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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 23:18 Uhr

Reportage : Einmal schnüffeln am Paket – ein Tag in der Postabfertigung des Zolls

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ob Waffen, Tablets oder einfach nur exotische Fresspakete – alle Sendungen aus dem außereuropäischen Ausland gehen über den Tisch des Zolls.

Das Paket kommt aus Asien. Gleich mehrere Aufkleber mit fremden Schriftzeichen weisen eindeutig auf die Herkunft hin. „Thailand“, sagt Zollbeamter Lars Jäger nach einem kurzen Blick. Schon beim ersten Schnitt breitet sich ein kräftiger Geruch in der Postabfertigungsstelle des Hauptzollamtes (HZA) Itzehoe in der Kaiserstraße aus. Positiv formuliert könnte man ihn als „exotisch“ bezeichnen. „Das hab´ ich im Auto schon gerochen“, sagt Postbote Andres Kählert. „Na, dann wollen wir mal schauen, ob auch nichts Lebendes drin ist – oder etwas, was schon wieder lebt“, witzelt Jäger. Kählert lacht. Man kennt sich, der Postbote ist seit Jahren regelmäßig morgens hier.

Etwa 3000 Pakete pro Jahr werden so von sechs Zöllnern in Itzehoe kontrolliert. Alles Sendungen aus dem außereuropäischen Ausland. „Wir sind für den Kreis Steinburg und angrenzende Gebiete bis nach Kaltenkirchen zuständig“, erklärt Nico Haußmann, der Leiter der Abfertigungsstelle. „Das Gros der privaten Postpakete aus dem Ausland wird zollmäßig bereits am Frankfurter Flughafen oder im Hamburger Hafen bearbeitet. Nur wenn etwas unklar ist, landen Sendungen bei Binnenzollämtern wie unserem.“ Die Beamten kontrollieren dann, ob Drogen, Waffen, Fälschungen oder andere unerlaubte Dinge verschickt wurden. Ansprechpartner ist die Post. Sie gilt zunächst als „Einführer“ – die privaten Empfänger kommen nur ins Spiel, wenn etwas nicht in Ordnung ist.


Lollies und getrockneter Fisch für die Verwandten


In dem Paket aus Thailand sind Lebensmittel – Lollies, Tütensuppen und getrockneter Fisch. Ein Gruß aus der thailändischen Heimat, vermutlich für Verwandte im weit entfernten Itzehoe. „Auch wenn ich das nicht essen möchte, sieht alles in Ordnung aus“, sagt Lars Jäger. Trotzdem wird später noch Zollspürhund Anton seine feine Nase an die exotische Lieferung halten, denn manch ein Drogenkurier versucht eine Lieferung mit verbotenen Substanzen durch aromatische Lebensmitteln zu tarnen. „Eine Hundenase zu täuschen, ist aber kaum möglich“, sagt Haußmann. Am Ende wird das Paket zugestellt.

Später am Morgen finden die Beamten neben den exotischen Lebensmitteln auch noch einen gefährlich aussehenden Schlagstock. „Da überprüfen wir jetzt, ob der Empfänger zum Erhalt berechtigt ist.“ Routinegeschäft für die Beamten – etwa einmal pro Woche fänden sie etwas Illegales, sagt Haußmann.

Während die Zollbeamten noch mit der Postlieferung beschäftigt sind, kommt Neele Neuhaus in die Abfertigung. Die Itzehoerin hat sich ein Tablet direkt in China bestellt. Das Paket landete beim Zollamt, die Empfängerin wurde aufgefordert, vorbeizukommen. „Tut mir leid, das Paket können Sie noch nicht mitnehmen“, sagt Haußmann. Er hat überprüft, ob das Gerät ein Original ist und deutschen Standards entspricht. Es fehlt die deutsche Bedienungsanleitung und eine sogenannte EG-Konformitätserklärung, die für solche Elektronik-Artikel zwingend vorgeschrieben ist. Drei Tage hat die Bundesnetzagentur nun Zeit, sich zu äußern. Tut sie es nicht, wird Neuhaus das Gerät ausgehändigt. Eine Prognose wagt Haußmann nicht. „Wir sind in solchen Fällen nur Dienstleister für die Kollegen in den Fachbehörden.“ Wie die entscheiden, hänge von Faktoren ab, die er nicht einschätzen könne. „Vielleicht kennen sie den Absender bereits und wissen, dass er stets einwandfreie Ware verschickt.“ Schließlich fehlen nur zwei beigelegte Papiere. Das Tablet könnte vollkommen in Ordnung sein. Vielleicht wird aber auch eine genauere Prüfung angeordnet. Im Zweifel geht das Paket zurück. „Es geht schließlich um die Sicherheit“, sagt Haußmann.

Gegen Mittag fährt er mit einem Kollegen nach Wacken. Dort hat der Mittelalter-Shop „Battle Merchant“ eine Ladung Hieb- und Stichwaffen sowie Rüstungen aus Indien erhalten. „Die Waffen sind sehr stabil, aber stumpf. Sie sind speziell für Schaukämpfe gemacht, zum Beispiel auf Mittelalter-Märkten“, sagt Geschäftsführer Hendrik Pahl. Die Zollbeamten kontrollieren stichprobenartig, ob Papiere und Lieferung übereinstimmen. Pahl präsentiert einen Helm, die Reproduktion eines Wikinger-Schwertes und einen hölzernen Schild. „Alles in Ordnung. Hatte ich auch nicht anders erwartet“, sagt Haußmann. Bereits seit 1998 besteht der Spezialhandel. Der Zoll ist dort regelmäßig aktiv. Die aktuelle Lieferung kann nun in den Wackener Laden oder in den Online-Handel gehen.


Auch Ausfuhren kontrolliert der Zoll


Haußmann und seine fünf Mitarbeiter sind aber nicht nur für Einfuhren zuständig. Auch Exporte werden von ihnen bearbeitet. „Wir achten darauf, dass niemand Teile für Nuklearanlagen nach Nordkorea verschickt oder Kaviar für Kim Jong-Un“, sagt der Zollbeamte augenzwinkernd. In erster Linie werden aus seinem Zuständigkeitsbereich technische Artikel exportiert, Flugzeug- oder Autoersatzteile beispielsweise.

Heute wird eine größere Ladung Käse bei einer Molkerei kontrolliert, die auf den Balkan exportiert werden soll. „Lebensmittel waren bei den Ausfuhren eigentlich unser Hauptgeschäft“, erklärt Haußmann. Durch das EU-Embargo gegen Russland sei das weniger geworden. Haußmanns Kollegen bereiten derweil eine besondere Ausfuhrkontrolle vor: Das Itzehoer Wenzel-Hablik-Museum verleiht eines der Gemälde des Künstlers für eine Ausstellung nach Kanada. „Der Export von Kulturgütern ist genehmigungspflichtig, auch wenn er vorübergehend ist“, erklärt Zöllner Carsten Michalski . Gemeinsam mit Lars Jäger kontrolliert er vor Ort im Museum, dass tatsächlich auch das richtige Gemälde verpackt wird. „Bis zur EU-Außengrenze, in diesem Fall der Flughafen Amsterdam, darf die Verpackung nicht wieder geöffnet werden.“ Im Im- und Export muss schließlich alles seine Ordnung haben.

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erstellt am 08.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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