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Norddeutsche Rundschau

25. September 2016 | 07:27 Uhr

Poetry Slam : „Du hast fünf Minuten – trag was vor“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In Itzehoe legte Moritz Neumeier den Grundstein für seine erfolgreiche Karriere als Poetry Slammer.

Ob Politiker, Zivildienstleistende oder behinderte Kinder – von Moritz Neumeiers Humor bleibt keiner verschont. Der 28-jährige Comedian wuchs in Itzehoe auf. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau und seinem Sohn in Bremen und geht mit seinem Programm in der ganzen Republik auf Tour. Im Interview spricht er über seine Wurzeln und seine Erfolgsgeheimnisse.

Herr Neumeier, Sie sind im Internet und auf Bühnen in ganz Europa erfolgreich als Comedian und Poetry Slamer unterwegs, kommen aber ursprünglich aus Itzehoe…

Genau, geboren wurde ich in Preetz, dann habe ich 15 Jahre in Itzehoe gelebt, bis Hamburg mich irgendwann gerufen hat. Zwei bis drei Mal im Jahr fahre ich noch nach Itzehoe, um meine Eltern zu besuchen.

Haben Sie dort auch mit dem Poetry Slam angefangen?

Ja, das ging hier los, ich habe immer schon Gedichte und kleine Texte geschrieben. Ein Arbeitskollege erzählte mir von Poetry Slams, die er mitveranstaltet hatte. Später habe ich dann etwas über einen Slam in Flensburg gelesen und bin einfach hingefahren. Da hieß es dann: Du hast fünf Minuten Zeit, trag was vor. Angefangen habe ich mit den selbstgeschriebenen Gedichten. Ab und zu waren auch schwarzhumorige Dinge dabei.

Über Sie wird gesagt, Ihr Humor sei radikal. Wer bekommt da besonders oft was ab?

Im Prinzip alles Menschenmaterial, das rumläuft. Vor allem Randgruppen, bei denen das nicht so üblich ist. Anfangs waren das viele Witze über behinderte Kinder, weil ich mit denen Zivildienst gemacht habe. Da habe ich schnell verstanden: Das ist erlaubt, das kann man machen. Das ist nicht ausgrenzend, sondern eher Inklusion. In Deutschland empfinden das viele als radikal, weil es hier nicht üblich ist. In englischsprachigen Ländern ist sowas aber normal.

Mit Ihrem Programm haben Sie zunehmend Erfolg, wie nehmen Sie das wahr?

Seit mein Sohn vor zwei Jahren geboren wurde, läuft es um Einiges besser. Durch ihn ist die Komponente Kinderhumor dazugekommen, auch ich habe mich verändert und mehr über mich nachgedacht und Persönliches ins Programm eingebaut. Ich kann von meinen Auftritten und Comedy-Shows leben. Jede Saison kommen mehr Menschen, das ist toll.

Ihr Videoblog nannte sich bis vor kurzem „Auf eine Zigarette mit Moritz Neumeier“, was steckt dahinter?

In dem Laden, in dem ich meine erste Show gemacht habe, durfte ich rauchen. Ich habe dann gemerkt, dass die Zigarette etwas ist, an dem ich mich bei Auftritten festhalten kann. Damals meinten alle: Du brauchst ein Alleinstellungsmerkmal. Da dachte ich mir: Okay, dann rauchst du halt auf der Bühne. Mein Agent und ich sind Helmut-Schmidt-Fans und haben die Idee auf die Blogvideos übertragen. Eine Zigarette hat die perfekte Länge dafür.

Vor kurzem hat Ihre Frau in einem Videoangekündigt, Sie würde kein zweitesKind mit einem Raucher bekommen, und Sie aufgefordert, stattdessen Kaffee zu trinken. Hören Sie auf Ihre Frau?

Bei Liveauftritten rauche ich seit einem halben Jahr nicht mehr. Auf dem Videoblog habe ich es jetzt auch eingestellt. Wenn meine Frau mit dem zweiten Kind schwanger ist, plane ich ganz aufzuhören.

Was für Pläne für die Zukunft haben Sie sonst noch?

Ich würde gerne eine Fernsehserie produzieren. Eine Sitcom nach amerikanischem Vorbild über mich und mein Leben. Ansonsten mache ich weiter meine Auftritte und hoffe, dass die immer größer werden.


> Die nächsten Auftritte Moritz Neumeiers sind am Dienstag, 27. September, im Grünen Jäger in Hamburg und am Freitag, 30. September, im Kühlhaus in Flensburg. Infos und Tickets auf www.moritz-neumeier.de.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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