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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Gesellschaft : Gemeinsam stark gegen die Sucht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

25 Jahre Freundeskreis Suchtkrankenhilfe in Glückstadt: Mit gegenseitiger Hilfe versuchen die Teilnehmer aus der Abhängigkeit herauszukommen.

Gerd Krause erinnert sich: „Das war eine ziemlich hektische Zeit. Wir fanden Räumlichkeiten so ungefähr von einem Kindergarten zum nächsten, dann schließlich in der Familienbildungsstätte.“ 25 Jahre ist das jetzt her, als sich der Freundeskreis Suchtkrankenhilfe vereinsmäßig zu etablieren begann. Jetzt wurde Jubiläum gefeiert.

In der Rückschau muss Gerd Krause trotz des ernsten Hintergrundes schmunzeln. „Wenn ich an unsere ersten Therapiegespräche denke: Im Wohnzimmer der Betroffenen, oft im Beisein der ganzen Familie. Das war nicht gerade optimal.“ Krause gehört – zusammen mit Jonny Boos und anderen betroffenen Menschen – zu den Gründern des Freundeskreises. Erst nachdem sich innerhalb der Bevölkerung eine respektvolle Anerkennung für die Arbeit des Vereins breit machte, gelang auch die Integration.

In der Großen Dannedelstraße 36 fand der Verein geeignete Räumlichkeiten. Einer der Betroffenen brachte es beim Jubiläumsfrühstück in eben diesen Räumen auf den Punkt: „Hierher zu kommen, ist wie nach Hause kommen.“ Beziehungen wurden aufgebaut, Seminare und Gruppengespräche lösten sich ab. Alles dreht sich dabei um das Generalthema Sucht. Sei es der Alkoholismus, Drogen, Depressionen, Spiel- und Mediensucht und noch so viel mehr.

Der Freundeskreis hat keine Patentlösung parat, aber er hat sich der Hilfe zur Selbsthilfe verschrieben. Um genau diesen Weg zu beschreiten, dafür bietet die Suchtkrankenhilfe Information und Beratung.

„Aufgrund unserer eigenen Abhängigkeiten und selbst gemachten Erfahrungen besprechen wir in den Gruppenabenden unsere Probleme“, sagte Helmut Lucht schon bei einer früheren Zusammenkunft und erinnerte dabei an einen viel zitierten Leitsatz: „Nur Du allein schaffst es – aber Du schaffst es nicht allein“. Die Erkenntnis der Sucht muss erst geweckt sein. „Dazu bedarf es aber erst einmal ein Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl, den Teufel in meinem Kopf zu bekämpfen“, erläutert Diplom-Sozialberater Thorsten Schmidt von der AOK. Die Krankenkasse zählt zu den Förderern des Freundeskreises.

Heute unterstützt der Verein mit seinen geschulten Suchtpräventionskräften etwa fünf Gruppen mit bis zu zehn Personen. „Wenn nur ein einziger mit dem festen Willen zu uns kommt, Beratung und Hilfe anzunehmen, ist das schon ein Erfolg“, erklärt Vereinsvorsitzende Ingrid Schulz. Denn die Hemmschwelle ist groß. Es geht um Fragen, wie Sucht erkannt werden kann, wo die Abhängigkeit beginnt. Schulz: „In Gruppengesprächen oder auch einzeln versuchen wir, Zugänge zu legen.“ Alles muss behutsam angepackt werden.

Auch während des Jubiläumsfrühstücks fachsimpeln alle Anwesenden über das Thema Sucht. Offen reden sie über diese Krankheit, die so schleichend daher kommt und sich der Psyche des Menschen bemächtigt. Denn wissentlich und vorsätzlich wird niemand zum Suchtkranken. Anekdoten machen während der Zusammenkunft die Runde. Und die sind beileibe nicht lustig. In den 25 Jahren Bestehen des Freundeskreises Suchthilfe hat sich viel ereignet. Aber – und das ist der Erfolg dieser Gemeinschaft – es konnte auch vielen Betroffenen geholfen werden.

Nicht immer nachhaltig; das wissen Ingrid Schulz und ihre Mitstreiter. Dafür ist die Krankheit Sucht sehr mächtig. Aber der Verein bietet die große Chance, offensiv im Sinne aller Suchtbetroffenen den ersten Weg hieraus zu beschreiten. Und dies hoffentlich noch eine lange Zeit.


>Infos: Ingrid Schulz, 04124 / 602918,

www.suchtkrankenhilfe-glueckstadt.org


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