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Norddeutsche Rundschau

30. September 2016 | 00:04 Uhr

Kultur : Ein Blick hinter die Kulissen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

So entsteht das Bühnenbild für die „Hochzeit des Figaro“ im Theater

Wenn es eng wird im Theater Itzehoe, dann hinten. „Es kneift immer in den Ecken, die wir eigentlich gar nicht haben“, sagt Volker Schott, der entspannt am Rand der Bühne steht. Darauf wird gehämmert, gewerkelt und geschraubt – insgesamt acht Bühnenarbeiter des Landestheaters sind damit beschäftigt, dass an diesem Abend die perfekte Kulisse für „Die Hochzeit des Figaro“ entsteht. Da muss auch schon mal der Technische Leiter des Landestheaters selbst mit Hand anlegen. Um die fünf Meter hohe Kulisse des Gartens mit aufzurichten, sind Kraft und Technik bei Heinz-Dieter Riekhoff gefragt. Seit 40 Jahren macht er den Job, wie viele Kulissen er dabei auf- und abgebaut hat weiß er nicht genau. Allein „Die Hochzeit des Figaro“ baut er zum vierten Mal auf. „So etwa alle zehn Jahre werden die Stücke wieder gezeigt, aber dass ein Bühnenbild gleich war – das habe ich noch nicht erlebt“, sagt der 60-Jährige.

Bei diesem Figaro herrscht schon ein wenig Routine, das Ensemble des Landestheaters hat das Stück bereits in Flensburg und Rendsburg gezeigt. Auf der Bühne gibt es nur kurze Anweisungen, die Arbeiter sind schnell und konzentriert bei der Sache. Denn nach der Aufführung muss am nächsten Tag alles wieder abgebaut und so verpackt sein, dass es für die nächste Vorstellung in Flensburg wieder einsatzbereit ist. Und nach Ende der Tournee werden die Kulissen für andere Stücke umgebaut und so weiter verwendet. „So ist eben Landestheater“, sagt Riekhoff.

Die Kulissen haben die Bühnenbildner des Theaters selbst hergestellt, die Technik hat sie abgesegnet. „Sicherheit geht vor, wir haben hier schließlich die Verantwortung“, sagt Volker Schott. Und Heinz-Dieter Riekhoff ergänzt: „Wenn irgendwas nicht sicher ist, bleibt der Vorhang zu – auch während eines Umbaus.“ Doch sein Ehrgeiz ist es, die Pausen so kurz wie möglich zu halten. Auch deshalb sind die Kulissen technisch ausgefeilt. Auf einem Fahrgestell, dem so genannten Wagen, sind sie montiert, damit sie schnell verschoben werden können. Die Rückseite der Gartenkulisse wird gerade mit fünf Meter hohen Zimmerelementen versehen. Die werden nur eingesteckt, mit Bolzen gesichert. Alles wirkt durchdacht und funktional. „In den Pausen wird dann viel gedreht, mal um 180, mal auch nur um 45 Grad“, sagt Riekhoff. Vier grundverschiedene Szenen sind so in kurzer Zeit möglich. Und auch wenn mal etwas schief gehe sei eines wichtig, sagt Riekhoff: „Dass der Zuschauer es dem Bühnenbild nicht anmerkt“.

Rund sechs Stunden brauchen die Techniker für den Aufbau der Kulissen. Beim Bau haben sie berücksichtigt, dass die Kulissen für die Musiktheater-Spielstätten in Rendsburg, Flensburg und Itzehoe passen. „Rendsburg ist am kleinsten, da haben wir beim Drehen nicht viel Platz“, sagt Riekhoff, der zuversichtlich für die Aufführung in Itzehoe ist. „Wenn es in Rendsburg gepasst hat, dann passt das hier auch.“

Die Techniker arbeiten in zwei Schichten. Wenn rund zwei Stunden vor der Aufführung Schauspieler, Beleuchter und Tontechniker sich das Bühnenbild anschauen, muss alles stimmen. Und wenn etwas kaputt geht, gibt es immer einen Maler, Elektriker oder Tischler, der das repariert. An eine richtige Panne mit dem Bühnenbild während einer Vorführung kann sich Riekhoff in seiner Berufslaufbahn nicht erinnern. Aber bei ihm und Volker Schott fällt die Anspannung erst ab, wenn die Vorführung gut gelaufen ist. Besonders freut sie, wenn es Beifall gibt, bevor ein Schauspieler die gar nicht so enge Bühne betritt. Denn dann gehört allein dem Bühnenbild der Applaus – und denen, die es installiert haben. Und das ist für jeden, der am Theater arbeitet, wohl immer noch der größte Lohn.



>Lesen Sie morgen an dieser Stelle eine Rezension der „Hochzeit des Figaro“ im Theater Itzehoe.

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erstellt am 04.Feb.2016 | 04:45 Uhr

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