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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Regionalmarketing : Forscherteam sucht Markenzeichen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Studenten der Uni Greiswald befragen Bauern, Händler, Gastronomen und Verbraucher nach typischen Produkten aus der Region. In Wilster präsenierten sie erste Untersuchungsergebnisse.

Bis auf Wilstermarschkäse hat die Region für eine unverwechselbare Vermarktung nicht wirklich viel zu bieten. Das ist das Ergebnis eines Studienprojekts zu regionalen Wertschöpfungsketten im Rahmen von Regiobranding (siehe Infokasten). Studenten der Universität Greifswald um Professor Dr. Daniel Schiller hatten mit Landwirten, Händlern und Gastronomen sowie rund 150 Verbrauchern gesprochen. Ihre ersten Untersuchungsergebnisse stellten sie im Neuen Rathaus in Wilster vor.

Nicht besonders ausgeprägt, so stellte Geografie-Student Konstantin Knabe nach seiner Untersuchung der Landwirtschaft fest, sei in der Region die Direktvermarktung. Fehlende Kapazitäten, schlechte Erreichbarkeit und zu großer bürokratischer Aufwand wurden hier von den Bauern als wesentliche Hindernisse genannt. Aus Sicht der Verarbeiter von Lebensmitteln, so bilanzierte Felix Krüger, sei der mögliche Absatzmarkt schlicht zu klein. Gewünscht wurde allerdings eine stärkere Kennzeichnung der Produkte und mehr Abnehmer aus dem Bereich der öffentlichen Hand.

In der Gastronomie wird nach Erhebung von Mirjam Rollinger sehr viel stärker auf regionale Produkte zurückgegriffen. „Die Hälfte der Befragten bietet diese an“, wobei vor allem kurze Transportwege als Vorteil genannt wurden. Auf der Wunschliste stehen bei dieser Gruppe mehr Kochrezepte aus der regionalen Küche und – bei den Betreibern von Marktständen – niedrigere Standgebühren.

Die Verbraucher, so zeigt die Untersuchung weiter, seien in überwiegender Mehrheit mit Produkten aus der Region vertraut. Als bemerkenswert empfanden die Studenten allerdings die Erkenntnis, dass Obst und Gemüse in der Bedeutungsliste nur im Mittelfeld gelandet seien, obwohl es in der Region zahlreiche große Anbaugebiete gebe. Generell sei bei den Konsumenten die Bereitschaft vorhanden, mehr für Produkte aus ihrer unmittelbaren Umgebung zu zahlen. Die Akteure äußern allerdings den Verdacht, dass viele Befragte sich zwar zu regionalen Produkten bekannt hätten, tatsächlich aber ein anderes Einkaufsverhalten zeigten. „Ein abschließendes Urteil zum Käuferverhalten können wir noch nicht abgeben“, so Schiller. Wie Produkte aus der Region auch noch in Hamburg wahrgenommen werden, weiß auch der Professor noch nicht. Der Glückstädter Lüder Busch reagierte sogar erschrocken auf die Erkenntnis, dass der Matjes bei den Befragten so wenig bekannt sei. Der, so die Einschätzung aus der Studentenschaft, könne eben auch aus Dänemark kommen. Und eine hiesige Spezialität wie der St. Margarethener Damenlikör sei eben nur ein ganz kleines Nischenprodukt.

„Vielleicht gibt es ja für die Vermarktung des Marschrindes ein Potenzial“, regte Beate von Malottky aus der Steinburger Kreisverwaltung an. Eine „leise Hoffnung“ setzt Olaf Preuß von der Region Nord in die Glückstädter Werkstätten, die in Wilster ein zentrales Lager für regionale Produkte einrichten könnten. „Wir müssen eine Produkt übergreifende Marke schaffen“, meinte Lüder Busch. „Vielleicht zum 150-jährigen Bestehen des Kreises Steinburg“, legte die Grünen-Kreistagsabgeordnete Inken Carstensen-Herold auch gleich einen Termin für das Ende der Suche fest.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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