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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 05:40 Uhr

„Es hätten gern zehn Jahre sein dürfen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Total-Werkleiter Rainer Keiemburg verlässt Brunsbüttel – und wird immer ein bisschen die Schleusenstadt im Herzen tragen

In einem alten Schlager hat Marlene Dietrich noch einen Koffer in BerlinRainer Keiemburg wird stets einen Koffer in Brunsbüttel haben. Der Leiter des Total Bitumen-Werks fühlt sich der Schleusenstadt nach fünf Jahren eng verbunden. Doch die obligatorische Rotation im Konzern lässt ihn Abschied nehmen von einer Stadt, die er geradezu lieb gewonnen hat, von Mitarbeitern, mit denen er sich duzt, und von vielen Freunden. Am 1. Oktober wird er als „Direktor Spezialitäten“ seine neue Aufgabe im Total-Konzern antreten. In Berlin. Und doch wird er häufiger nach Brunsbüttel zurückkehren. Einerseits, weil er weiterhin für das Werk verantwortlich ist, andererseits, weil ihn Veranstaltungen des Kulturvereins Lyra ebenso an die Elbe locken werden wie die Wattolümpiade und sicher auch das Schleswig-Holstein Musik Festival, in dem er zurzeit Sprecher des Ortsbeirats ist.

Als Keiemburg vor sieben Jahren mit Ehefrau Jutta nach Paris zog, um dort in der Konzernzentrale zu arbeiten, wusste er bereits, dass 2011 die nächste Station Brunsbüttel sein würde. Seine Erfahrung im Norden beschreibt er mit einem Zitat aus dem Film „Willkommen bei den Sch’tis“: „Man weint zweimal – einmal, wenn man kommt, und einmal, wenn man geht.“ Die Dithmarscher habe er entgegen einem landläufigen Vorurteil so gar nicht zugeknöpft erlebt, sondern offen und zupackend. Der berufliche Weg in die kleinstädtische Fremde hatte für ihn daher keinerlei negativen Beigeschmack.

Im Werk am Nord-Ostsee-Kanal verantwortete Rainer Keiemburg die Investition von 40 Millionen Euro, davon allein elf Millionen für Tank 47, den landesweit größten Rohöltank. „Werkleiter werden gemessen an der Größe der Tanks, die sie bauen“, sagt er augenzwinkernd. Tatsächlich sei diese Großinvestition mit einer Langzeitperspektive erfolgt. Sein Nachfolger werde allenfalls in deutlich kleineren Kapazitäten das Lager erweitern.

In Keiemburgs Zeit fiel das 100-jährige Bestehen des Standorts, das 2014 mit Tag der offenen Tür und einem Konzert gefeiert wurde. Das eingerahmte Plakat der Wingenfelder-Brüder wird auch im zukünftigen Büro in Berlin hängen. „Das war großartig, wie die Veranstaltung wahrgenommen wurde.“ Mehrere tausend Besucher waren der Einladung gefolgt. Alle paar Jahre einen Tag der offenen Tür kann er sich auch in Zukunft vorstellen. Denn: „Wir müssen im Gespräch bleiben.“ Das helfe im sich abzeichnenden Fachkräftemangel.

Innovativ musste Rainer Keiemburg sein, nachdem deutlich wurde, dass bundesweit Investitionen in den Straßen bau stagnieren – und damit auch der Bitumenabsatz. Die Lösung hieß Export. Inzwischen hat sich die Zahl der Bitumenschiffe, die im Ölhafen jährlich festmachen, auf 60 verdreifacht, fahren im Jahr 1000 Kesselwagen über das Industriegleis und wurde eigens für den afrikanischen Markt ein neues Produkt entwickelt: Bitumenblöcke. Die werden erst vor Ort geschmolzen. So erübrigen sich die üblichen Transport-Fässer. Denn die würden auf dem schwarzen Kontinent achtlos weggeworfen. Nachhaltigkeit funktioniere anders.

Während der Sprung von der französischen Hauptstadt an die Elbe nicht so groß war – die Keiemburgs wohnten in Paris am eher ländlichen Stadtrand – wird es in Berlin ganz anders sein: „Da wohnen wir mittendrin.“ Eine neue Erfahrung für den 49-Jährigen. Aber er ist überzeugt, dass ihn in der Spree-Metropole „einer der schönsten Jobs – neben Brunsbüttel“ erwartet. Über seine Zeit in der Schleusenstadt sagt er: „Es hätten gern auch zehn Jahre sein dürfen.“

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erstellt am 11.Aug.2016 | 05:24 Uhr

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