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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 11:42 Uhr

Unglück mit vier Toten im März 2014 : Gasexplosion in Itzehoe: Prozess gegen Polier und Baggerfahrer beginnt

vom

Als der Baggerfahrer bei Bauarbeiten ein nicht verzeichnetes Rohr kappt, trifft er eine folgenschwere Entscheidung.

Itzehoe | Vier Menschen starben im März 2014 bei einer verheerenden Gasexplosion in Itzehoe (Kreis Steinburg), elf wurden verletzt. Ein Fehler bei der Digitalisierung des Straßenkatasters Mitte der 1970er Jahre könnte das Unglück ausgelöst haben – denn eine kleine Gasleitung in der Schützenstraße war offenbar vergessen worden. Zweieinhalb Jahre nach der Explosion will das Amtsgericht Itzehoe ab Mittwoch die Schuldfrage klären. Auf der Anklagebank sitzen nach Angaben eines Justizsprechers ein Polier und ein Baggerfahrer. Die Staatsanwalt wirft ihnen fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vor.

Bei Kanalisationsarbeiten am 10. März 2014 hatte die Schaufel eines Baggers eine Gasleitung abgerissen. Dadurch strömte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Gas in den Keller eines Mehrfamilienhauses und entzündete sich. Durch die Explosion wurde das Haus dem Erdboden gleichgemacht. Ein Bauarbeiter und drei Hausbewohner starben bei dem Unglück. Sechs Häuser in der Umgebung machte die Explosion unbewohnbar. Zahlreiche Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf.

Das Grundstück Schützenstraße 3 in Itzehoe ist ein Trümmerfeld. Das Haus war am 10. März 2014 explodiert.
Das Grundstück Schützenstraße 3 in Itzehoe ist ein Trümmerfeld. Das Haus war am 10. März 2014 explodiert. Foto: dpa

shz.de war am 10. März 2014 vor Ort, um mit Anwohnern zu sprechen und das Ausmaß der Schäden zu dokumentieren. Hier können Sie den Liveticker nachlesen.

Die Ermittlungen hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft ergeben, dass das Gasrohr in den Katasterkarten, die der Baggerfahrer hatte, nicht eingezeichnet gewesen war. Als sie dann auf das Rohr gestoßen waren, hätten sie laut Anklage eigentlich die Baggerarbeiten stoppen und mit der Hand weiterschaufeln müssen. Stattdessen setzten beide Männer den Angaben zufolge ihre Arbeit fort und zerrissen dabei das Rohr. Der Baggerfahrer wurde durch die Explosion schwer verletzt.

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Der Fahrer des Baggers hatte die Gasleitung zerstört. Foto: Marcus Dewanger
 

Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft auch gegen Mitarbeiter der Stadtwerke ermittelt, weil das Gasrohr nicht in Karten verzeichnet war. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Es habe sich nicht klären lassen, wer für den Übertragungsfehler verantwortlich war, hieß es. Bei einem Schuldspruch drohen dem Polier und dem Baggerfahrer bis zu fünf Jahre Haft. Der zunächst auf drei Tage anberaumte Prozess startet am Mittwoch um 10 Uhr. Urteile werden erst im Dezember erwartet.

Hintergrund
Erdgas selbst riecht nicht. Deshalb ist es mit einem Geruchsstoff versetzt. Wie er riecht, vermitteln Postkarten, die bei den Stadtwerken Itzehoe erhältlich sind. Wer Gasgeruch wahrnimmt, sollte sofort das Gebäude verlassen, keine elektrischen Schalter betätigen und alles vermeiden, was Funken schlägt oder Feuer verursacht. Danach die Störungsstelle des Gasversorgers anrufen.
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erstellt am 15.Nov.2016 | 20:20 Uhr

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