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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 14:46 Uhr

20 Jahre neue Rechtschreibung : „Die Reform ist gelungen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Vor 20 Jahren beschlossen die deutschsprachigen Länder, neue Rechtschreibregeln einzuführen. Der Itzehoer Deutschlehrer Friedemann Schröter zieht Bilanz.

20 Jahre ist es her, daß Deutschland, die Schweiz und einige weitere Länder beschlossen, eine Rechtschreibreform einzuführen. Friedemann Schröter (61), heute Deutschlehrer an der Gemeinschaftsschule am Lehmwohld, war einer von vielen Pädagogen, die sich umstellen mußten. Im Interview haben wir ihn gefragt, wie er die Reform zwei Jahrzehnte später bewertet. Die neue Rechtschreibung gilt heute in Deutschland, der Schweiz und einigen weiteren Ländern, die am 1. Juli 1996 eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben. Die Staaten verpflichteten sich darin, die neuen Regeln bis zum 1. August 1998 einzuführen. In den Jahren 2004 und 2006 wurden einige umstrittene Punkte der Reform überarbeitet.

Herr Schröter, wenn Sie privat einen Brief schreiben, benutzen Sie die alte oder die neue Rechtschreibung?

Ich schreibe in neuer Rechtschreibung. Am Anfang habe ich sicherlich noch häufig die alte Rechtschreibung benutzt. Aber gerade wenn man unterrichtet, sollte man sich nach den geltenden Regeln richten – auch im privaten Bereich.

Nach 20 Jahren ist die neue Rechtschreibung also endgültig in Ihrem Kopf angekommen?

Ja, definitiv.

Und Sie haben keine Zweifel mehr?

Zweifel habe ich vor allem, wenn es um Zusammen- und Getrenntschreibung geht. Beispiele sind „radfahren“ oder „spazierengehen“. In solchen Fällen schaue ich öfter mal im Duden nach. Nach der Reform der Reform gibt es ja teilweise auch die Möglichkeit, zwischen zwei Schreibweisen zu wählen.

Ist die Rechtschreibreform in Ihren Augen gelungen?

Ja, auf jeden Fall. Besonders im Bereich der Groß- und Kleinschreibung hat die Reform viele Dinge vereinfacht. Früher gab es Fälle, die mußte man auswendig lernen. Es gab Begriffe, die ohne jede Logik klein geschrieben wurden, wie zum Beispiel „alles übrige“. Nach der Reform wird das Wort „Übrige“ ganz logisch groß geschrieben. Auch die Schreibweise des S-Lautes, zum Beispiel bei „er muß“, ist viel logischer geworden.

Ist der Unterschied zwischen alter und neuer Rechtschreibung bei den Schülern heute noch ein Thema?

Überhaupt nicht. Wir thematisieren das im Unterricht auch bewußt nicht mehr. Das würde nur für Verwirrung sorgen.

Insbesondere ältere Menschen klagen vielfach darüber, daß heute niemand mehr richtig schreiben könne. Hat in Ihren Augen die Rechtschreibung an Stellenwert verloren?

Ich kann nur für unsere Schule sprechen und sagen, daß Rechtschreibung nicht ihren Stellenwert verloren hat. Wir arbeiten daran, daß den Schülern ein ordentliches Grundgerüst mitgegeben wird. Denn das Einhalten von Rechtschreibregeln dient letztlich der reibungslosen Kommunikation.

Gibt es noch das klassische Diktat oder mit welchen Methoden wird Rechtschreibung heute geübt?

Vielfach greifen wir bestimmte Bereiche heraus, wie zum Beispiel den S-Laut. Da gibt es bestimmte Regeln, die gelernt und natürlich auch in der Anwendung geübt werden. In Arbeiten werden in der Regel verschiedene Methoden miteinander verbunden. Das reine Diktat gibt es nicht mehr, aber es kann eine Teilaufgabe neben anderen sein.

Sie haben angedeutet, daß die neue Rechtschreibung viele Stärken, aber auch noch Schwächen hat. Ist die Zeit schon reif für eine weitere Reform?

Es gibt tatsächlich einige Dinge, die mich stören. „Pleite machen“ wird beispielsweise heute groß und auseinander geschrieben, während „pleitegehen“ klein und zusammengeschrieben wird. Warum, ist mir nicht ganz ersichtlich. Solche Ausnahmen, die es immer noch gibt, sollte man ausmerzen.


> Aus gegebenem Anlaß ist dieser Beitrag in der alten Rechtschreibung verfaßt.

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erstellt am 02.Jul.2016 | 07:00 Uhr

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