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Norddeutsche Rundschau

01. Juli 2016 | 15:35 Uhr

Ein Meilenstein : Glasfaser für 21 000 Haushalte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Stadtwerke Neumünster bekommen Zuschlag für Netzausbau in vier Ämtern. Schnelles Netz für Schenefeld, Itzehoe-Land, Kellinghusen-Land und Breitenburg . Die Marsch und der Raum Horst gehen aber erst einmal leer aus.

44 000 Steinburger können bald in Lichtgeschwindigkeit über die Datenautobahn jagen – wenn sie denn wollen. Drei Jahre nach ihrer Gründung ist der Breitbandinitiative jetzt der Durchbruch gelungen. Im Januar wird ein Vertrag über die Erschließung mit Glasfaserleitungen für die Ämter Schenefeld, Itzehoe-Land, Kellinghusen und Breitenburg geschlossen.

Den Zuschlag haben die Stadtwerke Neumünster bekommen. Sie wollen dann bis zu 21 000 Haushalte in mehr als 60 Gemeinden mit dem schnellen Datennetz versorgen. „Damit ist uns ein wichtiger Etappensieg gelungen“, freut sich Henning Rathjen. Der Fitzbeker Bürgermeister und Vorsteher des von 102 Gemeinden gebildeten Zweckverbandes Breitbandversorgung Steinburg kämpft mit seinen Mitstreitern seit 2010 um eine flächendeckende Versorgung des gesamten Kreisgebietes. „Das ist ein Meilenstein für unsere Gemeinden und die im Ausbaugebiet ansässigen Unternehmen und Privathaushalte“, sagt Ratjen.

Die Verbandsversammlung hat für das Projekt grünes Licht gegeben. Immerhin werden mit dem Ausbau fast 44 Millionen Euro bewegt. Vorausgegangen waren langwierige Planungen und Verhandlungen sowie hoch komplizierte Ausschreibungsverfahren.

Weil potentiellen Anbietern der gesamte Kreis zu groß war, hatte man die Region schließlich in sieben Lose aufgeteilt, die in etwa den Ämtern entsprechen. Gesucht wurden Bieter, die Leerrohre und Glasfaser verlegen, den Betrieb sicherstellen und entsprechende Dienste anbieten. Bauherr bleiben die im Verband organisierten Gemeinden, die das Netz dann an die Stadtwerke verpachten – und so auch refinanzieren.

Die Umsetzung hängt nun ganz entscheidend von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab. Die Anschlussgebiete sollen dazu in Cluster aus jeweils mehreren Gemeinden aufgeteilt werden. Unterm Strich muss dort dann eine Anschlussquote von 60 Prozent erreicht werden. Die Stadtwerke wollen dieses ehrgeizige Ziel mit attraktiven Aktionsangeboten erreichen. So wird in einem begrenzten Zeitraum von wenigen Wochen der Anschluss zum Nulltarif angeboten. Voraussetzung: Der Weg von der öffentlichen Straße bis zum Haus darf nicht länger als 20 Meter sein. Später kostet es dann 990 Euro. Anschließend starten die Tarife bei 49 Euro im Monat. Für das Geld wird eine hochmoderne Multimedianutzung mit Telefon, Internet und TV geboten – mit stabilen Datenkapazitäten von 50 Megabit.

Der von den Stadtwerken betriebene Aufwand ist gewaltig. Laut Bereichsleiter Telekommunikation, Dirk Sasson, werden allein in öffentlichen Straßen bis zu 500 Kilometer Glasfaser verlegt. Hinzu kommen bis zu 200 Kilometer für die Hausanschlüsse. Die Leitungen selbst bestehen wiederum aus vielen einzelnen Lichtleitern. Insgesamt kommen davon rund 75 000 Kilometer allein in den jetzt festgeschriebenen vier Ämtern unter die Erde.

„Für die Zukunft des ländlichen Raumes ist das das mit Abstand wichtigste Projekt“, kann Kreisdezernent Dr. Friedrich Stork die Bedeutung des Glasfasernetzes gar nicht dick genug unterstreichen. Alles hängt aber letztlich von der Anschlussquote ab. Hier setzen Stadtwerke und Zweckverband ganz auf die Unterstützung durch die jeweiligen Bürgermeister, die in ihren Gemeinden kräftig die Werbetrommel rühren müssen. Henning Ratjen betont, dass es hier letztlich für jeden Grundeigentümer um eine wichtige Investition gehe. Er verweist auf Untersuchungen, nach denen der Immobilienwert mit einem Glasfaseranschluss um fünf Prozent steigt.

Dass die Stadtwerke Neumünster, als letztlich einer von zwei realistischen Anbietern, sich aus dem Gesamtpaket den Norden und Osten des Kreises gegriffen haben, dürfte auch mit deren bisherigem Engagement zu tun haben. Der Dienstleister tummelt sich auf diesem Gebiet bereits bereits im Großraum Neumünster und im Kreis Segeberg. Laut Sprecher Nikolaus Schmidt gehören die Stadtwerke mit derzeit knapp 8000 Kunden schon jetzt zu den großen Anbietern eines Glasfasernetzes im Norden.

Wie sehr die Versorgung mit Glasfaser einen Quantensprung für viele Steinburger bedeutet, wird in der Ausgangslage deutlich. Laut Zweckverband gelten etwa 70 Mitgliedsgemeinden mit Anschlussleistungen von weniger als zwei Megabit als unterversorgt. Hinzu kommen Ortsteile von 13 weiteren Kommunen. Bleibt die Frage nach dem Rest des Kreises Steinburg. Die Ämter Wilstermarsch und Krempermarsch sowie Horst-Herzhorn bleiben zunächst außen vor. Auch für diese Region hatte es bei der Ausschreibung zwar Angebote geben. Diese, so Henning Ratjen, seien aber wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen. Im nächsten Jahr soll für diese Ämter ein neuer Anlauf unternommen werden.

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erstellt am 14.Nov.2013 | 05:30 Uhr

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