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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 15:48 Uhr

Sommerinterview : „Die Probleme in der Innenstadt drängen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Im Sommerinterview spricht Bürgermeister Andreas Koeppen über Wohnungsknappheit, Flüchtlingsfragen und die Pläne zur Sanierung des Zentrums

Herr Bürgermeister, die Sommerpause geht zu Ende, ab Montag tagen die politischen Gremien wieder. Was sind aus ihrer Sicht die wichtigsten Themen in Itzehoe in den kommenden Monaten?

Andreas Koeppen: Das für mich wichtigste Thema ist, dass wir zügig mit den Planungen für unsere Innenstadt vorankommen. Unsere Innenstadt ist in einem Zustand, der dringend der Verbesserung bedarf. Wir haben uns auf den Weg gemacht, dies zu erreichen und haben gut vorgearbeitet. Jetzt kommt es darauf an, die Politik in ihren Gremien damit zu befassen und die richtigen Weichen zu stellen.

Sie haben die Städtebauförderung in dieser Hinsicht als „Riesenchance“ für Itzehoe bezeichnet. Vorbereitende Untersuchungen sind im Hinblick auf die Innenstadt bereits gelaufen. Wie ist der Stand der Dinge?

Es werden Maßnahmenpläne erstellt, und wir haben eine Lenkungsgruppe installiert. Die hat jetzt mehrfach getagt. Wir haben beschlossen, dass wir versuchen wollen, Gelder zu bündeln, um schwerpunktmäßig in unsere Innenstadt zu investieren. Dazu wird aus meiner Sicht auf jeden Fall das Umfeld des Theaters gehören, ebenso der La-Couronne-Platz. Diese beiden zentralen Bereiche sind wichtig für die Innenstadt und müssen dringend verändert und verbessert werden.

Spielen dabei auch die Ideen von „Störauf“ eine Rolle?

Das Thema „Störauf“ gehört für mich 100-prozentig mit dazu. Ich halte das ganze Projekt für wirklich gut und auch gelungen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Wasser das Element ist, was die Menschen anzieht. Sicher kann Wasser um das Theater herum nicht die alleinige Maßnahme sein, aber ich glaube, es würde einen Impuls auslösen, der andere dazu bewegt, auch zu investieren. Anderslautende Pläne, die dort einen weiteren Grünzug vorsehen oder andere Dinge, halte ich für nicht geeignet. Grün genug ist Itzehoe schon jetzt. Die Idee von „Störauf“ ist richtig.

Wann ist es aus ihrer Sicht realistisch, dass so ein Projekt verwirklicht sein könnte?

Ich glaube, wir müssen leider alle ein bisschen Geduld haben. Ich weiß, dass die Probleme unserer Innenstadt sehr drängen und eigentlich sehr schnell gehandelt werden muss, aber wir müssen jetzt erstmal durch unsere Gremien. Dann werden wir für die Beschlüsse beim Innenministerium in Kiel werben, um Mittel aus der Städtebauförderung zu bekommen. Der nächste Punkt wäre dann die Finanzierung. Auch mit Städtebauförderung ist es für die Stadt nicht umsonst. Unser Anteil wird mindestens ein Drittel betragen. Eine Innenstadt-Revitalisierung wird sich nicht von heute auf morgen realisieren lassen. Ich halte ein Zeitfenster von fünf bis zehn Jahren für realistisch.

An Grün mangelt es Itzehoe nicht, aber an Wohnraum, haben wir den Eindruck. Sie auch? Und wenn ja, was tut die Stadt, um diesen Mangel zu beheben?

Es gibt in der Tat einen Mangel an neuem Wohnraum. Es gibt älteren Bestand auf dem Markt, aber wenig Neues und Frisches und danach suchen die Menschen. Deshalb werden wir als Stadt auf der Suder Höhe selbst bauen, um dort neuen Wohnraum anzubieten. Darüber hinaus sind wir gern bereit, Hilfestellung für private Investoren zu leisten, die bei uns bauen wollen – sei es über Bebauungsplanverfahren oder im Baugenehmigungsverfahren. Wir sehen auch die Notwendigkeit nach wie vor Baugrundstücke auszuweisen. Da laufen wir langsam trocken. Wir haben noch ein Gebiet im Eichtal/Kratt. Daran arbeiten wir. Es laufen Gespräche mit privaten Investoren, aber das ist noch nicht so konkret, dass ich damit an die Öffentlichkeit gehen kann. Die Analyse ist richtig. Wir brauchen Grundstücke und wir brauchen auch neuen frischen Wohnraum.

