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Norddeutsche Rundschau

29. September 2016 | 17:17 Uhr

Geschichte erleben : Ein persönlicher Blick auf Adolf Hitler

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der renommierte Experte für die Geschichte des Nationalsozialismus Peter Longerich stellt im Landgericht in Itzehoe seine Hitler-Biographie vor.

Er kontrollierte die militärische Kriegsführung ebenso wie die Außenpolitik, die Kirche, die Kultur und mischte sich selbst in Detailfragen der Lebensmittelabgaben ein. Er ordnete die Massenmorde an den Juden an – Adolf Hitler hatte in allen Bereichen die Macht und, war ein „handelnder Politiker und flexibler als man allgemein annimmt“, erklärte Historiker Peter Longerich, aufgewachsen in Itzehoe und heute Professor an der Münchener Universität.

In seinem jüngsten Buch, einer Biographie über Adolf Hitler, setzt er „einige Akzente anders, als das bei der Mainstream-Histographie so üblich ist“, erläuterte Longerich bei seiner Lesung im Itzehoer Landgericht am Mittwochabend. Für Peter Longerich „kommt in den meisten Fällen die Rolle der Persönlichkeit zu kurz“, deshalb habe er bewusst den biographischen Zugang zum Phänomen Adolf Hitler gewählt. In seinem fesselnden Vortrag vor rund 150 Besuchern, darunter viele Schülern, zeigte der renommierte Wissenschaftler, wie groß der Einfluss Adolf Hitlers im Dritten Reich war. Erstmalig stellte er, eingeladen vom Verein Justiz und Kultur, das neuste seiner zahlreichen Werke vor.

Anhand von fünf Thesen und zwischendurch vielen komprimierten Zusammenfassungen, versuchte der Historiker seine über eintausend Seiten lange Biographie für die Zuhörer zugänglich zu machen. Gleich zu Beginn widerlegte er die Annahme, Hitler sei nur Bestandteil der vorhandenen Strukturen gewesen und habe günstige Möglichkeiten vorgefunden. Ausgehend von dem Werk „Mein Kampf“ verdeutlichte Longerich, wie Hitler von einem Niemand bis zum Jahr 1919 zu einem handelnden Politiker ab 1933 aufgestiegen sei. Dies sei nur möglich gewesen, da sich Hitler selbst die für seine Persönlichkeit nötigen Führungsstrukturen innerhalb von Partei und Staat geschaffen habe, die ihm eine enorme Machtfülle ermöglichten, und in seinem Handeln seine Persönlichkeit ausdrückte. Mit Bezügen zu Hitlers eigenem Werk sowie Gesprächen mit Psychoanalytikern stellte Longerich dar, wie Hitlers Persönlichkeit und sein „Geschick“ den Weg für seine folgende Politik geprägt hätten.

Mit zahlreichen Daten, Ereignissen und einem umfassenden Hintergrundwissen stützte Longerich durchgehend seine These, Hitler habe die für ihn notwendigen Strukturen selbst geschaffen und über eine „fast ungehemmte Macht“ mit einer gleichzeitigen „außerordentlichen Flexibilität“ verfügt. All das sieht Peter Longerich schon von früh an in der Persönlichkeit des späteren „Führers“ verankert, und für seine ganze Politik prägend. Für Longerich entscheidend ist aber letztendlich, dass Hitler „viel aktiver eingebunden war, als man bisher immer angenommen hat“, und so zieht er auch den Bogen zur heutigen Zeit. Ihm sei es „wichtig zu zeigen, wie schnell politische Systeme in Krisensituationen umschlagen können – und dass einzelne Personen dabei eine wichtige Rolle spielen können“.

Auf die im Anschluss an den Vortrag zahlreichen Nachfragen aus dem Publikum antwortete Longerich ausführlich und präzise. Zwar wollte sich der Historiker nicht zur aktuellen politischen Lage äußern, jedoch war ihm wichtig zu zeigen, dass man „auf keinen Fall einer Person wie Hitler einfach das Feld überlassen darf“. Denn Hitlers Diktatur „musste mit ihm als Person in einer Katastrophe untergehen“.

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erstellt am 16.Sep.2016 | 15:00 Uhr

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