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Glückstadt : „Es ist ruhig im Ankunftszentrum“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Koordinatorin der Unterkunft Christiane Strecker spricht von neuen Plänen für den Ausbau des Camps am Neuendeich.

Theoretisch kann Christiane Strecker 1250 Gäste auf ihrem Gelände beherbergen. Zurzeit sind es aber nur fast 200 Asylsuchende. Mit unserer Zeitung spricht die 53-jährige Leiterin der Erstaufnahmeeinrichtung in Glückstadt über die aktuelle Lage und was geplant ist.

Bevor Sie von der Staatskanzlei in Kiel nach Glückstadt kamen, haben Sie bis August 2016 die Landesunterkunft in Albersdorf geleitet. Was unterscheidet die beiden Standorte?

Strecker: Das Ankunftszentrum in Glückstadt ist deutlich größer und viel spannender mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dem Bamf, vor Ort. Hier stellen die Flüchtlinge direkt nach Ankunft ihren Asylantrag, was in Albersdorf gar nicht möglich war. Dafür ist in der Erstaufnahme in Glückstadt einiges im Zusammenhang mit den Umbauten der ehemaligen Kaserne noch nicht fertig. Wir sind noch dabei, die besten Lösungen zu erarbeiten.

 

Können Sie Beispiele nennen?

Die Baupläne des Kantinenhauses sind fertiggestellt und der Bauantrag Ende des Monats abgegeben.

 

Wie behelfen Sie sich jetzt?

Immer noch mit einem Zelt, das gerade erneuert wurde. Wir haben seit Anfang des Jahres mit der AlsterFood-GmbH auch einen neuen Dienstleister als Caterer, mit dem wir sehr zufrieden sind.

 

Was wird eigentlich aus dem großen Haus Berlin, welches von der Bundeswehr eigentlich abgerissen werden sollte?

Es wird aktuell saniert. Geplant ist, dort den Kindergarten einzurichten. Der bisherige Container für die Kita soll im April abgebaut werden. Eingerichtet werden soll dort die Schule für Kinder und Schulungsräume für Erwachsene. Wir planen gemeinsam mit der Glückstädter Volkshochschule, dort Sprachkurse anzubieten. Aber noch ist der Block nicht fertig.

 

Auf dem Gelände sieht es jetzt so aus, als ob alle ehemaligen Mannschaftsunterkünfte der Marine fertig umgebaut sind.

Die Blöcke A und B sind belegt mit Flüchtlingen. Zwischen den Häusern ist ein Platz, auf dem Kinder toben können. Im Block M ist der Ankunftsbereich mit der Begrüßungshalle. Dort ist auch der Freizeitbereich für Kinder und Jugendliche. Im Block N ist die Fahrradwerkstatt untergebracht. In Block L ist nach wie vor die Kleiderkammer, die super sortiert ist.

 

Haben Sie eigentlich spezielle Zimmer für alleinstehende Frauen?

Ja, sie sind in einem besonderen, abschließbaren Frauenbereich untergebracht. Auch die Hausbetreuung und die Security ist dort weiblich. Zurzeit sind dort 28 Frauen, zum Teil mit Kindern, untergebracht.

 

Wie beurteilen Sie die Stimmung derzeit im Camp?

Aufgrund der niedrigen Belegung ist es ruhig. Vielleicht liegt es an der guten Luft der Elbe. Nein, ernsthaft, die professionelle und sehr gute Zusammenarbeit aller Akteure vor Ort und damit auch gute Betreuung, Versorgung und Beratung der Flüchtlinge lässt Spannungen gar nicht erst entstehen.

 

Die Verunsicherung ist aber doch sicher bei einigen da, weil einige fürchten müssen, wieder in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden.

Es wird landesweit an einem integrierten Rückkehrmanagement gearbeitet. Ziel ist eine Rückkehr ins Herkunftsland, die möglichst freiwillig und menschenwürdig ist. In Schleswig-Holstein werden gerade Beratungsstellen aufgebaut für Flüchtlinge, die freiwillig zurückkehren wollen. Auch das Landesamt führt regelmäßig und wiederholt Rückkehrgespräche mit den Flüchtlingen durch und informiert dabei über Rückkehrprojekte, die Unterstützung auch im Heimatland anbieten.

 

Sprechen wir von denen, die bleiben.

Flüchtlinge mit einer guten Bleibeperspektive sind bei uns etwa zehn bis 14 Tage in der Qualifizierten Erstaufnahmeeinrichtung wohnverpflichtet und gehen nach Asylantragstellung weiter in die Kommunen. Das DRK hat am Anfang des Jahres seinen Vertrag verlängert. Die Polizei bleibt auch in der Einrichtung. Neu ist die Notarztbörse seit Anfang des Jahres, die die Erstuntersuchungen und die hausärztliche Versorgung der Flüchtlinge sicherstellt. Das Landesamt hat derzeit elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alles in allem – einschließlich der Bamf-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und der Security – sind mehr als 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Gelände.

 

Wie ist das Miteinander unter den Akteuren?

Gut. Wir halten regelmäßige Lagebesprechungen ab. Dann sitzen auch die Ärzte mit am Tisch und es wird darüber gesprochen, wer Unterstützung braucht. Das gilt für Flüchtlinge und auch Mitarbeiter. Diese Gespräche tragen zum harmonischen Miteinander bei. Wichtig sind auch klare Ansagen.

 

Was reizt Sie persönlich an der Aufgabe?

Der Aufbau einer gut funktionierenden Erstaufnahme, die Zusammenarbeit mit sehr unterschiedlichen Akteuren hier im Ankunftszentrum Glückstadt und das multikulturelle Umfeld für meine tägliche Arbeit. Mir gefällt der Projektcharakter, den der Aufbau noch eine Weile bieten wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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