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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 13:25 Uhr

Wirtschaft : Digitale Revolution im Ohr

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Weltweit einzigartige Mini-Lautsprecher werden unter anderem in Itzehoe entwickelt und sollen schon bald zur Marktreife gebracht werden

Mit Hilfe einer Pinzette kann Andrea Rusconi Clerici am besten zeigen, wie die Zukunft aussieht – zumindest, wenn es nach der Firma Usound geht. Er hält einen winzigen Lautsprecher, nur fünf mal sieben Millimeter groß und neu auf dieser Welt: Er funktioniert auf digitaler Basis. Damit will die Firma aus dem österreichischen Graz mit Niederlassung im Itzehoer Innovationszentrum Izet den Markt erobern.

Fast alle Bauteile in elektronischen Geräten wie Handys sind klein und digital. Nur eine Alternative zu analogen Lautsprechern hat die Industrie in Jahrzehnten noch nicht gefunden. Die Usound-Macher tüftelten erst im Verborgenen, bevor die Firma im Jahr 2014 offiziell an den Start ging: „Als wir die Firma gegründet haben, war noch gar nicht klar, ob es technisch gehen würde“, sagt Rusconi. Doch sie seien mutig und aggressiv an die Entwicklung gegangen – motiviert auch dadurch, dass nach der Übernahme des früheren Arbeitgebers Sensor Dynamics die eigenen Jobs ein Auslaufmodell waren. An der Seite des Italieners Rusconi (40) stehen sein Landsmann Ferrucio Bottoni (50) und der Österreicher Jörg Schönbacher (35). Rusconi arbeitete im Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie. Die Nähe zum Isit sei für Usound sehr wichtig: „Hier hat alles angefangen, hier ist ein technischer Schwerpunkt, und das bleibt auch so.“

Die Basis bilden die Mikrosystemtechnik und ein Silizium-Träger mit einer piezoelektrischen Schicht, die elektrische Energie in Bewegung umsetzt – so entsteht Schall. Neu sei die Verfügbarkeit auf Silizium, mit der sich die Vorrichtung sehr stark miniaturisieren, in immer gleicher Qualität massenhaft produzieren und in Geräte integrieren lasse, sagt Rusconi. Das spart gegenüber dem analogen Lautsprecher mit seiner Magnet-Spule Platz, Gewicht und Energie.

Heiß werden die Usound-Produkte auch nicht. Und: „Wir können deutlich bessere Klangqualität erzeugen“, sagt der 40-Jährige. Jedes Teil sei zudem intelligent und könne dementsprechend mit den anderen Bauteilen zusammenwirken, anders als analoge Lautsprecher, „die letzte dumme Komponente im Smartphone“.

Deren Hersteller müssen ihre Geräte erst noch auf die neuen Möglichkeiten ausrichten – bisher sind die Usound-Lautsprecher eigens etwas größer ausgelegt, damit sie die analogen Vorgänger eins zu eins ersetzen können. „Wir müssen sehen, wo wir den Markt überzeugen können“, sagt Rusconi. „Das Interesse ist enorm, wir haben Kontakt mit allen großen Namen.“ Derzeit fokussiere sich das Unternehmen auf In-Ear-Kopfhörer, weil es bei diesen die besten Ergebnisse gebe, während in anderen Bereichen noch Arbeit warte. Mit einigen Kunden sei Usound bei den Kopfhörern in der Entwicklung. „Wir planen, Anfang nächsten Jahres mit kleinen Mengen in den Markt zu gehen.“ Später sind auch andere Bereiche wie Hörgeräte angepeilt.

Eine Stückzahl von 100  000 ist für das kommende Jahr vorgesehen, für 2018 zwischen einer Million und fünf Millionen. Mit der Produktion werden Partner beauftragt, Design und Entwicklung liegen bei Usound. 20 Mitarbeiter hat das Unternehmen, Tendenz steigend. Zwei von ihnen arbeiten in dem kleinen Büro in Itzehoe vor allem im Bereich Entwicklung, aber Rusconi sagt: „Wir planen, auch hier zu wachsen.“

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erstellt am 20.Aug.2016 | 08:02 Uhr

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