zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

28. Mai 2016 | 04:02 Uhr

Kultur : Flüchtlinge sollen Bismarcksäule retten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vereins-Vorsitzender Lars Bessel will Neubürger einbinden und erarbeitet unkonventionelles Sanierungskonzept für Itzehoer Kulturdenkmal

Die Idee ist mindestens unkonventionell: Flüchtlinge sollen die Itzehoer Bismarcksäule vor dem äußeren Verfall bewahren. Während der diesjährigen Hauptversammlung des Vereins Bismarcksäule stellte der Vorsitzende Lars Bessel das Modellprojekt vor, das er zusammen mit Berthold Köster vom Landesamt für Denkmalpflege entwickelt hat.

Danach stellt ein örtlicher Bauunternehmer Gerüst, Werkzeug, Material und Vorarbeiter. Die Flüchtlinge, zum Teil mit entsprechenden beruflichen Fachkenntnissen, werden über das Regionale Berufsbildungszentrum (RBZ) ausgesucht. „Die Reaktionen auf unsere Idee waren überall sehr positiv“, so Bessel, der bereits Gespräche mit Arbeitsagentur, Landes- wie Bundesregierung und weiteren potenziellen Finanzierern aufgeführt hat.

Hintergrund für die Aktion ist der zusehends schlechte Zustand des Kulturdenkmals: „Durch viele schadhafte Fugen tritt immer mehr Regenwasser in die Säule ein, weshalb diese möglichst schnell erneuert werden müssen“, so Bessel. Ein Antrag auf Fördermittel der EU wurde im vergangenen Jahr abgelehnt (wir berichteten).

Voraussetzung für den Einsatz eines „syrischen Baukommandos“ im Itzehoer Stadtforst, so Bessel, sei jedoch neben öffentlichen Fördergeldern ein großer Eigenanteil des Vereins. Die Kosten für die Fassadensanierung schätzt der Vorsitzende derzeit auf rund 35  000 Euro. Um das Geld zusammenzubekommen verkauft der Verein symbolisch einzelne Granitsteine der Bismarcksäule für 25 Euro pro Stück. Ungefähr 100 der insgesamt 2500 Steine sind bereits veräußert. Weitere Hinweise zur Spendenaktion gibt es im Internet unter www.bismarcktum-itzehoe.de.

Im Verlauf der zwölften Jahresversammlung standen ebenfalls Vorstandswahlen auf der Tagesordnung: Während Lars Bessel einstimmig für die nächsten vier Jahre als Vorsitzender im Amt bestätigt wurde, stand sein Stellvertreter Jens Wilde nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung, ebenso wenig dessen Frau Katrin als Schatzmeisterin. Da sich jedoch keine Nachfolger finden ließen, werden beide ihre Ämter zunächst kommissarisch weiterführen. Weiter teilte Bessel mit, dass die Bismarcksäule anders als üblich nicht schon im April geöffnet werden könne. Grund seien größere Fällarbeiten der Stadtförsterei samt anschließendem Wegebau.

Einen neuen „Turmwächter“ und Kioskbetreiber konnte Bessel ebenfalls noch nicht vorstellen. Aber auch hier hofft der Vorsitzende, der derzeit für die Johanniter die Itzehoer Landesunterkunft für Flüchtlinge leitet, auf die Neubürger in der Stadt: „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein deutscher Flüchtling aus dem Osten Turmwächter, warum nicht jetzt einer aus dem Süden, aus Syrien oder dem Irak?“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert