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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 15:41 Uhr

Feuerwehr-Oldie muss zum Tüv

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

52 Jahre alter Bulli wird für die Prüfung vorbereitet / Nach wie vor ist er voll ausgestattet

Es ist ein Stück Dorfgeschichte auf vier Rädern. Aber auch die kommt am Tüv nicht vorbei. Wenn Werner Wassermann in den nächsten Wochen bei den Prüfern in Itzehoe vorfährt, bekommen diese es mit einem 52 Jahre alten Stück Automobiltechnik zu tun. Und der VW Bulli der ersten Baureihe ist nach wie vor gut in Schuss. „Keine große Sache“, urteilt Wassermann, nachdem er ein Stück durchlöchertes Bodenblech herausgeflext hat. Der 52-Jährige ist Vorsitzender des Fördervereins, dessen Mitglieder nach einer erfolgreichen Spendensammlung unter den Einwohnern das erste Feuerwehr-Fahrzeug der Gemeinde vor vier Jahren für 6700 Euro gekauft haben. Der feuerrote VW-Bus blieb damit dem Dorf erhalten. Zweimal im Jahr kommt der Wagen zum Einsatz: beim Kinderfest und als Begleitfahrzeug beim Laternenumzug. Ansonsten nur bei gelegentlichen Oldtimertreffen. Entsprechend niedrig ist die Laufleistung. Gerade mal gut 13  000 Kilometer stehen auf dem Tacho.

Werner Wassermann hat den Bulli jetzt auf dem Hof von Heinz Nagel in Arbeit. Dort gibt es eine Hebebühne und bei Bedarf passendes Werkzeug. Und eine Menge Erinnerungen. Nagel hatte den Bulli einst gemeinsam mit Feuerwehrkameraden und dem damaligen Bürgermeister Hermann Schmidt selbst im Werk in Hannover in Empfang genommen. „Der war viel im Einsatz“, weiß der spätere Orts- und Amtswehrführer und erinnert sich an die Schneekatastrophe. Damals war Nagel Maschinist, hat mit dem Feuerwehrfahrzeug eine hochschwangere Frau ins Krankenhaus gefahren.

Es sind Geschichten wie diese, die den Bulli zu einem wertvollen Bestandteil historischen Dorflebens machen. Derweil prokelt Wassermann mit einem Schraubenzieher rostiges Bodenblech heraus. „Da kann man gut Schweißen“, freut sich der gelernte Flugzeugmechaniker. Der Wagen ist mit historischem H-Kennzeichen auf ihn zugelassen. Schließlich ist er Vorsitzender. Ansonsten wird der Wagen in Gemeinschaftsarbeit gepflegt und unterhalten. „Wir haben im Verein sogar eine Tankwartin“, weist Wassermann auf einen einstigen Lehrberuf hin, bei dem man auch noch mit der Wartung von Fahrzeugen vertraut gemacht wurde.

Notfalls könnte der Förderverein sogar noch zu einem Einsatz ausrücken. Der Bulli ist immer noch voll ausgestattet, die originale Löschwasserpumpe konnte Heinz Nagel beisteuern. Von Schaufel über Schläuchen und der hölzernen Leiter auf dem Dachgepäckträger ist das feuerwehrtypische Zubehör noch komplett. „So richtig schick machen wollen wir den gar nicht“, Wassermann und seine Mitstreiter wollen den Wagen wenn irgend möglich im Original-Zustand erhalten. Man soll ihm die jahrzehntelange Arbeit im Dienst der Landscheider Bevölkerung auch künftig noch ansehen können. Auch der halb abgeblätterte Aufkleber in Erinnerung an ein „Fire Pump Pulling“ der Hamburger Feuerwehr bleibt auf der Windschutzscheibe kleben.

„Das ist Blätterteig“, hat Wassermann sich im Bodenblech inzwischen ein Stück weiter vorgearbeitet. Trotzdem bleibt er entspannt. Die erforderlichen Blechteile kann man an der Werkbank zurechtbiegen. Notfalls gibt es auch noch fabrikneuen Ersatz.

Bei der Vollabnahme 2012 und beim letzten Tüv vor zwei Jahren hatten die Prüfer nur an den Bremsen ein bisschen was auszusetzen. Und der Rückfahrscheinwerfer funktionierte nicht. Die Leuchte wurde kurzerhand abmontiert, weil sie 1964 ohnehin nicht vorgeschrieben war. Wenn Werner Wassermann jetzt keine weiteren Überraschungen erlebt, sollte dem frischen Tüv nichts mehr im Weg stehen.

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erstellt am 05.Aug.2016 | 17:20 Uhr

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