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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 06:12 Uhr

Griechischer Geschichtenerzähler nimmt Zuhörer mit auf Fantasiereise

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dimitrios Drainakis erzählt Geschichten. Eigentlich sogar Filme. Liebesfilme, Stimmungsabenteuer, Wetterepisoden, aber auch Politchroniken. Der Berliner Musiker träumt im Spreeregen von der Wärme Griechenlands und denkt nachts an den sommerlichen Sternenhimmel über dem Haus seiner Eltern auf Kreta. Er leidet beim Abschied von der letzten Liebe, schöpft Hoffnung in Zeiten der Finanzkrise, aber hat auch Sehnsucht nach Nutella als Folge längerer Abstinenz.

Im Kulturhaus Wilster präsentierte er sein Programm „Sehnsucht“, das in den letzten drei Jahren entstanden und auch auf CD erhältlich ist. Als Solo-Künstler schätzt Drainakis besonders die Nähe zum Publikum, wie er es in der Marschenstadt vorfand. Das antike Schmiedmayer-Klavier, das eine Unterstützerin des Kulturvereins stiftete, steht inmitten der Zuhörer und konzentriert die Blicke auf das birnenfarbene geschnitzte Holz. „Alte Instrumente haben eine Seele, man muss sich an jeden einzelnen Ton herantasten“, schwärmte der Pianist, der nach der Athener Ausbildung an der Berliner Hanns-Eisler-Hochschule für Musik studierte und sich besonders von Chopin inspiriert fühlt.
Er kam eher zufällig zum Komponieren. Ein Chansonnier, den er länger am Klavier begleitete, brachte ihn dazu, auch Noten zu deutschen Texten zu schreiben. Mittlerweile unterlegt er seine eigenen Geschichten damit.

Drainakis schreibt seine filmmusikartigen Kompositionen zu Alltagssorgen, Lebenskrisen und dem Weltgeschehen selbst und untermalt die „inneren Bilder“ überleitend zwischen den einzelnen Stücken mit Worten, denen er am Klavier Flügel verleiht. Seine Zuhörer nimmt er charmant auf diese Fantasiereise mit und lässt sie „innerlich davonfliegen“, wie es eine Besucherin in Wilster treffend beschrieb.

Neben der konzentrierten Leichtigkeit vieler Stücke beeindruckten besonders die Tiefgänge am Piano: Wenn Drainakis mit dem Titel „Lügen“ von Enttäuschung zu Wut und wieder zurück wechselt, oder wenn er mit „Kein Frieden“ den Syrienkrieg im Fernseh-Wohnzimmer abholt. Diese persönlichen Kommentare in Dur und Moll sind Teil der zweiten CD, die derzeit entsteht.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 09:40 Uhr

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