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Norddeutsche Rundschau

28. September 2016 | 19:04 Uhr

Neuheit : Eine Schrift für mehr als 100 Sprachen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Grafiker Michael Herold entwirft „La Casa“ – seine dritte eigene Entwicklung kommt im April auf den Markt

„Woran denkst du?“ – „Ich bin beim Komma.“ Auf diese Antwort muss gefasst sein, wer mit Michael Herold verheiratet ist. Wenn der Grafiker aus Heiligenstedten eine neue Schrift entwickelt, nimmt er diese Aufgabe sehr ernst. Jetzt kommt „La Casa“ auf den Markt.

Das Vorbild war ein Haus. Vor sieben Jahren während eines Dänemark-
Urlaubs sah Herold die raumschiffartige Villa „Dupli.Casa“ aus Marbach in einem Magazin: „Tolle Formgebung, viele Kurven, Rundungen, Neigungen. Das wollte ich übertragen auf eine Schrift.“ Aber er fing nicht gleich an: „Das brütet erstmal im Kopf“, sagt der 52-Jährige. Ein Jahr später, wieder in Dänemark, entwarf er die ersten Buchstaben, „vor allem das kleine A, das ist formgebend“. Mit der Reinzeichnung begann er vor anderthalb Jahren und fand dabei auch, nachdem erste Entwürfe wie „hängende Strümpfe“ aussahen, das richtige Komma: „Das ist das wichtigste und häufigste Zeichen in jeder Schrift. Das Komma gibt dem Leser die Pausen vor, strukturiert Sätze.“

Für Herold ist es nach „Lamont“ und „Fou“ die dritte eigene Schrift, und das im Jubiläumsjahr. Vor 25 Jahren gründete er nach dem Studium des visuellen Kommunikationsdesigns an der Muthesius-Schule in Kiel seine Firma Typografikdesign in Itzehoe-Tegelhörn. 1997 zog die Familie nach Heiligenstedten. Die beiden Kinder, um die sich Herold zu Hause gekümmert hatte, kamen in die Schule und den Kindergarten, nun wurde er als Selbstständiger aktiver. Für Kunden entwirft er Signets, Druckwerke, Internetseiten, auch Kalender, Etiketten und CD-Cover. Hinzu kommen Kataloge und Plakate für mehrere Museen aus Schleswig-Holstein, darunter das Wenzel-Hablik-Museum. Dieses zu unterstützen oder auch die Basketballer der Itzehoe Eagles, „das macht schon Spaß“, sagt Herold. Wie er überhaupt mit dem vergangenen Vierteljahrhundert höchst zufrieden ist: „Es ist ein tolles Arbeiten. Alles richtig gemacht.“

Zum Jubiläum schenkt er sich eine ganz neue Internetseite – und die Schrift „La Casa“. Rund 500 Stunden Arbeit habe er dafür bisher investiert, so der Grafiker, der dabei sehr akribisch vorgeht. Zum Beispiel erscheine die Horizontale immer dicker als die Vertikale: „Das muss ich alles ausgleichen. Qualität steckt im Detail.“ Sind die Zeichen fertig, geht es an deren Abstände zueinander. Denn Schrift ist für Herold ein komplexes System und weit mehr als nur ein Arbeitsmittel: „Es ist das älteste Kulturgut, das wir haben, das am meisten verbreitet und am wenigsten wahrgenommen wird.“ Sei die Schrift gut lesbar, merke kein Laie den Grund. Aber eine schlecht zu lesende Schrift falle auf – und davon gebe es sehr viele.

Bei mehr als 50  000 Angeboten auf dem Markt könne man untergehen, weiß Herold. Warum dann eine neue Schrift? „Weil sie fehlt.“ Viele hätten nur wenige Zeichen, hinzu komme ein großer Markt von Schriften mit 256 Zeichen, die manche Sprachen nicht abdecken. „La Casa“ hat in sieben Schnitten von dünn bis sehr fett 728 Zeichen für mehr als 100 Sprachen, darunter Spanisch, Ungarisch, baltische Sprachen – und Kyrillisch. Zudem freut er sich, dass das Berliner „Dupli.Casa“-Architekturbüro J. Mayer H. die Schrift nutzen wird. „Sie wird ihre Nische finden“, sagt der Grafiker. „Im April geht sie weltweit in den Verkauf.“ Vermarktet von der Hamburger Schrift-Agentur URW++, kostet ein Einzelschnitt dann 50 Euro – bei einer Laufzeit von
70 Jahren.

Fertig ist Herold allerdings nicht: Das Kursive fehlt. Noch einmal sieben Schnitte, bei denen sich mancher Buchstabe komplett ändere, noch einmal viele Stunden Arbeit. Und parallel brütet der 52-Jährige bereits über dem nächsten Projekt. „Lux“ wird weniger umfangreich als „La Casa“, hat aber mit dieser eines gemeinsam: „Sie ist schon an URW++ verkauft.“
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Komplette Ansicht der Schrift „La Casa“ auf www.typografikdesign.de

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erstellt am 25.Mär.2016 | 12:00 Uhr

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