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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 13:28 Uhr

Kreis Steinburg : Gefährlicher Fuchsbandwurm breitet sich aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jede zehnte Fuchs in Steinburg ist befallen: Itzehoer Behörden mahnen zu Vorsicht und Vorsorge – warnen aber auch vor allzu großer Panikmache.

Itzehoe | Früher war er vor allem ein Problem in Süddeutschland, doch in den vergangenen Jahren häuften sich Anzeichen dafür, dass der Kleine Fuchsbandwurm (auch Gefährlicher Fuchsbandwurm) sich Richtung Norden ausbreitet. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Veterinäramtes zeigen nun für den Kreis Steinburg, dass der für Menschen potentiell gefährliche Parasit flächendeckend im Fuchsbestand vorhanden ist.

„Wir haben im Zeitraum zwischen den Frühjahren 2013 und 2014 zahlreiche Füchse aus dem gesamten Kreis untersucht und bei über zehn Prozent der Tiere einen Befall mit dem Kleinen Fuchsbandwurm festgestellt“, berichtet Amtstierärztin Birte Hellerich, unter deren Leitung die Untersuchung durchgeführt wurde. Die Fundorte verteilen sich gleichmäßig über das Kreisgebiet. An der Elbe bei Brokdorf wurden die Veterinäre ebenso fündig wie beispielsweise in Itzehoe, Quarnstedt oder Hohenfelde. „Lediglich aus der nördlichsten Ecke des Kreises im Raum Schenefeld gab es keinen positiven Befund, obwohl auch von dort Füchse untersucht wurden“, sagt Hellerich.

Angestoßen wurde die Studie durch die Kreisjägerschaft, die das Veterinäramt auch bei der Durchführung unterstützte. „In den vergangenen Jahren hörten wir von Funden in der näheren Umgebung. Viele Jäger waren deswegen besorgt und wollten wissen, ob sie auch direkt betroffen sind. Deshalb sind wir auf die Behörden zugegangen“, sagt Kreisjägermeister Matthias Sagebiel. Gemeinsam mit dem Veterinäramt rief Sagebiel die Steinburger Jäger auf geschossene oder tot aufgefundene Rotfüchse zur Probenentnahme anzumelden. „Die Resonanz war groß. Wir bekamen so im Untersuchungszeitraum eine große Zahl Meldungen, die es uns ermöglichten, gleichmäßig verteilt Proben nehmen zu können“, lobt Hellerich die Zusammenarbeit.

Das Ergebnis der Studie fiel für die Fachleute überraschend deutlich aus: „Dass wir fündig werden, erschien vorab schon wahrscheinlich, aber in welchem Umfang war nicht einzuschätzen.“, erklärt Hellerich. „Das Ergebnis ist eindeutig: Der Kleine Fuchsbandwurm ist im Fuchsbestand des Kreises Steinburg.“

Als Konsequenz raten Gesundheits- und Veterinäramt der Bevölkerung sich auf die Möglichkeit des Kontaktes mit dem Fuchsbandwurm einzustellen. Der Mensch ist eigentlich kein Wirt für den Parasiten, der normalerweise in Füchsen und kleinen Nagetieren wie Mäusen lebt. Allerdings kann es nach der Aufnahme von Eiern des Bandwurmes über den Mund trotzdem zu einer Erkrankung der Leber kommen, die unbehandelt in der Regel tödlich verläuft. Die Schädigung des Körpers vollzieht sich allerdings sehr langsam. Beschwerden treten oft erst nach vielen Jahren auf, was für die Behandlung ein Problem darstellt: Laut Amtsärztin Sieglinde Schuback ist die Erkrankung nur in der Frühphase vollständig heilbar, wird aber häufig erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt. Später lässt sich der Verlauf lediglich medikamentös verlangsamen. Die Vermeidung eines Befalls mit den für das bloße Auge unsichtbaren Wurmeiern ist daher der beste Schutz, so Schuback.

Für Menschen gibt es drei mögliche Infektionswege: Zum einen können Wurmeier von Füchsen aufgenommen werden. Dies betrifft vor allem Jäger, die direkten Kontakt mit den Tieren haben.

Zum anderen können Hunde und seltener auch Katzen, die im Freiland Mäuse fangen oder Aas fressen, befallen werden. Sie geben dann ihrerseits nach einigen Wochen Wurmeier an die Umwelt ab und können so ihre Halter anstecken. „Die Tiere sollten daher mindestens alle drei Monate mit einer Wurmkur behandelt werden“, empfiehlt Birte Hellerich. Für Hunde, die häufigen Kontakt mit potentiell ansteckenden Tieren haben, rät die Tierärztin zu einem vierwöchigen Entwurmungs-Rhythmus. „Dann ist sicher gestellt, dass das Tier keine infektiösen Eier ausstößt.“

Drittens besteht die Möglichkeit, dass sich Menschen über den Verzehr von mit Wurmeiern kontaminiertem Fallobst, Pilzen oder bodennah wachsenden Beeren infizieren. Allen drei Infektionswegen kann mit gründlichen Hygienemaßnahmen gut vorgebeugt werden. Im Freiland gesammelte Nahrungsmittel sollten nach Möglichkeit gekocht oder zumindest gründlich gereinigt werden. Zum Kontakt mit Tieren rät Sieglinde Schuback: „Gründliches Händewaschen nach dem Streicheln von Hunden und Katzen sollte selbstverständlich sein . Ebenso ist es ratsam tote Wildtiere nicht ohne Handschuhe anzufassen oder zumindest auch hier die Hände sehr gründlich zu reinigen, bevor man sich wieder im Mundbereich berührt.“ Matthias Sagebiel rät vor allem Jägern, die häufig Kontakt zu Füchsen haben, zu besonderer Vorsicht.

Statistisch gesehen ist das Risiko einer Infektion für Menschen gering. Laut dem Robert-Koch-Institut in Berlin, das bundesweit die Daten über die meldepflichtige Infektion sammelt, erkranken in Deutschland jährlich etwa 40 Personen am Kleinen Fuchsbandwurm. Sprecherin Susanne Glasmacher: „Der Schwerpunkt der Erkrankungen liegt eindeutig in Süddeutschland. Die meisten Fälle treten in Bayern und Baden-Würtemberg auf.“ In Schleswig-Holstein erkrankten in den vergangenen Jahren nur vereinzelt Menschen. Amtsärztin Sieglinde Schuback: „Für Panik gibt es absolut keinen Grund.“

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erstellt am 07.Jun.2014 | 15:46 Uhr

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