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Norddeutsche Rundschau

26. März 2017 | 07:32 Uhr

Podiumsdiskussion : Duale Ausbildung ist attraktiv

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wie funktioniert der Übergang von der Schule in den Beruf – darüber diskutierten Experten mit Bildungsministerin Britta Ernst in Itzehoe.

„Es ist toll, dass so viele Leute an unserer Veranstaltung teilnehmen“, sagte Vorsitzende Sina Esselborn-Große zum Auftakt der Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Bildung in der SPD im Himmel und Erde in Itzehoe. „Berufliche Bildung im Kreis Steinburg“ war das Thema, das mehr Interessierte als offensichtlich erwartet anlockte – zusätzliche Stühle mussten in den Raum gebracht werden. Britta Ernst, Ministerin für Schule und Berufsbildung, Klaus-Peter Teske, Leiter des Regionalen Berufsbildungszentrums Steinburg, Paul Raab, Leiter der Industrie- und Handelskammer-Zweigstelle Elmshorn, und Martin Görtzen, Leiter des Jobcenters Steinburg , diskutierten auf dem Podium die aktuelle Situation und mögliche Chancen auf dem Weg von Schule in den Beruf. „Gute Bildungseinrichtungen sind wichtig für die Chancen jedes Einzelnen und die Region“, unterstrich Sina Esselborn-Große. Und spielte damit Moderator Lothar Schramm den Ball zu, um die Diskussionsrunde einzuleiten.

Zu deren Auftakt Britta Ernst zunächst Grundsätzliches zur beruflichen Bildung beitrug und die Bedeutung der dualen Ausbildung unterstrich. Die sei häufig an den Rand gedrängt worden. „Wir müssen uns auch um duale Ausbildung kümmern“, sagte sie. Britta Ernst machte für die geringere Arbeitslosenquote im Vergleich zu anderen Ländern auch den hohen Ausbildungsanspruch durch Arbeit und begleitendem Schulbesuch als ursächlich aus. Die berufliche Bildung dazu in Regionalen Berufsbildungszentren zu bündeln, sei der richtige Weg. Angesichts zunehmender Technisierung der Arbeitswelt sei es wichtig, sich im Weiterbildungsangebot gut aufzustellen. Die Herausforderung der Zukunft sei es, auch die schwächeren Schüler aufzufangen und Perspektiven zu schaffen.

Die Attraktivität der dualen Ausbildung bekräftigten auch die Diskussionspartner, ebenso die Vorbereitung von Schülern auf das Berufsleben. Immer noch gebe es Schüler ohne Abschluss – etwa 7,4 Prozent. Anregungen und Forderungen auf dem Podium: die Schulpflicht generell auf zehn Jahre Minimum erhöhen, Produktionsschulen mit nachhaltigem Angebot zum intensiveren Kontakt zur Arbeitswelt als Schlüssel zum Beruf, Jugend-Berufsagenturen und ein besseres Mobilitäts- beziehungsweise Wohnangebot für Auszubildende waren einige Stichworte.

Genauso deutlich wurde, dass in der Region Steinburg die Weichen schon in die richtige Richtung gestellt wurden. Hier wurde aus der reinen Berufsschule bereits das Regionale Berufsbildungszentrum – mit 3500 Schülern und 205 Lehrern, wie Klaus-Peter Teske berichtete. 2400 Ausbildungsverhältnisse gebe es in der Region, das RBZ biete Unterricht in 48 Ausbildungsberufen. „Wir decken größtenteils den Bedarf in der Region ab.“ Hinzu kommen die schulischen Weiterbildungsangebote und der Unterricht für 450 Daz-Schüler (Deutsch als Zweitsprache). „Hier haben wir nochmal eine kleine Schule aufgemacht mit Unterstützung des Ehrenamtes.“ Außerdem sei die Inklusion von Schülern mit Behinderungen gewollt – auf dem Gelände des RBZ soll dazu der Neubau für die Steinburgschule entstehen. Teske hofft, dass dieses Projekt bald umgesetzt wird. Er berichtete auch aus anderen Schulbereichen und befand: „Wir sind gut aufgestellt.“

Zustimmung auf dem Podium, wobei Martin Görtzen noch einmal die Bedeutung der Berufsvorbereitung bekräftigte, damit Jugendliche den Sprung auf den Arbeitsmarkt schaffen – und weniger Auszubildende ihre Lehre abbrechen. Er griff auch das Stichwort Produktionsschule auf, „das ist auch für den Kreis Steinburg ein Thema“. Generell sei man im Kreis in der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Arbeitgebern auf einem guten Weg. Dazu wies Paul Raab auch auf etwa 1000 Kooperationen zwischen Gemeinschaftsschulen sowie Gymnasien mit Betrieben. Aus dem Publikum heraus wurden noch einmal die Situation der unter 25-jährigen Flüchtlinge thematisiert, die gerade hinsichtlich fehlender Fachkräfte schneller aus den Sprachkursen abgeholt werden und damit berufliche Perspektiven erhalten sollten. Eine Situation, die schwer zu lösen ist, wie Ministerin Britta Ernst betonte. Gleichwohl lobte sie das große Engagement für die Integration der Flüchtlinge im Kreis. Intensivere Berufsorientierung an Gymnasien war eine weitere Forderung, woraufhin aus Sicht der Gymnasien für diesen Aspekt fehlende finanzielle Ausstattung problematisiert wurde. Britta Ernst merkte dazu an, dass sich bei mehr Geld für den Bildungsbereich die Frage stelle, wo das ausgegeben werden sollte. Hier müssten Prioritäten gesetzt werden, dazu zähle in erster Linie das Ziel der hundertprozentigen Unterrichtsversorgung.

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erstellt am 07.Mär.2017 | 12:04 Uhr

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