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Norddeutsche Rundschau

02. Oktober 2016 | 00:19 Uhr

Eigene Erfahrung weckt Empathie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Angefangen hat alles mit einem Wettbewerb zum Thema Projektmanagement an der Fachhochschule Kiel. Eine Schülergruppe der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Klinikum Itzehoe nahm teil. Ihr Projekt: einen Alterssimulations-Anzug in die Ausbildung sowie die Weiterbildung implementieren. Es wurde ein Erfolg auf der ganzen Linie: Die Schülergruppe belegte den ersten Platz – und der Alterssimulator ist an der Schule nicht mehr wegzudenken.

„Es gibt kaum einen Pflegenden, der nicht mit alten Menschen zu tun hat“, sagt Ralf Rohwedder, Praxisanleiter der Gesundheits- und Krankenpflegeschule. Doch es bleibe wenig Zeit, sich auf die Senioren einzustellen. In der Theorie sei alles klar, in der Praxis wird es schnell vergessen. „Die Empathie fehlt.“ Wie soll ein junger Mensch ahnen, wie sich das Alter anfühlt?

„Wer es selbst ausprobiert hat, weiß, dass alles etwas langsamer geht“, sagt Rohwedder. Verschiedene Module können nahezu jedes Gebrechen nachfühlen lassen – vom grauen Star bis zur halbseitigen Lähmung. „Das macht es sehr anschaulich. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie beschwerlich es eigentlich ist, das Essenstablett ins Zimmer zu tragen, wenn sich die Arme anfühlen wie Blei.“ Oder dass man eine Tasse nicht ganz füllen sollte, wenn die Hände zittern. „Wenn man es selbst erlebt habe, verfestigt es sich. Es geht darum, Verständnis und Empathie zu entwickeln.“

Und das klappt. „Die Rückmeldungen sind durchweg positiv“, sagt Ralf Rohwedder. „Man merkt sofort, wie jeder, der es ausprobiert hat, sensibilisiert ist“, unterstreicht Schulleiterin Angelika Dahl-Dichmann. In anderen Bereichen gehörten Simulationen längst zum Alltag. „In der Pflege ist das noch relativ jung, im Norden gibt es das fast gar nicht“, weiß sie. So lockte ein Fachpflegetag im vergangenen Jahr Interessierte aus ganz Deutschland ans Klinikum Itzehoe.

Und jetzt geht man dort sogar noch einen Schritt weiter: Am zweiten Schulstandort am Langen Peter wird ein ganzes Simulationszentrum eingerichtet. In einem Patientenzimmer wird zum Beispiel eine interagierende Puppe liegen, an der von der Blutabnahme bis zum Legen einer Infusion alles geübt werden kann. „Dort sollen und dürfen die Schüler Fehler machen, die dann in der Praxis nicht mehr vorkommen sollen“, sagt Ralf Rohwedder. „Das ist das, was wir brauchen“, meint die Schulleiterin. „Schüler sollen losgelöst von der Patientenwirklichkeit trainieren, um Sicherheit zu gewinnen.“

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erstellt am 09.Apr.2014 | 05:00 Uhr

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