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Norddeutsche Rundschau

24. März 2017 | 03:11 Uhr

Strassenname : Gustav Frenssen mit Zusatz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anlieger wollen in Brunsbüttel den umstrittenen Straßennamen beibehalten – mit einem aufklärenden Schild über die NS-Vergangenheit des Dithmarscher Autors.

Sie möchten auch weiterhin in der Gustav-Frenssen-Straße wohnen. Immerhin 43 von 45 erschienen Anwohnern sprachen sich am Mittwochabend in einer Infoveranstaltung dafür aus. Und auch dafür, dass ein Zusatzschild über das umstrittene Wirken des Dithmarscher Autors in der NS-Zeit informiert. Bindend ist das Ergebnis für den Bildungsausschuss, der sich als nächstes damit befassen wird, nicht. Aber es stellt das von Bürgermeister Stefan Mohrdieck erhoffte Meinungsbild dar. Das letzte Wort hat die Ratsversammlung. Insgesamt sind in der Straße 115 Anlieger gemeldet.

Gustav Frenssen (1863-1945) polarisiert. Der studierte Theologe aus Barlt schaffte mit seinem Roman „Jörn Uhl“ 1901 als Autor den Durchbruch und konnte es sich leisten, den Talar an den Haken zu hängen. Er schwenkte in späteren Jahren zu einer extrem völkischen Sichtweise um, kehrte von christlichen Werten ab und unterstützte die nationalsozialistische Ideologie. Er sprach sich in „Lebenskunde“ (1942) für das radikale Ausmerzen so genannter „Volksschädlinge“ aus.

Martin Gietzelt, Leiter des Vereins Volkshochschulen in Dithmarschen, schilderte Frenssens Entwicklung vom liberalen Theologen der Kaiserzeit über den renommierten Schriftsteller, der den gesellschaftlichen Aufstieg schaffte, bis hin zum Verbreiter der NS-Doktrin. Und er bettete diese Entwicklung in einen Abriss über den Nationalsozialismus in Dithmarschen ein.

Die Diskussion um das Für und Wider einer Umbenennung der Straße im Brunsbütteler Dichterviertel nach Heider Vorbild nahm zeitweise skurrile Züge an. Das gipfelte im Versuch der Verharmlosung des Euthanasieprogramms der Nazis und im haltlosen Vorwurf, der Bürgermeister habe längst eigenmächtig entschieden, dass die Straße umbenannt werden solle.

Losgetreten hatte den Stein bereits am 4. Januar der Historische Arbeitskreis. Bis dahin, so dessen Vorsitzender Johannes Wölffert, habe er mit dem Namen Frenssens leben können. Der damalige Referent, Jens Binckebank, erinnerte am Mittwoch daran, dass im Dritten Reich auch Brunsbütteler zur Zwangssterilisation ins Marner Krankenhaus gebracht wurden. „Das hat Gustav Frenssen gutgeheißen.“ Sein Fazit: „Ich lehne eine unreflektierte Ehrung ab.“

Genau das hatte auch Stefan Mohrdieck im Sinn. Man müsse Ehrungen von Persönlichkeiten aus einem neuen Blickwinkel hinterfragen dürfen. „Wenn eine Stadt jemandem den Namen erteilt, kann es die Frage sein, ob man zu einer neuen Bewertung kommt.“ Zuletzt hatten das 1983 die Jusos – vergeblich – versucht.

FDP-Stadträtin Bettina Jebens befand: „Es ist ein schwieriges Thema“. Sie empfahl, die Vergangenheit nicht durch eine Umbenennung der Straße einfach unter den Tisch zu fegen. Gerd Striebinger forderte „einen klugen Kompromiss“ und griff die Anregung einer Anwohnerin auf: Mit einem Zusatz zum Straßenschild könne gezeigt werden, „die Stadt Brunsbüttel ist sich der Geschichte bewusst“.

Voraussichtlich im April kommt das Thema im Bildungsausschuss zur Sprache. Eine Meinungsbild hat der jetzt.

 

 

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erstellt am 14.Mär.2014 | 12:00 Uhr

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