zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 05:20 Uhr

Landwirtschaft : Glückliche Zuchtgänse aus Eddelak

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Dithmarscher Geflügel GmbH investiert eine Million Euro in eines der europaweit modernsten Stallgebäude mit Wintergarten und Pool.

Raum für 1500 Gänseküken baut das Familienunternehmen Eskildsen derzeit in der Brunsbütteler Nachbargemeinde Eddelak. Dort entsteht ein 1500 Quadratmeter großer Stall, in dem die Zuchtküken aufwachsen werden. Denen biete die Dithmarscher Geflügel GmbH & Co. KG mit Auslauf im so genannten Wintergarten und einem eigenen Gewässer eine Umgebung, die so nicht üblich sei, erklärte Firmenchef Lorenz Eskildsen. Rund eine Million Euro werden in eins der europaweit modernsten Stallgebäude investiert. Gestern war Richtfest, Mitte Dezember soll die erste Generation Zuchtküken dort einziehen.

„Die perfekte Gans für den anspruchsvollen Genießer“ zu züchten hat sich das Unternehmen auf die Fahnen geschrieben. Es gehe, betonte der Firmenchef, nicht um Masse, sondern um Qualität. Oder, wie Seniorchef Jens Eskildsen sagt: „Unsere Gänse sollen auch nach Gans schmecken.“ Und bis zur Schlachtreife möglichst artgerecht aufwachsen.

Bei Dithmarscher Geflügel bedeutet das, dass die im nahegelegenen Gudendorf ausgebrüteten Vögel über einen langen Zeitraum auf Wiesen und Deichen bei vertraglich assoziierten Landwirten grasen, sich so auf gesunde Weise satt futtern und zartes Fleisch ansetzen, bevor sie in der Vorweihweihnachtszeit geschlachtet werden.

Auch bei diesem letzten Produktionsschritt beschreitet das Familienunternehmen einen anderen Weg als etwa in Polen oder Ungarn üblich, wo deutlich billigere Gänse produziert werden. Dies auch, weil die Tiere dort industriell verarbeitet werden. Durch Rupfen der lebenden Tiere alle sechs Wochen verdienen sich die Bauern über den Daunenverkauf ein Zubrot, das Endprodukt, die Tiefkühlgans, kann daher billiger in den Handel gelangen. Von den jährlich in Deutschland verkauften 24  000 Tonnen Gänsefleisch stammen laut Lorenz Eskildsen 90 Prozent aus dem Import. Aber die Dithmarscher Gans als Marke sei dabei, sich ihren Platz zu erobern. Beim Schlachten und Rupfen orientieren sich die Eddelaker an traditionellen bäuerlichen Verfahren. Dadurch, sagt Lorenz Eskildsen, bleibe der Geschmack reiner und werde nicht verwässert wie bei der Nass-Schlachtung. Das sei zwar aufwendiger und habe seinen Preis, gibt er zu, aber der bewusst einkaufende Verbraucher honoriere das. Ihn ärgert, dass es im Handel keinerlei Verpflichtung gibt, auf Etiketten von Tiefkühlgänsen über deren Aufzuchtverfahren zu informieren. Für ihn ist das eine Form von Wettbewerbsverzerrung. Dithmarscher Gänse aus seinem Betrieb werden nach dem manuellen Verpacken mit individuellen Zertifikaten versehen. Aus denen ist sogar ersichtlich, bei welchem Bauern das Tier groß wurde.

Bei den Zuchtküken, die in Eddelak demnächst in einer Art Wohlfühlatmosphäre aufwachsen sollen, orientiert sie der Betrieb einerseits an einer Zuchtlinie der früher typischen robusten Gans, die im Deichvorland grasen konnte. Bei der hierfür benötigten genetischen Linie sei man in Dänemark fündig geworden. Für Eskildsen nicht ungewöhnlich, die Familie kam nach Dithmarschen, als ihre Heimat Tondern nach dem Ersten Weltkrieg an Dänemark fiel. Nach dem Fall der Mauer kaufte Eskildsen Zuchtlinien aus der ehemaligen DDR. Die Zuchtküken von Dithmarscher Geflügel sind inzwischen weltweit gefragt. In Ungarn, auf dem Markt neben Polen einer der großen Player, stammen mittlerweile 70 Prozent der Zuchtküken von Eskildsen. Sogar nach Kanada werden Küken zur Aufzucht verkauft.

Der heutige Seniorchef Jens Eskildsen begann 1963 aus seinem Hobby auf dem elterlichen Hof in Eddelak ein stetig wachsendes Unternehmen zu formen, das sich aber immer der artgerechten Haltung verpflichtet fühlte. 120 Mitarbeiter erwirtschaften heute im Jahr 21  Millionen Euro Umsatz. Die Gans macht 70 Prozent des Geschäfts aus. Daneben werden Enten, Bio-Puten und Bio-Hähnchen produziert. Seit fünf Jahren besteht der Dithmarscher Gänsemarkt in Gudendorf. Dort werden auch die Daunen vermarktet – etwa in warmen Federbetten.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Nov.2016 | 17:06 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen