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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 09:15 Uhr

Itzehoe : Gasexplosion mit vier Toten: Angeklagte Bauarbeiter freigesprochen

vom

Mitten in Itzehoe explodierte 2014 ein Haus. Den Polier der Baustelle und den Baggerfahrer trifft keine Schuld.

Itzehoe | Zweieinhalb Jahre nach der verheerenden Explosion in Itzehoe (Kreis Steinburg) mit vier Toten sind die beiden angeklagten Bauarbeiter am Mittwoch freigesprochen worden. Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft hatten vor dem Amtsgericht Itzehoe auf Freispruch plädiert.

Dem Polier und dem Baggerfahrer war fahrlässige Tötung und fahrlässige Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen worden. Die Männer sollten bei Erdarbeiten im Bereich einer Gasleitung am 10. März 2014 nicht die erforderliche Sorgfalt eingehalten haben. Dadurch habe es zu einer Beschädigung der Leitung und der Explosion kommen können.

Bei Kanalisationsarbeiten am 10. März 2014 hatte die Schaufel eines Baggers eine Gasleitung abgerissen. Dadurch strömte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gas in den Keller eines Mehrfamilienhauses und entzündete sich. Durch die Explosion wurde das Haus dem Erdboden gleichgemacht. Ein Bauarbeiter und drei Hausbewohner starben bei dem Unglück. Elf Menschen wurden verletzt. Sechs Häuser in der Umgebung machte die Explosion unbewohnbar. Zahlreiche Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf.

Der Polier schwieg vor Gericht, der Baggerfahrer dagegen sagte umfassend aus. Er war selbst bei dem Unglück schwer verletzt worden, über Monate arbeitsunfähig. Dann kam er zurück: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst, deshalb habe ich mich da auch wieder raufgesetzt.“

Beim Graben habe er einen Widerstand gespürt, danach sei das gefundene Stahlrohr von Hand freigelegt worden. So werde immer vorgegangen, wenn bekannt sei, dass im Boden Leitungen lägen, so der 52-Jährige, der seit 34 Jahren als Baggerfahrer arbeitet.

Doch diese Leitung war nicht bekannt. Die Tiefbaufirma hatte sich Pläne von den Stadtwerken besorgt – aber bei deren Digitalisierung im Jahr 1977 sei das Gasrohr „einfach vergessen“ worden, sagte ein Ingenieur der Stadtwerke. Die Ermittler hatten nach einem Verantwortlichen gesucht – vergebens. So standen jetzt die Bauarbeiter vor Gericht.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 15:09 Uhr

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