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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Online-Kriminalität : Geschäfte mit Waren, die es gar nicht gibt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Eine Itzehoerin wird vor Gericht wegen gewerbsmäßigen Betrugs auf einer Online-Plattform zu einer Haftstrafe verurteilt – laut Staatsanwaltschaft kein Einzelfall.

Die Käufer waren wohl auf ein schnelles Schnäppchen aus und gingen einer Betrügerin auf den Leim, stellte Staatsanwalt Klaus Dwenger in seinem Plädoyer am Ende der Verhandlung vor dem Itzehoer Schöffengericht fest. Sechsmal bot eine 29-jährige Itzehoerin auf der Online-Plattform Ebay Kleinanzeigen Smartphones an, die sie gar nicht besaß – immer moderne Modelle zu günstigen Preisen. Zwischen 100 und knapp 500 Euro kassierte sie von den Käufern. Die warteten dann aber vergebens auf ihre Ware.

„Delikte dieser Art haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen“, erklärt Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. „Da hat sich ein richtiges betrügerisches Geschäftsmodell entwickelt.“ Online-Plattformen für Privatgeschäfte böten die Möglichkeit für Kriminelle schnell und zunächst unproblematisch an Geld zu kommen. Was die Täter oft nicht bedenken würden: Die Aufklärungsquote ist relativ hoch. „Es wird zwar teilweise mit gefälschten Namen und ähnlichen Tricks agiert, aber das Geld muss ja irgendwo hin und das hinterlässt Spuren. Es gibt immer eine Kontoverbindung und die ist verfolgbar.“ Sofern die Täter nicht von außerhalb der Europäischen Union agieren, werden sie daher in der Regel gefasst und verurteilt. „Und die allermeisten Taten werden im Inland begangen“, sagt Müller-Rakow. Über die Motive lasse sich nur spekulieren. Geldnot spiele fast immer eine Rolle – die Ursachen seien aber höchst unterschiedlich.

Bei der 29-jährigen Itzehoerin war es eine langjährige Medikamentenabhängigkeit, die sie zur Betrügerin werden ließ. Sie habe Geld gebraucht, um sich Morphine auf dem Schwarzmarkt zu besorgen, sagte die zweifache Mutter vor Gericht aus. Sie räumte die Vorwürfe ein und hatte sich bereits bei einigen Opfern um eine Rückzahlung des entstandenen Schadens bemüht.

Am Ende wurde sie trotzdem zur relativ hohen Strafe von einem Jahr und sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Denn das geplante Vorgehen und die wiederholte Tat machen die fingierten Verkäufe zu einem „besonders schweren Fall gewerbsmäßigen Betruges“, so die Urteilsbegründung. Erschwerend kam hinzu, dass die Frau ein ellenlanges Vorstrafen-Register hat und bereits zwei andere Strafen in ähnlich gelagerten Fällen zur Bewährung ausgesetzt worden waren. Dies ermögliche keine erneute Bewährungsstrafe, erklärte Richter Mark Eidam der Angeklagten. Sie hat nun aber die Möglichkeit gegen das Urteil Berufung einzulegen.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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