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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 05:12 Uhr

Erfolgreicher Bossler : Gold und Bronze bei der EM

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Momme Neumann aus Wilster kommt mit großen Erfolgen aus Holland zurück. Bei der Boßel-EM gewann er Gold und Bronze. Jetzt will sich der 17-Jährige in seinem Verein um die Jugendarbeit kümmern,

Im Alter von sechs Jahren hatte er zum ersten Mal eine Boßelkugel in der Hand. Mit 17 gehört er jetzt zur europäischen Elite in der Traditionssportart. Momme Neumann kam von den Europäischen Boßelmeisterschaften in Holland mit einer Bronzemedaille zurück. Mit der Mannschaft stand er sogar ganz oben auf dem Treppchen und holte die Goldmedaille. Der Stolz über den großen Erfolg steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Der 17-Jährige war im Team des schleswig-holsteinischen Landesverbandes in die Niederlande gereist. In der Disziplin „aus dem Stand werfen“ landete er mit 218,55 Metern in drei Würfen in der Einzelwertung auf dem hervorragenden dritten Platz. Zum Vergleich: Der Sieger brachte es mit drei Würfen auf 231,62 Meter. Unter den Teilnehmern aus der Wilstermarsch war Momme Neumann damit klar vorn. Mit der Landes-Mannschaft holte er zudem die Goldmedaille, auf die sonst die Ostfriesen ein Abonnement hatten, was ihn natürlich besonders freut.

Zu verdanken hat der Wilsteraner die Leidenschaft für den Boßelsport einer Projektwoche in der Schule, an der seine Schwester teilgenommen hatte. Seitdem ist die gesamte Familie Neumann mit dem Boßelvirus infiziert. „Solche internationalen Wettbewerbe sind schon ein gewaltiger Ansporn“, sagt der Gemeinschaftsschüler. Seine Devise ist eigentlich ganz simpel: „Ich versuche einfach immer weiter zu werfen. Da trainiere ich drauf hin.“ Vor zwei Jahren war Momme Neumann mit diesem Engagement bereits deutscher Vizemeister in seiner Altersgruppe.

Während der Saison trifft man den jungen Boßler mindestens einmal in der Woche auf dem Bütteler Sportplatz, wo die Wilsteraner Boßler ihre Trainingseinheiten absolvieren. Im Verein ist er zudem für die Jugendarbeit zuständig. Und in diesem Bereich sieht er noch reichlich Handlungsbedarf. „Dieser Sport darf nicht untergehen“, bedauert er, dass sich derzeit nur wenige junge Leute dafür begeistern können. „Dabei ist das eine sehr anspruchsvolle Sportart“, stellt er voller Begeisterung fest. Neben ausgefeilter Technik wird auch Kondition gebraucht. Man ist viel an frischer Luft und muss bei den Wettbewerben durchaus auch lange Wege gehen. Bis zu zehn Kilometer werden bei einem Wettkampf zurückgelegt. Wer das Boßeln ernst nimmt, für den ist es echter Leistungssport.

Regelmäßige Höhepunkte sind dann die Wettkämpfe – für ihn immer wieder ein ganz besonderer Ansporn. „Das war total spannend bei der Europameisterschaft“, schwärmt er von der internationalen Atmosphäre. Man trifft unter anderem auf die beim Klootscheeten starken Holländer, aber auch auf Iren und Italiener.
„So gut hat Schleswig-Holstein noch nie abgeschnitten“, kommentiert Momme Neumann rückblickend die erzielten Ergebnisse. Da tröstet es auch ein bisschen darüber hinweg, dass die übrigen Teilnehmer aus Wilster eher hinter ihren Erwartungen und Möglichkeiten zurückblieben. „Über den Gruppensieg habe ich mich fast noch mehr gefreut, als über meinen Einzelerfolg“, zeigt sich der Wilsteraner ganz als Mannschaftsspieler.

Anlaufen, 360-Grad-Drehung und dann den Arm mit der 400 Gramm schweren Kugel strecken: So beschreibt Momme Neumann dem Laien seine Boßeldisziplin, bei der er Wurfweiten von durchschnittlich jeweils mehr als 70 Metern erreicht. Nach der alten Sepp-Herberger-Devise („Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“) hat der junge Boßler jetzt schon die nächsten großen Wettkämpfe im Blick. Auf dem Zettel steht die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften in Ostfriesland, die nächste Europameisterschaft findet dann in vier Jahren in Schleswig-Holstein statt. Und Boßeln als olympische Disziplin  ? „Das wäre cool“, strahlt der 17-Jährige. Bis es soweit ist, hofft Momme Neumann, der nach der Schule Dachdecker werden und gerne den elterlichen Betrieb übernehmen würde, mehr junge Leute an den Boßelsport heranführen zu können. Ein talentierter Nachwuchs-Boßler kommt schon aus der eigenen Familie. Der 14 Jahre alte Bruder Hannes war ebenfalls mit in Holland. In seiner Altersgruppe und Disziplin wurde er 14. beim Straßenboßeln. „Bei der nächsten EM in vier Jahren kann er als Jugendlicher noch einmal dabei sein. Und da kann er richtig was reißen“, freut sich Bronzemedaillen-Gewinner Momme mit seinem kleinen Bruder.

>Alle EM-Teilnehmer des Boßelvereins Wilster und deren Ergebnisse auf einen Blick:

Straße: Momme Neumann, 7. Platz (1313,40 m), Hannes Neumann, 14. Platz (1223,10m); Männer: Uwe Stademann, 42. Platz (1254 m), Christian Holler, 43. Platz (1252 m).

Standboßeln: Momme Neumann, 3. Platz (218,55 m), Malin Waage, 13. Platz (139,98 m).

Feldboßeln: Malin Waage, 21. Platz (884,60 m). Silke Carstens kam als Reservespielerin auf der Straße nicht zum Einsatz.

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erstellt am 24.Mai.2016 | 04:51 Uhr

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