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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 23:17 Uhr

Justiz : Geldstrafe nach tödlichem Unfall

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vor einem Jahr kam in Honigfleth ein 63-jähriger Autofahrer ums Leben. Weil das Opfer eine Mitschuld trug, kam der Unfallverursacher trotz überhöhter Geschwindigkeit mit einer Bewährungsstrafe davon.

Heute steht an der Abzweigung aus Honigfleth in Richtung Wilster beziehungsweise Heiligenstedten ein Stoppschild. Es ist die dauerhaft sichtbare Folge eines tödlichen Verkehrsunfalls, der jetzt vor dem Amtsgericht Itzehoe bei Strafrichter Mark Eidam seinen strafrechtlichen Abschluss fand.

Der 47-jährige Angeklagte, ein selbstständiger Handwerker aus dem Raum Itzehoe, wie auch das Opfer, ein 63-jähriger Mann, waren am 13.Oktober 2015 auf dem Weg zur Arbeit. Um 5.10 Uhr kollidierten beide auf der Gegenfahrbahn der Straße nach Wilster. Der Handwerker hatte es offenbar eilig in seinem Opel. Er war schon einem 30-jährigen Zeugen aus Oelixdorf in Heiligenstedten durch Rasen aufgefallen. Innerhalb der Ortschaft fuhr er derart dicht auf, ,,das ich seine Scheinwerfer nicht mehr sehen konnte“ und ,,überholte mich mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit“. So die Aussage des 30-Jährigen. Dazu passen die beiden Vorerkenntnisse im Verkehrsregister des 47-Jährigen: Bei Rot eine Ampel überfahren und außerorts 33 km/h zu schnell. Doch der Angeklagte hatte Glück. Im Oktober 2016 verjährten diese beiden vom Richter verlesenen Verstöße. So galt der Handwerker verkehrsrechtlich als unbelastet.

Strafrechtlich sieht das völlig anders aus. Seit 1986 sammelte er 14 Urteile, das Gros wegen Diebstahls und Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Gleichwohl, am Unfalltag besaß der rasende Handwerker einen gültigen Führerschein. Fest steht: Der aus Heiligenstedten in Richtung Wilster fahrende Handwerker hatte Vorfahrt. Fest steht auch: das 63-jährige, noch am Unfallort verstorbene Opfer nahm ihm die Vorfahrt, als es nach links Richtung Heiligenstedten einbog. Dabei war der Handwerker allerdings mit Tempo 94 unterwegs. Erlaubt sind dort nur 70 km/h. Der Aufprall fand auf der Gegenfahrbahn statt, offenbar versuchte der Handwerker noch links am Audi vorbei zu kommen. Er traf ihn frontal im Bereich Motor und Fahrertür. Der zwei Tonnen schwere Audi flog 40 Meter weit, Motor und Getriebe wurden ,,herausgedrückt“, wie es Dekra-Sachverständiger Dipl.-Ing. Thomas Hilker formulierte. Die Tödlichkeit des Unfalls war laut Hilker vermeidbar.

Wäre der Opelfahrer 70 gefahren, hätte er den Audi im hinteren Seitenbereich erwischt. ,,Der 63-Jährige hätte überlebt“, so der Gutachter. So aber verstarb der Mann noch vor Ort, obwohl die Rettungswache Honigfleth unmittelbar an der Unfallkreuzung liegt. Der Handwerker entstieg nahezu unverletzt seinem Opel und rief die Retter.

Staatsanwältin Hanna Klapetke forderte eine Verurteilung zu 3600 Euro (90 Tagessätze à 40 Euro) Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung plus zwei Monate Fahrverbot. Verteidiger Sönke Fitz sagte: ,,Es ist ein tragischer Verkehrsunfall, der sich aufgrund des Vorfahrtverstoßes des Opfers ereignet hat.“ Fitz forderte Freispruch.

Richter Eidam erkannte den 47-Jährigen der fahrlässigen Tötung für schuldig, entschied aber auf eine Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen à 40 Euro (2400 Euro), ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Das heißt: Lässt sich der Handwerker in den nächsten zwei Jahren nichts zu Schulden kommen, ist die Sache für ihn ohne einen Cent Geldstrafe erledigt. Zahlen muss er trotzdem, nämlich als Auflage 2000 Euro Schmerzensgeld an die Witwe des Getöteten. Von einem Fahrverbot sah Eidam ab. ,,Beide Fahrer haben ihre Verkehrspflichten missachtet“, konstatierte der Richter und stellte klar, der Vorfahrtverstoß des Opfers wiege schwerer als die überhöhte Geschwindigkeit des Angeklagten. Zu dem sagte der Richter: ,,Sie haben einen Fehler gemacht, der vermeidbar war. Wären Sie nicht zu schnell gefahren, wäre es nicht zum Tod des 63-Jährigen gekommen.“ Mit dieser Schuld muss der Handwerker fortan leben.

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