zur Navigation springen

Start-Up-Unternehmen : „Die Lage ist Kriterium Nummer eins“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nordbewertung heißt das Unternehmen, mit dem sich Bianka Ostwald in Itzehoe selbstständig gemacht hat. Mit drei Mitarbeiterinnen bewertet sie Immobilien.

In loser Folge stellen wir junge Unternehmen mit innovativen Ideen vor. Heute: „Nordbewertung“.

Immobilienpreise sind ein heißes Thema: In Großstädten ziehen sie stetig an, weil wenige Angebote auf eine hohe Nachfrage stoßen. Geringe Zinsen verlocken zum Immobilienkauf, und in der Wochenzeitung „Die Zeit“ warnte Wirtschaftsprofessor Karl-Werner Hansmann von der Universität Hamburg kürzlich vor einer Immobilienblase, weil unter anderem die Kaufpreise deutlich schneller stiegen als die Mieten. Vier Frauen, die in dem heißgelaufenen Markt den Durchblick behalten, sitzen in einem Haus im Norden von Itzehoe und bewerten seit knapp zwei Jahren Immobilien. Sie wissen, was ein angemessener Preis für Haus und Hof ist. Nordbewertung ist der passende Name des jungen Start-ups, dessen Einzugsgebiet die gesamte Westküste des Bundeslandes ist.

Gründerin von Nordbewertung ist Bianka Ostwald. Viele Jahre arbeitete sie in führenden Positionen von Banken, verhandelte mit Unternehmern und entschied über Kredite von bis zu 5 Millionen Euro. So war sie immer nah am Immobiliengeschäft. „Ich fand das interessant und habe gesehen, dass es einen großen Bedarf an Bewertungen gab“, sagt Ostwald. Sie begann eine nebenberufliche Ausbildung zur Immobilienbewerterin und machte sich im Juli 2015 zunächst allein selbstständig – dann wurde ihr die Arbeit wegen der guten Auftragslage zu viel. Sie stellte die Itzehoerinnen Inga Albrecht, Birgit Rook und Sylvia Wirth ein.

Die Kunden der vier Frauen lassen aus verschiedenen Gründen Gutachten über den Wert einer Immobilie anfertigen: Potenzielle Käufer wollen wissen, ob der Preis für eine Immobilie zu hoch ist. Verkäufer wollen wissen, welchen Preis sie für ihr Objekt ansetzen können. Und Makler, die sich beim Preis unsicher sind, wollen besser vorbereitet in eine Verhandlung gehen. Zudem lassen auch sehr vermögende Menschen ihre Immobilien bewerten: Um bestimmte Anteile an ihre Kinder zu übertragen. In Zukunft wollen Ostwald und ihre Kolleginnen auch vermehrt Gutachten für Gerichte oder Rechtsanwälte anfertigen. Interessant zum Beispiel bei einer Ehescheidung mit gemeinsamem Haus.

„Ein Einfamilienhaus zu bewerten dauert etwa zwei Tage“, sagt Ostwald, die Kosten für so ein etwa 15 Seiten langes Gutachten liegen bei 750 bis 950 Euro. Ostwald und ihre Kolleginnen sehen dafür Unterlagen zum Grundriss, zur Wohnflächenberechnung oder das Grundbuch ein und besuchen die Immobilie. Wichtig wäre für den Wert eines Objektes, was in den vergangenen zehn Jahren modernisiert worden sei und welche Mängel ein Objekt habe. Ein ausformuliertes, gerichtsfestes Gutachten nimmt eine Woche Arbeit in Anspruch, ist etwa 60 Seiten lang und kostet ab 1500 Euro.

„Die Lage ist Kriterium Nummer eins bei der Bewertung“, sagt Ostwald. Sie bewerte sehr viel in Hamburg, wo fast jeder Preis gezahlt werde. „Ich sehe derzeit keinen Stopp für diesen Trend“, sagt sie. In Itzehoe dauere es etwa ein halbes Jahr, bis ein Objekt verkauft sei. Vereinzelt würden Angebote einfach viel zu hoch angesetzt. Insgesamt bewertet Ostwald das Preis-Leistungs-Verhältnis jedoch als „in Ordnung“. Itzehoe profitiere von Hamburg und wäre ein „günstiger und guter Standort – wenn man bereit ist, beruflich zu pendeln“.

Auch das Start-up will Itzehoe weiter treu bleiben. Noch arbeiten die vier Frauen in Ostwalds Wohnzimmer: Vormittags schreiben sie Gutachten, nachmittags, wenn die Kinder zu Hause sind, werden je nach Bedarf Immobilien besucht. „Itzehoe ist unsere Keimzelle, unsere Mitarbeiterinnen kommen von hier und hier werden wir unser Kerngeschäft weiter ausbauen“, sagt Ostwald. Dazu gehöre der Einstieg ins Maklergeschäft und schließlich auch der Umzug in Büroräume in Itzehoe. „Damit der nächste Mitarbeiter nicht auf dem Sofa sitzen muss“, sagt Ostwald. Auch einen Ausbildungsplatz soll es dann bei Nordbewertung geben.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Mär.2017 | 05:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen