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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 17:46 Uhr

Cuxhavenfähre : Durststrecke noch nicht überwunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Geschäftsführer Christian Schulz von der Reederei Elb-Link sieht keinen Grund, von Insolvenz zu reden und peilt langfristig schwarze Zahlen an.

Heute vor einem Jahr nahm die Elb-Link Reederei die Fährlinie zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven auf. Damit wurde eine 14 Jahre zuvor aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellte Verbindung neu aufgestellt. Die beiden Doppelend-Fähren, die dort eingesetzt sind, sind zunehmend besser ausgelastet. Dennoch kam Elb-Link kürzlich in schweres Fahrwasser, als der Vorwurf einer Insolvenzverschleppung die Runde machte.Von Zahlungsunfähigkeit ist die Reederei nach den Worten des Geschäftsführers Christian Schulz weit entfernt. Er gab aber gestern gegenüber unserer Zeitung zu, dass es hohe Außenstände gebe, die Liquidität angespannt sei. Die Schulden würden dank des sich entwickelnden Geschäfts schrittweise abgebaut.

Ungewohnt offen sprach Schulz über finanzielle Eckdaten des Unternehmens, das eine Tochter der estnischen Saarema Shipping Co. ist. Demnach fuhr die Linie bis zum Stichtag 31. Juli einen Verlust über 1,41 Millionen Euro ein. „Dieser ist vollständig durch Einschüsse und nachrangige Mittel der Gesellschafter abgedeckt“, erklärte Schulz. Elb-Link verfüge über Vermögenswerte von 1,57 Millionen Euro als Anlage- und Umlaufvermögen. Dem standen Ende Juli 943  000 Euro an Verbindlichkeiten gegenüber. Die seien seitdem um bereits 80  000 Euro reduziert worden. Aus den Reihen der Gläubiger war offenbar jemand nervös geworden und hatte Strafanzeige wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung bei der Staatsanwaltschaft Stade eingereicht (wir berichteten). So soll die Reederei mit Sitz in Cuxhaven gezwungen werden, ihre Zahlen offen zu legen. Schulz gibt sich gelassen: „Das Ziel ist, alle offenen Verbindlichkeiten innerhalb der laufenden Sommersaison zu begleichen.“

Er sieht die Fährlinie auf einem guten Weg Richtung schwarze Null. Die will er in knapp einem Jahr erreicht haben. Dann ist für ihn auch ein Zeitpunkt erreicht, an dem die Gesellschafter über die Zukunft der Verbindung nachdenken werden. Denn dauerhaft auf Verlust dürfe Elb-Link nicht fahren, sagt der Geschäftsführer. Ein Wirtschaftlichkeitsgutachten der Rostocker Baltic Marine Consult bescheinigt einer Fähre auf der Route grundsätzlich einen Geschäftserfolg.

Doch aller Anfang ist schwer. Schwerer als erwartet, räumt Schulz ein. Der Betriebsbeginn im Spätsommer 2015 sei vom Gesellschafter so gewollt gewesen – ohne großartige Werbung, in einer touristisch schwachen Zeit und von Logistikunternehmen weitgehend unbeachtet. Er hätte lieber erst dieses Jahr zu Ostern losgelegt. So aber musste eine einnahmeschwache Wintersaison gleich zu Anfang durchstanden werden. „Mit Verlusten hatten wir gerecht“, sagt Christian Schulz. Nur nicht in dieser Höhe.

Dazu trugen auch die in den ersten zweieinhalb Monaten anfallenden hohen Lotskosten bei, bis die fünf deutschen und zwei der vier estnischen Kapitäne ihre Lotsbefreiung hatten. 400  000 Euro seien allein dadurch außerplanmäßig angefallen. Auch die Einstufung der beiden Fähren „Grete“ und „Anne-Marie“ als Seeschiffe sei ein beträchtlicher Kostenfaktor: Regelmäßig müssten dafür Abgaben von 130  000 Euro geleistet werden. Elb-Link arbeitet an einer Lösung, will die Fähren aber nicht zu Flussschiffen herabstufen. Das ginge zu Lasten der zwölf genehmigten Gefahrgutplätze für Lkw. Wobei sich „Gefahrgut“ nach Auskunft von Betriebsleiter Bernd Bässmann zu über 90 Prozent auf Bitumen-Transporte beziehe. „Die Fracht ist über 100 Grad heiß. Das ist das Gefährliche daran.“

Lkw sind der wichtigste Geschäftsbereich. Hier sieht Bässmann kräftige Zuwächse: Wurden vor einem Jahr zehn Laster am Tag übergesetzt, sind es heute durchschnittlich 80 – „mit steigender Zahl“. Insgesamt sind im ersten Betriebsjahr 13  000 Lkw, 74  000 Pkw und 443000 Personen befördert worden.

In einem Jahr ist der Einsatz einer dritten Fähre vorgesehen, die vorrangig auf Fahrzeugtransport ausgerichtet ist. Das Online-Buchungssystem soll für Geschäftsfkunden optimiert werden, und mit der Eröffnung des „Seestern“ am Steubenhöft in Cuxhaven will Elb-Link die Gastronomiekosten senken. Noch wird das Catering teuer zugekauft. Außerdem sollen die Fähren auch schneller werden, um die Fahrzeit zu verkürzen. Die Perspektiven seien gut, betont Schulz. Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass die Fährlinie sich noch im Aufbau befinde. „Diese Strecke muss sich etablieren. Das wird noch eine Zeit dauern.“ Verluste seien unvermeidlich. Für den Geschäftsführer ist unstrittig, dass Elb-Link auf Kurs kommen wird. „Man muss dem Ganzen auch mal eine Chance geben.“

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erstellt am 20.Aug.2016 | 04:51 Uhr

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