Ein renommiertes Autohaus, ein Baugeschäft, ein Erdbau- und Abbruchunternehmen, ein Fuhrbetrieb mit Baustoffhandlung, ein Agrar- und Kommunaldienst, ein Vieh-Transportunternehmen und zwei Gartenpflegebetriebe sind Beispiele einer großen Gewerbevielfalt.

Zur guten Finanzsituation der Gemeinde hat in jüngster Zeit der Aufbau von zwei Windparks mit aktuell 17 Windkraftanlagen beigetragen.

Sie lassen die Grundeigentümer durch die Verpachtung von Mühlenstandorten ebenso von der Entwicklung profitieren wie die Gemeinde durch die Gewerbesteuereinnahmen.

Am Hummelsteert im Ortsteil Rotenmeer geboren, kennt Erwin Mahlstedt die Bedeutung dieses Landstriches. „Hier liegt die Land- und Wasserscheide. Die eine Seite entwässert die tief liegenden Ländereien in die Elbe, die andere in die Stör“, erzählt der 78-Jährige von diesem „Vier-Länder-Eck“, an dem die Gemeindegrenzen von Dammfleth, Beidenfleth, Wewelsfleth und Brokdorf zusammentreffen. Zwischen den Gemeinden herrscht eine gute Nachbarschaft. So haben Brokdorf und Dammfleth vor wenigen Jahren gemeinsam einen Radweg entlang der Landesstraße 170 zwischen dem Breuel und Brokdorf gebaut.

Die Dammflether erinnern sich gern an ein gelungenes Dorffest, mit dem 2014 das 850-jährige Bestehen des Ortes gefeiert wurde. Daran sowie an die 125-Jahr-Feier der Feuerwehr erinnert ein Gedenkstein, der vor dem alten Schulgebäude aufgestellt wurde.

Obwohl schon 1164 erstmalig urkundlich erwähnt, entstand die Kommunalgemeinde Dammfleth erst am 19. Dezember 1871. Nach der preußischen Gemeindeordnung gehörte die Gemeinde anfangs zum Amtsbezirk Nortorf. 1948 bildete sich das Amt Wilster-Land und seit 1970 gehört Dammfleth zum großen Amt Wilstermarsch mit aktuell 14 Gemeinden von Aebtissinwisch bis Wewelsfleth.

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erstellt am 01.Aug.2016 | 11:09 Uhr

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