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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 10:05 Uhr

Interview : „Die Oberstufe hat sich etabliert“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der erste Jahrgang hat sein Abitur an der Kellinghusener Gemeinschaftsschule abgelegt. Ein Interview mit Schulleiter Gerd-Christian Thielmann.

Seit drei Jahren hat die Kellinghusener Gemeinschaftsschule eine Oberstufe. Erstmals legte jetzt ein Jahrgang sein Abitur ab - und alle Schüler bestanden. Über den Weg dahin, das G9-Abitur und über die Zukunft der GMS sprachen wir im Interview mit Gerd-Christian Thielmann (57), seit Sommer 2011 Schulleiter in der Störstadt.


Der erste Jahrgang hat an ihrer Schule das Zentral-Abitur abgelegt. Zufrieden mit dem Ergebnis?
Mehr als das. Alle 30 Schüler, die sich für die Prüfung angemeldet hatten, haben auch bestanden. Die Noten lagen zwischen 1,3 und 3,3. Im Vorwege hatten von diesen Schülern lediglich sieben eine gymnasiale Empfehlung. Zwei kamen mit einer Hauptschulempfehlung in die Oberstufe, alle anderen mit Realschulempfehlung.


Worauf führen Sie den 100prozentigen Erfolg zurück?
Zum einen haben wir viel Wert auf eine Laufbahnberatung gelegt, damit die Schüler erkennen, welcher Abschluss für sie der richtige ist. Zum anderen gab es eine gute Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler durch die Lehrkräfte in überschaubaren Lerngruppen. Insgesamt ist unser Konzept aufgegangen: Individuelle Beratung und Lernkonzepte, die auf die Schüler individuell zugeschnitten sind: Fordern und Fördern, z.B. durch Sprachförderung oder Mathematikförderung.

Mit 41 Schülern ist die Oberstufe 2013 in ihr erstes Jahr gestartet. Wie haben sich die folgenden Jahrgänge entwickelt?
Sehr gut. Die Oberstufe hat sich etabliert und stabilisiert. Deshalb endete jetzt auch die dreijährige Probezeit mit der Oberstufe. Für das kommende Schuljahr sind in den drei Oberstufen-Jahrgängen 168 Schüler gemeldet, nachdem es in diesem Jahr 158 waren. Neu angemeldet für den elften Jahrgang wurden 65 Jugendliche, sie werden dreizügig unterrichtet.

Normalerweise gibt es in der Oberstufe Profilklassen, Sie haben aber Mischklassen. Warum?
Wir bieten mit Sport, Biologie als Naturwissenschaften sowie Geschichte und Geographie als Gesellschaftswissenschaften drei verschiedene Profile an, um attraktiv zu sein. Doch nicht für alle Profile gibt es ausreichend Schüler für eine Klasse. Deshalb haben wir gemischte Klassen, nur in den jeweiligen Profilen sind die Schüler unter sich. Das hat auch den Vorteil, dass sich die Schüler innerhalb des Jahrganges untereinander sehr gut kennen und so ihre Sozial- und Selbstkompetenz, gut entwickeln können. Die Mischklassen haben sich bei uns bewährt.

Woher kommen die neuen Oberstufenschüler?
Wir haben bei uns an der Gemeinschaftsschule eine Übergangsquote von 49 Prozent, darüber hinaus kommen viele Schüler aus dem Bereich Barmstedt, aber auch aus Bad Bramstedt und auch aus Itzehoe, Hohenlockstedt und Hohenwestedt.

Die GMS Kellinghusen ist die einzige Schule im allgemeinbildenden Bereich im Kreis Steinburg, die das so genannte G 9, das Abitur nach neun Jahren, anbietet. Wo sehen Sie die Vorteile der längeren Schulzeit?
Die Schüler gehen mit einer gewissen Reife ins Studium oder in die Ausbildung. Sie erhalten bei uns eine gute Berufsorientierung, so dass sie wissen, wo sie am Ende ihrer Schulzeit hinwollen. Wir bemerken auch, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler aus den G8-Gymnasien zu uns kommen, nicht nur in den fünften oder sechsten Klassen, auch in den Klassenstufe sieben bis neun nehmen wir immer mehr Schülerinnen und Schüler auf. Das liegt auch daran, dass wir unsere Leitidee, dass jede Schülerin und jeder Schüler ein Recht auf Erfolg hat, konsequent umsetzen. G9 bietet uns als Schule die Möglichkeit den Reifungsprozess in einer ruhigen Lernatmosphäre schülerorientiert zu leisten.

Als Sie 2011 an die Schule kamen, starteten Sie mit einem schwachen Jahrgang, damals gab es nur zwei fünfte Klassen. Seitdem ging es bergauf. Wie sehen die Zahlen heute aus?
Für den fünften Jahrgang sind 84 Kinder angemeldet worden, daraus entstehen vier Klassen. Insgesamt haben wir dann 800 Schülerinnen und Schüler.

Reichen bei steigenden Schülerzahlen die Räume noch aus? Auch vor dem Hintergrund, dass der fünfte Jahrgang seit einem Jahr schon in ihre Außenstelle, die ehemalige Ulmenhofschule, ausgegliedert wurde?
Bei der Fachraumausstattung stehen wir sehr gut da, Klassenräume und Differenzierungsräume werden knapp. Aber unser Schulverband hat bereits die Weichen für die Zukunft gestellt - das wird zur Zeit geprüft, ob es entweder in Richtung Ausbau oder Neubau geht. Wichtig ist, dass alle Gemeinden des Schulverbandes Kellinghusen einvernehmlich hinter unserer Schule im Sinne unserer Kinder stehen.

Die Schülerzahlen haben sich stabilisiert, die Oberstufe hat ihre Feuertaufe mit dem ersten Abitur bestanden. Wo will die Kellinghusener Gemeinschaftsschule in den nächsten Jahren hin?
Ausgebaut werden soll der Mint-Bereich. Die GMS gehörte 2013 zu den vier Gründerschulen des Exzellenz-Netzwerkes Mint-Schule Schleswig-Holstein, jetzt haben wir bis 2019 die Rezertifizierung erhalten und sind belohnt worden für unser Engagement in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Geplant sind auch ein weiterer Ausbau der Zusammenarbeit mit den Universitäten Kiel und Flensburg und eine noch bessere Vernetzung mit der Wirtschaft. Überlegt wird auch, in der Sekundarstufe I als Wahlpflichtfach weitere Fremdsprachen anzubieten. In der Oberstufe gibt es neben Englisch und Französisch bereits Latein, Russisch und Spanisch. Fernziel ist hier ein Fremdsprachen-Profil in der Oberstufe. Und letztlich wollen wir unser Alleinstellungsmerkmal G9 weiter ausbauen.

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erstellt am 24.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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