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Norddeutsche Rundschau

27. April 2017 | 18:59 Uhr

Kreis Steinburg : Ein Engel zur rechten Zeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Durch das Projekt des Diakonischen Werkes finden Eltern im ersten Baby-Jahr kostenlos praktische Unterstützung im turbulenten Alltag.

Im September 2015 werden Detmar (44) und Barbara (38) Kleensang erstmals Eltern – von Zwillingen. Das Paar ist glücklich, doch der Alltag wird zunehmend anstrengender. „Alles war neu und ungewohnt, komplett anders“, sagt Barbara Kleensang. „Das Leben steht plötzlich Kopf.“ Dabei will man alles richtig machen, beiden Kindern gerecht werden. Glücklicherweise sei er als Landwirt selbstständig, so habe er sich zeitlich mal „freischaufeln“ können. Gemeinsam stellt sich das Paar der anstrengenden Herausforderung, aber Zeit für sich bleibt nicht. Die Hebamme gibt den Eltern den Tipp, sich Unterstützung zu holen und weist auf „Wellcome“, ein Angebot des Diakonischen Werkes Rantzau-Münsterdorf, gefördert von der Bundesinitiative Frühe Hilfen, hin. Detmar und Barbara Kleensang wenden sich an Petra Paetsch-Hadenfeldt, zuständige Koordinatorin im Kreis Steinburg. „Wellcome“ verspricht Familien im ersten Baby-Jahr kostenlos praktische und unbürokratische Hilfe. Ehrenamtliche Mitarbeiter kommen ein- bis zweimal die Woche in die Familie, um Eltern zu entlasten.

Nicht immer können sofort Ehrenamtler zur Stelle sein, die Freiwilligen sollten gern möglichst nah am Einsatzort leben. Auch Familie Kleensang musste eine Zeit lang warten, „weil im Raum Kellinghusen/Wrist niemand frei war“, so Petra Paetsch-Hadenfeldt. Doch dann ging alles ganz schnell. „Wir bekamen den Anruf: ‚Wir haben jemanden‘. Und danach lernten wir Milena kennen“, erzählt Barbara Kleensang mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht. „Wir haben uns echt gefreut“, fügt Detmar Kleensang hinzu.

Das erste Kennlerngespräch mit dem so genannten Wellcome-Engel folgte. Milena Kayßer (23), ebenfalls aus Wrist, hat sich „auf Anhieb mit Johanna und Josephina angefreundet“, so Barbara Kleensang.

Milena Kayßer, die gerade eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester absolviert, hatte während ihres Praktikums beim Bunten Kreis von den Frühen Hilfen erfahren. Sie fand das ehrenamtliche „Wellcome“-Projekt interessant. „Ich habe mir den Flyer geschnappt und mich gemeldet.“ Ein Glücksfall sowohl für Koordinatorin Petra Paetsch-Hadenfeldt als vor allem auch für die Familie. Ihren Einsatz verband Milena Kayßer gleich mit ihrem Sozialpraktikum, durch das sie sogar die ersten sechs Wochen jeweils an zwei Tagen acht Stunden die Familie unterstützen konnte. Doppeltes Glück für die Familie. In der Regel sind die Wellcome-Engel mindestens einmal die Woche drei Stunden da, um die Familie zu entlasten, „zweimal wäre auch schön“, meint Petra Paetsch-Hadenfeldt. Während sich die Ehrenamtlerin ums Kind kümmert, können die Eltern die Zeit für sich nutzen. „Wir hatten schnell vollstes Vertrauen zu Milena. Wenn sie hier ist, übernimmt sie die Kinder, und wir ziehen uns zurück. Oder sie begleitet die Zwillinge und mich mal zum Kinderturnen“, erzählt Barbara Kleensang. Für sie habe sich das Warten auf jeden Fall gelohnt. Und: „Wir würden ‚Wellcome‘ auf jeden Fall weiterempfehlen“, spricht die Mutter anderen Eltern Mut zu, sich zu melden.

Momentan engagieren sich 15 Freiwillige bei „Wellcome“, im Durchschnitt begleiten sie eine Familie drei bis vier Monate, individuell auch mal kürzer oder länger. Projektleiterin Paetsch-Hadenfeldt ist immer auf der Suche nach Interessierten im gesamten Kreisgebiet – für die „moderne Nachbarschaftshilfe“.

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erstellt am 11.Mär.2017 | 08:00 Uhr

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