Ein Grundstück für die neue Feuerwache haben Sie mit dem Schützenplatz gefunden, aber noch kein Ausweichgrundstück für die Sportler. Oder gibt es da etwas Neues zu berichten?

Es ist richtig, dass wir uns um den Sport kümmern müssen. Das tun wir auch. Wir werden das demnächst im Bildungsausschuss diskutieren. Es bietet sich eine Fläche an. Das ist gewissermaßen die Nebenfläche, der alte Hartplatz der neben dem alten Stadion liegt. Wir stellen uns vor, dass wir dort einen Kunstrasenplatz schaffen, damit der Sport dort länger im Jahr stattfinden kann. Auch das kostet Geld, aber das ist etwas, was für mich unmittelbar und dringend zusammengehört. Es geht nicht, dass wir die neue Feuerwache an die Kastanienallee bauen und nichts für den Sport tun. Erst wenn wir da Einigkeit mit Verein und Politik erzielt haben, kann das ein rundes Paket werden.

Etwas Unruhe gab es in den vergangenen Monaten bei den Stadtwerken im Zuge der Installation eines zweiten Geschäftsführers. Den haben Sie inzwischen gefunden. Kehrt damit Ruhe ein oder gibt es da noch Probleme?

Ich gehe nicht davon aus, dass es mit den Stadtwerken Probleme gibt. Wir erhoffen uns von Gregor Gülpen neue Impulse und sind zuversichtlich, dass er die Stadtwerke gemeinsam mit Manfred Tenfelde erfolgreich führen wird. Wie alle kommunalen Versorger sind unsere Stadtwerke inzwischen einem extremen Wettbewerb ausgesetzt. Es war noch nie so leicht für Kunden, den Anbieter bei Strom und Gas zu wechseln. Dem müssen wir uns stellen und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das nur können, indem wir dafür jemand zweites mit den notwendigen Qualifikationen und der Erfahrung auf diesem Gebiet an Bord holen. Wir hoffen, dass wir das Unternehmen mit dieser Doppelspitze gut aufstellen.

Viel wird im Moment über den Satz der Bundeskanzlerin „Wir schaffen das“ diskutiert. In Itzehoe ist es ruhiger geworden um die Flüchtlingsfrage. Wie ist da die Entwicklung? Schaffen wir das in Itzehoe?

Ja, davon gehe ich fest aus. Wir haben das bislang gut geschafft. In der Stadt leben ungefähr 800 Flüchtlinge, die alle gut untergebracht sind. Wir haben einen großen Kreis an Ehrenamtlichen, die sich wirklich in jeder Hinsicht um unsere Flüchtlinge kümmern. Wir haben eine gut funktionierende hauptamtliche Verwaltung, die alles dafür tut, dass die Menschen gut betreut werden. Wir haben somit gute Voraussetzungen in Itzehoe, das zu schaffen und wir können nur diesen Weg der Integration gehen. Wir dürfen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, als man in Deutschland dachte, sich um Integration nicht bemühen zu müssen, weil die Gastarbeiter und Flüchtlinge ja irgendwann wieder gehen. Das ist gescheitert und das Ergebnis kann man heute in den Großstädten beobachten. Was die Zahlen angeht, muss man ganz klar sagen, wir haben noch einige, die zu uns kommen, aber die Zahlen sind extrem zurückgegangen, was angesichts der Weltlage verwundert. Das war so nicht zu erwarten. So bitter es ist, es wird eigentlich nirgendwo wirklich besser. Insofern gehe ich davon aus, dass wir möglicherweise in den nächsten Jahren doch wieder mehr Flüchtlinge bekommen. Die Krisenherde und Kriege sind da, die ökologische Veränderung der Welt tritt ein. Das alles bei einer wachsenden Weltbevölkerung. Und die Auswirkungen davon werden auch wir in Itzehoe auf die eine oder andere Weise spüren. Insofern ist die momentane Ruhe in der Flüchtlingsfrage aus meiner Sicht nur vorübergehend. Wir nutzen sie, um uns hier vor Ort vorzubereiten.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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