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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 19:42 Uhr

Glückstadt : Friedhof aus Dornröschenschlaf holen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wo vor 50 Jahren der letzte Katholik in Glückstadt begraben wurde, soll nun eine Erinnerungsstätte eingerichtet werden.

Wie im Dornröschenschlaf liegt der katholische Friedhof Glückstadt zwischen Holländergang und Itzehoer Straße. Durch ein großes eisernes Tor betritt man das an zwei Seiten von einer Hecke eingegrenzte Gelände. Die letzte Beerdigung fand dort vor einem halben Jahrhundert statt. Viele Menschen haben da ihre letzte Ruhestätte gefunden, Pest-, Kriegs- und Friedenszeiten hat der Friedhof mehr oder weniger gut überstanden. Mittlerweile besteht er im Wesentlichen aus Rasenfläche, großen Bäumen, Büschen und Grabsteinen, die vor allem im hinteren Bereich zusammengetragen wurden. Einige sind umgefallen, andere von Pflanzen gesäumt. „Die Gemeinde tut sich schwer, den Friedhof zu unterhalten“, sagt Wolfgang Engemann (73), Kirchenvorstandsmitglied der Pfarrei. Um ihn kostendeckend zu bewirtschaften, ist der Friedhof zu klein, es fehlt die Leichenhalle und ein Wasseranschluss. Wunsch der Gemeinde sei es, den Friedhof als Erinnerungsstätte auszubauen, so Engemann.

Damit dieser in Erfüllung geht, muss zunächst das Bistum zustimmen und dann ein offizieller Beschluss in der Pfarrei St. Ansgar Itzehoe gefasst werden. Dann können Entwürfe folgen. „Wir stellen uns einen breiten Weg vor sowie einen Halbkreis mit den Grabsteinen und eventuell einer Stele“, so Engemann. Immerhin handele es sich um den zweitältesten Friedhof Norddeutschlands, betont er.

Bereits 1701 hatte die katholische Pfarrgemeinde Glückstadt die Erlaubnis von König Friedrich IV. erhalten, einen katholischen Friedhof anzulegen. Zwei Jahre später fand die erste Beerdigung statt, der zweijährige Dominik Danes fand auf dem Friedhof als erster eine Ruhestätte. 1709 wurde dann auch ein Mausoleum für Pfarrhausbewohner und angesehene Katholiken errichtet. Wie lang ersehnt Friedhof und Mausoleum waren, zeigt die Geschichte des Jesuitenpfarrers Peter Nütten: Er verstarb 1693. Die katholische Gemeinde wollte ihren „verdienstvollen Seelsorger“ jedoch nicht „auf fremdem Friedhofe und dort auf gewöhnlichem Platze“ bestatten. Deshalb wurde er bis zu seiner Beisetzung im Mausoleum 1710 im Pfarrhaus am Markt aufbewahrt. So ist es in der Broschüre „Wissenswertes über die Vergangenheit des Friedhofs der katholischen Mariengemeinde zu Glückstadt von 1702 bis 1932“ zu lesen.

Heute ist vom Mausoleum nichts mehr zu sehen. Es wurde gut 100 Jahre nach der Errichtung wieder zerstört, als 1813/14 die Festung Glückstadt während der Napoleonischen Kriege stark beschossen wurde. Fortan gab es in Glückstadt keinen ständigen katholischen Geistlichen mehr, und der Friedhof verlor an Bedeutung. Laut der Festzeitschrift zum 350-jährigen Bestehen der Gemeinde wurde der Friedhof erst 1905 wieder in Ordnung gebracht, als die Elbestadt wieder einen eigenen Pfarrer erhielt. 1966 musste er wegen Überfüllung geschlossen werden.

Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Auf der weiten Rasenfläche finden sich nur noch vereinzelt Grabsteine. Die mehr als 300 Jahre alte Geschichte des Friedhofs lässt sich nur mehr erahnen. Die meisten dort noch aufzufindenden Grabsteine sind deutlich jünger. Sie stammen fast alle aus dem 20. Jahrhundert. Vielleicht erwacht der Friedhof ja zum 400-jährigen Stadtjubiläum Glückstadts wieder aus seinem Dornröschenschlaf und wird in eine Erinnerungsstätte umgewandelt.


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erstellt am 02.Okt.2016 | 08:23 Uhr

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