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Norddeutsche Rundschau

22. März 2017 | 23:20 Uhr

Medizinische Versorgung : Die Not mit dem ärztlichen Notdienst

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoer müssen im schlimmsten Fall bis nach Hamburg fahren, wenn sie einen Facharzt brauchen – laut den Verantwortlichen leider nicht vermeidbar.

Itzehoe | Es war an einem Freitagnachmittag: Auf der Baustelle hatte der Itzehoer Uwe Schwardt (59) einen Putzsplitter ins Auge bekommen. Als er gegen 17.15 Uhr nach Hause kam, war sein Auge bereits gerötet. „Er konnte es kaum noch aufhalten“, beschreibt seine Frau Ute, die sofort versuchte, den ärztlichen Notdienst zu erreichen. Nach Rendsburg oder Wedel müsse sie fahren, lautete die Auskunft am Telefon – allerdings müsse sie bis 18 Uhr da sein. Danach sei nur noch eine augenärztliche Klinik in Hamburg geöffnet. Für das Ehepaar Schwardt nicht akzeptabel: „Wie kann es sein, dass der nächste Augenarzt in Hamburg Dienst hat? Was machen Patienten ohne Auto? Das kann man doch keinem zumuten“, sagt Ute Schwardt.

Kann man doch – heißt es von der kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, die den ärztlichen Bereitschaftsdienst organisiert. „Weil es in Schleswig-Holstein nur eine begrenzte Anzahl an Augenarzt-Praxen gibt, lassen sich länger Anfahrtswege – gerade in einem Flächenland – leider nicht vermeiden“, teilt Sprecher Marco Dethlefsen auf Anfrage mit. Hinzukomme, dass es sich bei dem augenärztlichen Notdienst um ein freiwilliges Angebot handele. Gleiches gelte für Kinder- und Hals-Nasen-Ohrenärzte. „Die Kassenärztliche Vereinigung ist gesetzlich verpflichtet, einen allgemeinmedizinischen Bereitschaftsdienst anzubieten, nicht aber einen fachärztlichen.“

Der allgemeinmedzinische Dienst wiederum sei in 30 Anlaufpraxen im ganzen Land erreichbar – im Kreis Steinburg am Klinikum Itzehoe. „Unsere Struktur ist so angelegt, dass die für den Patienten nächst gelegene Anlaufpraxis in einer angemessenen Entfernung erreichbar ist.“ Nicht mehr als 20 Kilometer solle sie vom Wohnort entfernt sein. Jeder Patient mit augenärztlichen Problemen könne zunächst auch diese Anlaufpraxen aufsuchen – auch wenn dort nicht in jedem Fall weitergeholfen werden kann.

Im Fall von Uwe Schwardt sei es genau richtig gewesen, den Patienten an die Klinik in Hamburg zu verweisen. Die Schwardts, die zum Glück ein Auto besitzen, nahmen die weite Fahrt auf sich. „Wir kamen zügig dran und mein Mann wurde behandelt“, sagt Ute Schwardt.

Bei ihrer Rückkehr nach Itzehoe erwartete sie jedoch das nächste Problem: Uwe Schwardt hatte ein Rezept bekommen, mit dem er nun am Freitagabend zur nächsten Notdienst-Apotheke fahren wollte. Eine kurze Recherche des Ehepaars ergab: Geöffnet ist nur in Hohenaspe oder Elmshorn. „Nochmal fahren? Das kann doch nicht sein“, beschwert sich Ute Schwardt.

Doch kann es – sagt die Apothekerkammer, die in diesem Falle zuständig ist. Früher habe es in der Tat stets einen Apotheken-Notdienst innerhalb der Kreisstadt gegeben. Allerdings sei man Anfang 2015 gezwungen gewesen, den Notdienst neu zu strukturieren, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, sagt Sprecher Stefan Zerres und verweist auf eine Presseerklärung aus dem vergangenen Jahr. „In entsprechenden Einzelfällen wird es sich nicht vermeiden lassen, dass auch diejenigen, die bisher immer in der eigenen Stadt durch eine dienstbereite Apotheke versorgt werden konnten, zukünftig in Ausnahmefällen in die Nachbargemeinden fahren müssen“, heißt es darin. Nichtsdestotrotz blieben die Entfernungen angemessen und zumutbar. „Es darf nicht vergessen werden, dass es sich um einen Notdienst handelt. Dieser hat nicht die Aufgabe, eine möglichst bequeme Arzneimittelversorgung zu gewährleisten.“
 

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erstellt am 30.Aug.2016 | 05:00 Uhr

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