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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Ausstellung : Fotoreise in die Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Sonderausstellung im Museum zeigt die Zeit des Spielens und Lernens von Kleinkindalter bis zur Pubertät.

„Kindheit – was bleibt?“ fragt die derzeitige Sonderausstellung im städtischen Museum. In sechs Abschnitten zeigt die von Museumsleiter Hans-Georg Bluhm kuratierte Schau die Zeit des Spielens, Lernens und Weltentdeckens von Kleinkindalter bis zur Pubertät. Eine Fülle von Gegenständen aus dem Museums-Magazin geben Einblick in frühere Zeiten.

Hilfreich bei der Reise in die Vergangenheit erweisen sich Bilddokumente aus dem Kleinstadtleben im 19. und 20. Jahrhundert. Als Chronisten mit der Kamera unterwegs waren seinerzeit Vater und Sohn Vahlendick. Johann Vahlendick (1837 bis 1879) richtete das erste Fotoatelier in der Störstadt ein. Der Fotograf erwarb das heutige Grundstück Bergestraße 10 und baute dort sein Wohnhaus mit Atelier. Allerdings erlitt Fotograf ein damals typischen Fotografentod: Er bewahrte die zum Reinigen von Geräten notwendige Salzsäure in einer Bierflasche auf, die er im Schummerlicht der Dunkelkammer verwechselte.

Nachdem seine Ehefrau Elsabe das Atelier zunächst weiter geleitet hatte, übernahm Sohn Detlev 1894 das Geschäft. Das Talent für den Beruf hatte er vom Vater geerbt. Schon im 1880 hatte er sich in Rostock selbstständig gemacht. Für sein Können wurde ihm dort eine Medaille verliehen, die später auch die Papprahmen aus dem Kellinghusener Atelier zierte. Mit der schweren Plattenkamera zog Detlev Vahlendick durch die Straßen der Stadt, lichtete Häuser, Menschen und Tiere ab. Gerne setzten sich auch Stammtischrunden in Gaststätten vor seiner Linse in Positur. Wer Zeit und Geld hatte, stattete dem Atelier einen Besuch ab. Neben Portraits von honorigen Kaufleuten, frisch Verlobten oder Verheirateten waren auch Fotografien mit Kindern beliebt.

Die in der Ausstellung gezeigte Ablichtung eines Großvaters mit Enkelin nennt noch Johann Vahlendick als Fotokünstler und zählt damit zu den ältesten Aufnahmen aus Kellinghusen. In einem Begleittext verweist Hans-Georg Bluhm auf ein besonderes Bildelement: Das Mädchen legt vertrauensvoll seine Hand in die des Mannes. Für die damalige Zeit eine ungewöhnlich vertraute Geste, erklärt Bluhm. Emotionale Darstellungen auf bürgerlichen Portraitaufnahmen seinen in jener Epoche äußert selten gewesen. Mutig wagte sich der seinerzeit etwa vierjährige Wilhelm Carl Julius Mehrens in die Kulissenwelt des Fotografen. Das hölzerne Ziehpferd, welches ihm Gesellschaft leistet, war um 1887 ein typisches Jungen-Spielzeug und bildete den Gegenpol zur Puppe. Allerdings diente das Spielgerät nicht allein dem Vergnügen, es sollte dem Jungen auch bäuerliche Arbeitswelt des Vaters nahe bringen, in die er hineinwachsen würde.

Die Aufnahme „Kindergruppe mit Treibreifen“ ist vermutlich kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden. Deutlich abzulesen ist darauf die Rollenverteilung der Geschlechter: Die Mädchen stehen brav und ordentlich hinter einem als Kulisse dienenden Zaun, während die Jungen lässig davor auf dem Boden liegen. Ein Holzreifen mit Stock als Requisit verweist auf beliebtes Kinderspiel hin. Als Treibreifen bei dem oft als Wettlauf betriebenen Reifenrollen dienten meistens ausrangierte Fassreifen. Nachdem ab 1900 Fahrräder in großen Mengen produziert wurden, verwendeten die Kinder auch alte Felgen vom Schrottplatz als Treibreifen. Zur sehen ist die Sonderausstellung noch bis Sonntag, 11. Dezember jeweils donnerstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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