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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 02:12 Uhr

Frauenhaus: : „Die Lage ist dramatisch“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

In Itzehoe sind alle Plätze belegt. Frauen finden nach Auszug keine Wohnung.

Wenn Frauen von Gewalt betroffen oder bedroht sind, sind Frauenhäuser ein anonymer Schutz- und Zufluchtsort. Doch in Itzehoe können die Mitarbeiterinnen des autonomen Frauenhauses, der einzigen vergleichbaren Einrichtung im Kreis Steinburg, immer öfter Betroffene aus Platzmangel nicht aufnehmen. Der Grund: Die Aufenthaltsdauer der Frauen hat sich drastisch erhöht, weil sie keine Wohnungen finden. Die Mitarbeiterinnen schlagen Alarm und appellieren an Vermieter.

„Die Lage ist seit Anfang 2016 dramatisch“, sagt Heike Siemssen-Bielenberg, hauptamtliche Frauenhaus-Mitarbeiterin. Allein im September und Oktober seien im Frauenhaus Itzehoe 23 Betroffene mit 25 Kindern nicht aufgenommen worden, weil alle 18 Plätze belegt waren. In der Regel waren es Opfer häuslicher Gewalt. „Wir haben für ganz dringende Fälle noch ein Klappbett, aber das ist nur eine Notlösung für wenige Nächte und für Frauen mit Kindern überhaupt nicht geeignet“, sagt Frauenhaus-Mitarbeiterin Eva Schön.

Schön und ihre Kolleginnen bemühen sich um die Vermittlung von Plätzen in anderen Einrichtungen, wenn sie keine Zuflucht bieten können. Die Lage sei aber in ganz Schleswig-Holstein ähnlich schwierig. „Frauenhäuser sind gut vernetzt und arbeiten überregional zusammen. Wir können auch Plätze in Nordrhein-Westfahlen oder Bayern vermitteln“, so Schön. Die seien aber für viele Frauen aus unterschiedlichsten Gründen nicht akzeptabel.

Den Grund für die Platznot in ihrer Einrichtung sehen die Frauenhaus-Mitarbeiterinnen im Wohnungsmarkt. Der habe sich verteuert. Günstiger Wohnraum sei heiß begehrt. Normal sei, dass Frauen zwischen einem und drei Monaten im Frauenhaus bleiben, sagt Schön. 2016 sei es nicht ungewöhnlich, wenn Frauen, die ausziehen möchten, ein halbes Jahr oder länger nach einer Wohnung suchen.

„Es kommen da zwei Entwicklungen zusammen“, erklärt Siemssen-Bielenberg. Zum einen können Vermieter oft eine Auswahl treffen. „Und da haben unsere Frauen schlechte Karten.“ Alleinerziehend mit mehreren Kindern, Migrationshintergrund, keine Arbeit. Zum anderen sei das Mietpreis-Niveau insgesamt gestiegen – die entsprechenden Zahlungen des Jobcenters aber nicht entsprechend. „Viele Opfer häuslicher Gewalt sind gerade dann, wenn sie den Absprung geschafft haben und ein neues, selbstbestimmtes Leben beginnen möchten, auf Hilfe vom Jobcenter angewiesen“, sagt Siemssen-Bielenberg. Für dessen starre Mietsätze lasse sich in Itzehoe und Umgebung aber selten eine passende Wohnung finden. Mehr Flexibilität sei wünschenswert.

„Langfristig kann aber nur der soziale Wohnungsbau helfen. Es gibt einfach zu wenig bezahlbaren Wohnraum.“ Da sich daran aber auf absehbare Zeit nichts ändern werde, appellieren die Mitarbeiterinnen auch an Vermieter, die Frauen aus ihrer Einrichtung öfter zu berücksichtigen. Nur so könne ihnen nach den schlimmen Erfahrungen ein Neustart ermöglicht werden.

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