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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 01:37 Uhr

Brandeinsatz : Großfeuer vernichtet Lebenswerk

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eigentümer hat mehr als acht Jahre am Naturstamm-Blockhaus in Hohenlockstedt gebaut. Die Kripo schätzt den Schaden auf 1,5 Millionen Euro.

Um 1 Uhr morgens sitzt Christian Wasserthal (74) noch in seinem Büro. Er bereitet eine Führung durch sein 400 Quadratmeter großes Naturstamm-Blockhaus vor. Für nachmittags erwartet er eine Gruppe aus Wilster, die sich sein nach Feng-Shui-Prinzip selbstgebautes Eigenheim, das nur wenige Meter entfernt in einer Sackgasse steht, ansehen will. Plötzlich klingelt die Nachbarin an der Haustür – mit einer Nachricht, die seinen Lebenstraum jäh beendet. Das mit viel handwerklichem Können, Schweiß und Herzblut gebaute achteckige Blockhaus brennt. „Achteinhalb Jahre meines Lebens stecken darin“, sagt der 74-Jährige Stunden später, als er das ganze Unglück überblicken kann. Zu dieser Zeit löschen die Feuerwehrleute noch die Reste des Hauses, ein Bagger hilft bei den gröbsten Arbeiten. Vom einst stolzen und mächtigen Blockhaus sind nur noch verkohlte Reste zu erkennen.

„So schnell habe ich noch nie ein Haus abbrennen sehen“, sagt Gemeindewehrführer und Einsatzleiter Kai Weingang, der als einer der ersten Feuerwehrleute am Einsatzort in der Liegnitzer Straße eintraf. „Das ging Ruckzuck.“ Da das Holzhaus nicht mehr zu retten war, galt die Aufmerksamkeit vor allem dem benachbarten Wohnhaus, in dem Wasserthal mit seiner Frau noch lebt – erst in den nächsten Wochen wollten sie ins neue Heim umziehen. Eine Scheibe im Wohnhaus zerbrach zwar durch die Hitze und auch das Dach sei sehr heiß geworden – doch das Gebäude konnte gehalten werden, so Weingang. 100 Einsatzkräfte aus den örtlichen Wehren Lockstedter Lager, Springhoe-Hohenfiert, Hungriger Wolf-Bücken und Ridders sowie aus Lohbarbek, Hohenaspe, Kellinghusen und Itzehoe kämpften gegen die Flammen, die „wir schon auf unsere Anfahrt in Kellinghusen sehen konnten“, sagt Kellinghusens Ex-Wehrführer Hans-Hermann Kautz. Neben den Flammen setzt den Feuerwehrleuten auch die Kälte zu, dagegen liefert das Seniorenheim Annelie warme Getränke, Brötchen gibt es von Bäcker Soth. Die Kälte lässt aber auch das Wasser auf den Wegen gefrieren, „es war überall sehr glatt und Schläuche waren gefroren“, erläutert Weingang.

Die Brandursache steht noch nicht fest, die Kripo ermittelt. Den Schaden schätzt die Polizei auf 1,5 Millionen Euro.

Sämtliche Arbeiten – vom Fällen der 150 Douglasien, Zuschneiden der Bretter, schütten des Fundaments bis zum Verlegen der Fußböden, der Installation der Elektrik und dem Einbau des Bioofens – hatte Christian Wasserthal selbst ausgeführt. Er hat Meisterbriefe als Starkstromelektriker und Systemelektroniker, alles andere musste er sich selbst beibringen. Jetzt standen die Arbeiten kurz vor dem Ende. Die Küchenmöbel waren geliefert, gestern sollte die Heizung angeschlossen werden. Und Besuch einer Wilsteraner Gruppe sollte Wasserthal erhalten. Denn er hatte sich dem Kooperationsprojekt „Hohenlockstedt erleben“ angeschlossen. Die Aktion soll mehr Tagesgäste und Urlauber in die Region bringen. Dafür bieten verschiedene Partner (Meierhof Möllgaard, Fischzucht Knutzen, Kartoffelhof Senne, Museum am Wasserturm) verschiedene Aktivitäten an, die im Baustein-Prinzip von Besuchern gebucht werden können. Das Naturstamm-Blockhaus wird jetzt niemand mehr erleben können.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 17:42 Uhr

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