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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 14:38 Uhr

Beschimpfung : Drohbrief wegen Flüchtlings-Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Unbekannter beschimpft Kollmaraner Reiterhof-Betreiber. Die Einnahmen des Weihnachtsmarkts waren für Schwimmunterricht gespendet worden.

Für Nicole und Jan Zimmer war es zunächst ein Schock: Mitten in die Vorbereitungen zum Kollmaraner Weihnachtsmarkt auf ihrem Reitstall platzte vor einigen Tagen ein Drohbrief: „Schämt ihr Euch gar nicht???“, schreibt der Unbekannte. Und weiter: „Um die Afghanen kümmert Ihr Euch, dass die schwimmen lernen, aber wie viele Kollmaraner gibt es noch, die nicht schwimmen können, darum kümmert Ihr Euch nicht. Traut Ihr Euch hier in Kollmar noch auf die Straße.“

Inzwischen wollen Nicole und Jan Zimmer aber nur noch zeigen, dass sie sich von den Drohungen nicht einschüchtern lassen. „Ich sage ganz klar: Nein, wir schämen uns nicht. Und natürlich trauen wir uns noch auf die Straße – warum denn auch nicht?“, sagt Jan Zimmer.

Aber was haben die Zimmers denn eigentlich getan, dass es andere Menschen offenbar so aufregt, dass sie einen anonymen Brief verfassen? Im November fand der traditionelle Kollmaraner Weihnachtsmarkt zum ersten Mal in der Reithalle auf dem Reiterhof Zimmer statt. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg, rund 500 Menschen kamen zum gemütlichen Klönschnack bei Glühwein und Waffeln.

Wie seit 20 Jahren in Kollmar üblich, spendeten die Aussteller am Ende der Veranstaltung einen Betrag für den guten Zweck, anstatt eine Standgebühr zu zahlen. Damals war dieser Zweck noch allen Beteiligten sofort eingeleuchtet: Weil die acht Flüchtlingskinder aus Afghanistan in Kollmar direkt an der Elbe leben, sollten sie schwimmen lernen. „Beim Spielen im Hafen fällt ja schnell mal ein Kind ins Wasser“, sagt Jan Zimmer. „Die Eltern dieser Kinder können alle selbst nicht schwimmen, deshalb sind sie, anders als die Kollmaraner, auch nicht in der Lage, es ihnen beizubringen.“

Im allseitigen Einverständnis wurden die Spenden in Höhe von rund 450 Euro für Schwimmkurse und -kleidung für die acht Flüchtlingskinder ausgegeben. Von Februar bis zu den Sommerferien fuhr das Kollmaraner Helferteam für Flüchtlinge regelmäßig mit den Kindern ins Schwimmbad nach Elmshorn. „Das war eine tolle Sache“, erinnert sich Meike Zimmer, die Mutter von Jan Zimmer und Mitglied des Helferteams. „Am Ende konnten sich alle Mädchen und Jungen über Wasser halten.“ Vor allem wurden auf diese Weise Unglücke verhindert, wie sie an anderen Orten an der Elbe passiert sind, weil Flüchtlinge nicht schwimmen konnten.

So positiv sieht die Sache aber nicht jeder, wie der Drohbrief zeigt, der die Zimmers jetzt erreicht hat. Für Jan Zimmer ist die Reaktion völlig unverständlich: „Die Kollmaraner bringen ihren Kindern alle frühzeitig das Schwimmen bei. Und wenn jemand trotzdem gern am Schwimmkurs hätte teilnehmen wollen, weil er sich keinen Kurs leisten kann, wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Es ist schlimm, dass es Menschen gibt, die so hässlich denken.“ Ihren Weihnachtsmarkt wollen sich die Zimmers durch den Drohbrief auf keinen Fall kaputt machen lassen – im Gegenteil: Am ersten Advent, also am 27. November, findet er wie im Vorjahr in der kleinen Reithalle statt.

Wer Kunsthandwerk oder Selbstgemachtes verkaufen möchte, sollte sich jetzt anmelden. 2015 gab es selbstgemachte Marmeladen, handgestrickte Kindersachen oder Dekoartikel aus Hufeisen. Nur professionelle Anbieter soll es nicht geben. Schließlich ist der Weihnachtsmarkt in erster Linie ein Dorftreff. „In diesem Jahr bitten wir auch die Afghanen darum, für unseren Stand ein paar landestypische Spezialitäten zu backen“, sagt Meike Zimmer. Sie verkauft seit 20 Jahren am Stand des Roten Kreuzes Pfütten, Waffeln, Kaffee und Kuchen. Außerdem wird es für die Kinder Ponyreiten geben. „Auf jeden Fall lassen wir uns nicht unterkriegen.“

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erstellt am 28.Sep.2016 | 04:45 Uhr

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