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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 10:53 Uhr

Gas-Terminal: Investor will rechnen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brunsbüttel Ports unterzeichnet heute mit der holländischen Gasunie eine Absichtserklärung zur Untersuchung der Wirtschaftlichkeit

Es ist noch nicht der Durchbruch, aber ein wichtiger Meilenstein: Brunsbüttel bringt sich in Position für die Errichtung eines Flüssiggas-Terminals. Heute wollen Brunsbüttel Ports und die niederländische Gasunie eine Absichtserklärung unterzeichnen, die den Holländern die Grundlage gibt, die Wirtschaftlichkeit der 400-Millionen-Investition zu ergründen. Ende 2017 erwartet Hafenchef Frank Schnabel eine Aussage, ob sich der finanzielle Aufwand lohnt.

An Brunsbüttel als dem idealen Standort für ein LNG-Terminal hat Schnabel schon seit Jahren keine Zweifel. Das machte er gestern in Hamburg bei einer prominent besetzten Diskussionsrunde erneut deutlich. Es sei nicht nur die ideale Lage an Elbe und Nord-Ostsee-Kanal. Es sei vor allem Schleswig-Holsteins größtes Industriegebiet, das für Schnabel den Bau eines Import-Terminals mit einer Kapazität von 200  000 Kubikmetern rechtfertigt. Die chemischen Werke benötigten jährlich rund 800 Millionen Kubikmeter Gas. Im Winter, weiß Schnabel, reiche die Erdgasversorgung zuweilen nicht aus, dann müsse mit Heizöl gepuffert werden. Flüssiggas vor Ort biete sich als ideale und umweltfreundliche Lösung an.

Jochen Wilkens, Geschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, Landesverband Nord, bestätigte: „Wir brauchen ein LNG-Terminal.“ Denn schon in wenigen Jahren wären Norwegen und vor allem Russland die Hauptversorger Deutschlands mit Gas. Wer den Markt dominiere, gebe auch die Preise vor. Und Energiekosten, so Wilkens, seien „eine existenzielle Frage für die chemische Industrie“. Und weiter: „Für unsere Unternehmen ist die Versorgungssicherheit mit Erdgas im internationalen Vergleich ein entscheidender Standortfaktor. Unsere norddeutschen Standorte müssen von der Preisentwicklung auf dem LNG-Markt profitieren können, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Wir sehen LNG als wichtigen Teil des zukünftigen deutschen Energiemixes“, erklärt Wilkens.

Das sieht auch Kurt-Christoph von Knobelsdorff, Brunsbüttel-Beauftragter der Landesregierung, so. Er sagt: „LNG bietet die Möglichkeit pipelineunabhängig große Mengen Erdgas weltweit zu beziehen, wodurch die Abhängigkeit von den derzeitigen Lieferanten sinkt und Preise auf dem Markt frei verhandelbar sind.“ Diese Diversifikation verfolge auch die EU-Kommission mit ihrer Flüssiggas-Strategie. Das Problem für die Brunsbütteler: Ihr Vorpreschen findet in Berlin nur schwer offene Ohren.

Für Frank Schnabel ist die Verwirklichung des ehrgeizigen Vorhabens kein Brunsbütteler Alleingang. Vielmehr sei es ein deutsches Projekt, das mit einem dritten großen Gasanbieter für mehr Wettbewerb sorgen könnte. Und die Republik etwas unabhängiger vom russischen Gas. Hamburg nimmt Schnabel gleich mit ins Boot, obwohl es in der Hansestadt auch Ideen für ein eigenes Terminal gibt. Doch dort fehlen – noch – die Abnehmer. Zumindest die aus der maritimen Wirtschaft. Denn bis Schiffe auf den umweltfreundlichen Treibstoff umgerüstet werden, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen.

Schnabel gibt zu, dass in Brunsbüttel die Industrie der Hebel ist, um dort mit Flüssiggas auf den Markt zu kommen. Auch, weil erste Unternehmen prüfen, wie sie LNG als Rohstoff nutzen können. Als Terminal-Standort weiterhin im Rennen ist Wilhelmshaven.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 14:47 Uhr

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