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Norddeutsche Rundschau

27. September 2016 | 14:07 Uhr

Historisches : Familien und ihre Geschichten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Verein Gravert-Buch bringt alle 25 Jahre ein Ergänzungsband als historisches Nachschlagewerk für alle Grevenkoper heraus.

Groß war die Freude beim Verein Gravert-Buch, als ein Paket aus Süddeutschland eintraf: Darin befanden sich Schnellhefter mit handschriftlichen Aufzeichnungen in deutscher Schrift aus dem Jahr 1915. Absenderin war Gesche Gravert, die aus Krempdorf stammende Urenkelin des Verfassers des 1929 gedruckten Gravert-Buches. Nach dem Tod ihrer Mutter ließ sie nun den Nachlass der Originalaufzeichnungen der Familiengeschichten aus der Kremper- und Kollmar-Marsch dem Verein zukommen, der das Werk ihres Urgroßvaters weiterführt. Dieser Verein wird seit 1995 von Hans-Peter Ahsbahs aus Grevenkop geleitet. Zusammen mit seinem Vorstandsteam Gertrud Gravert, Karl-August Linnepe und Kerstin Stäcker sowie etwa 50 Mitgliedern erhalten und verwalten sie den einmaligen Schatz von Familiengeschichten für diese Region.

Ziele des Vereins sind der Neudruck von Ergänzungsbänden, die Aufnahme der Veränderungen in den Familien und die Beschaffung von finanziellen Mitteln für diese Arbeit. „Alle 25 Jahre wollen wir einen Ergänzungsband herausgeben, um jede Generation zu erfassen, damit dieses Nachschlagewerk aktuell bleibt und seinen Wert für die Familienforschung behält“, beschreibt Hans-Peter Ahsbahs die Vereinsarbeit.

Johannes Gravert (1845-1923) aus Krempdorf hatte bereits vor 100 Jahren die Idee, Kirchenregister und Grundbücher miteinander zu verarbeiten und durch Schuld- und Pfandprotokolle und andere Quellen zu ergänzen. Nach der Hofabgabe 1911 widmete er sich ganz der Familienforschung. Zu der Zeit wussten nur wenige Menschen etwas über ihre Verwandten, oft waren ihnen nur die Geschwister und Großeltern bekannt. Dadurch kam es dann auch zu Ehen unter Blutsverwandten. In unendlicher Fleißarbeit hat Gravert ein Quellenwerk von 1270 Familienstammbäumen erstellt, wie es wohl keine andere deutsche Landschaft aufweisen kann. Jedes Haus zwischen Elbe, Krückau und Stör mit einem Grundbesitz über 0,5 Hektar erhielt eine Hofnummer, die auch in einer Landkarte verortet ist. Durch Querverweise auf die Hofnummern der eingeheirateten Partner lässt sich so Familienforschung betreiben.

Johannes Gravert konnte seine Arbeit nicht ganz vollenden. Nach seinem Tod übernahmen Pastor Emil Holst aus Barmstedt und Stadtrat Theodor Ahsbahs aus Hamburg die Unterlagen und ergänzten sie. Mit Unterstützung der Krempermarsch Sparkasse und des Krempermarsch-Vereins konnte 1929 das Buch „Die Bauernhöfe der Kremper- und Kollmar-Marsch“ mit 790 Seiten bei J. J. Augustin in Glückstadt gedruckt werden.

Inzwischen ist 1999 bereits der dritte Ergänzungsband erschienen. Darin ist beispielsweise nachzulesen, dass der Hof von Hans-Peter Ahsbahs aus Grevenkop die Nummer 840 hat. Er ist 1948 geboren und hat 1969 seine Frau Inge von der Hofnummer 728 geheiratet. Gertrud Gravert erzählt, dass es immer wieder Anfragen gibt von entfernten Verwandten, die inzwischen andernorts wohnen und nach ihrer Familiengeschichte suchen. „Wenn ich dann ein Buch verschickt habe, erhielt ich schon mehrfach Dankesbriefe mit spannenden Lebensläufen und interessierter Anteilnahme an unserer Arbeit.“

Hans-Peter Ahsbahs zeigt sich aber besorgt über die Fortführung der Vereinsarbeit: „Durch den Datenschutz müssen alle Personen ihr Einverständnis zur Veröffentlichung geben, und das Interesse an Familiengeschichten ist zurückgegangen. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat außerdem dazu geführt, dass viele Höfe nicht mehr von Landwirten bewohnt werden und so die enge Bindung an die Region verloren geht.“ Der Verein will aber weitermachen und das Erbe von Johannes Gravert erhalten. „Dazu brauchen wir Nachwuchs im Verein. Oft ist einem das Interesse an Familienforschung schon in die Wiege gelegt, dann macht die Arbeit auch Spaß“, sagt Gertrud Gravert, die sich für die Zukunft interessierte Mitstreiter wünscht. Inzwischen ist der Datensatz der Familienstammbäume elektronisch gesichert, sodass eine Ergänzung nicht mehr so zeitaufwändig ist. Bei der letzten Aktualisierung waren dennoch 85 Helfer im Einsatz, die von Haus zu Haus gegangen sind und die Daten erfasst haben.

Als letzte Veröffentlichung ist 2006 ein Bildband erschienen, in dem jeder im Gravertbuch erfasste Hof mit einem Foto von dem bekannten Fotografen H. Dietrich Habbe aus Molfsee dargestellt ist. Diehistorischen Nachschlagewerke können beim Verein oder im Schreibwarengeschäft Kock in Krempe erworben werden.  
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Kontakt: www.krempe.net oder Gertrud Gravert, 04824/495




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