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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 15:30 Uhr

Vogelschau : Ein prächtiges Hobby

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Wilsteraner Gerhard Kneesch gehört zu den wenigen Züchtern von Prachtfinken im Kreis Steinburg.

Schon die Namen der unterschiedlichen Arten sind eine Augen- und Ohrenweide: Blaukopfschmetterlingsfinken, Senegalamarant oder auch Goldbrüstchen. Gleich nebenan zwitschert ein Elfenastrild. So prachtvoll wie ihre Bezeichnungen ist auch ihr Erscheinungsbild. Die in allen Farben schillernden Prachtfinken machen ihrem Namen alle Ehre. Normalerweise sind sie in Australien oder Afrika zu Hause. Mehr als 100 der seltenen Vögel leben allerdings auch mitten in der Innenstadt von Wilster. Dort hat sie Gerhard Kneesch unter seinen Fittichen. Der 64-Jährige pflegt seit rund 40 Jahren ein selten gewordenes Hobby: Er züchtet Prachtfinken – und ist mächtig stolz auf seine kleinen Schützlinge.

Auf den Vogel gekommen ist Gerhard Kneesch durch reinen Zufall. Nach der Hochzeit lebte er mit seiner Frau noch einige Jahre in einer Mietwohnung, und der Hauswirt hatte eine Voliere mit Kanarienvögeln. Der gelernte Zimmermann kam auf den Geschmack und machte sich mit den Besonderheiten der Vogelzucht vertraut. „Erst mit den Kanarien, dann mit den Exoten. Die mochte ich schon immer.“

Während Kanarien aber eher einfach zu halten sind, bedurfte es für Prachtfinken schon besonderer äußerer Bedingungen. Kneesch baute an seinem Haus in einer Nebenstraße der Burger Straße einen Wintergarten an und erweiterte ihn. Dank guter Dämmung und Anschluss an die Heizung ist dort auch im Winter eine gleichbleibende Temperatur von 20 bis 21 Grad gewährleistet. Inzwischen sind alle Anbauten bis in den letzten Winkel mit Volieren versehen, alles blitzsauber und voller Prachtfinken, die bei Unbekannten allerdings erst einmal ein bisschen scheu sind. Zwölf verschiedene Arten hat Kneesch in seinem Bestand. Die Finken werden fünf bis acht Jahre alt. „In der Natur sind sie früher weg. Aber hier haben sie ja keine Feinde.“ Das mit der Nachzucht ist eine Wissenschaft für sich. „Ich lasse sie zwei- bis dreimal brüten, dann nehme ich die Nester weg. Sie sollen sich ja nicht kaputtmachen“, sagt Gerhard Kneesch.

Die Nachkommenschaft ist in Liebhaberkreisen durchaus begehrt. Da wegen des Artenschutzes kein Finken-Nachschub mehr aus ihren Herkunftsländern kommen kann, sind Vogelfreunde auf heimische Zuchterfolge angewiesen. Jedes Jahr gehen von Wilster aus etwa 50 Prachtfinken auf die Reise zu anderen Vogelfreunden. Mit dem Verkauf finanziert er zum Teil dann auch sein liebenswertes Hobby. Ein Paar schön gezeichneter Schmetterlingsfinken wird mit 120 Euro gehandelt. Nebenbei kümmern sich die Prachtfinken-Züchter aber auch um die Erhaltung bedrohter Arten. So läuft, wie Kneesch berichtet, für die Goldamadinen derzeit ein Erhaltungsprogramm, zu dem auch der Wilsteraner seinen kleinen Beitrag leistet.

Zur gelungenen Nachzucht gehört natürlich auch gesunde Ernährung. Kneesch gibt seinen Schützlingen spezielles Aufzuchtfutter, eine ausgeklügelte Körnermischung und dazu Vitamine ins frische Trinkwasser. Während der Aufzucht gibt es besonderes Keimfutter, das er selbst ansetzt. Auch Salatgurken „fressen sie liebend gerne“. „Man muss aber auch aufpassen“, weiß der erfahrene Züchter. „Man kann die Tiere leicht kaputt füttern.“ Von in der Umgebung gesammeltem Futter lässt er dabei lieber die Finger. Und wenn er mit seiner Frau mal verreisen sollte, gibt Kneesch seine Prachtfinken in die Obhut des Schwiedersohns. „Der züchtet sonst aber Kaninchen.“

Zum Hobby gehört für ihn der regelmäßige Austausch mit Gleichgesinnten. Kneesch gehört zur Interessengemeinschaft Prachtfinken Itzehoe, wobei der Ortsname eher irreführend ist. Die Mitglieder, aktuell sind es sieben, kommen auch aus Garding und Wismar. „Für unsere kleine Gruppe stellen wir aber eine ganz ordentliche Schau zusammen“, wirbt Gerhard Kneesch für die Prachtfinkenausstellung am Wochenende 8. und 9. Oktober. Dann präsentieren sich die Züchter mit ihren Prachtexemplaren zum fünften Mal im „Ehlershof“ in Itzehoe (Am Kählerhof 2). Besucher sind in der Zeit zwischen 8 und 17 Uhr herzlich willkommen. Im Rahmen einer Vogelbörse sind rund 180 Tiere, neben Finken auch Kanarien, zu bewundern.

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erstellt am 06.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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