zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 21:20 Uhr

Literatur : Die Konkurrenz im Ehebett

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwischen Liebe und Rivalität: Tania Schlie gibt in ihrem neuen Buch Einblicke in spannungsgeladene Beziehungen berühmter Schriftstellerpaare

„Mein Mann macht das Papier, ich schreibe es voll.“ Die Glückstädter Erfolgsautorin Tania Schlie und ihr Mann – ein Naturwissenschaftler bei dem Papierhersteller Steinbeis – kommen sich beruflich nicht in die Quere. Aber wie sieht es aus, wenn beide Schriftsteller sind? Literatur und Liebe ergibt eine spannungsreiche Kombination. In dem neuen Buch von Tania Schlie sind große Schriftsteller einmal selbst die Hauptdarsteller, ihre Liebesbeziehungen erscheinen wie der Stoff aus großen Romanen. Simone de Beauvoir und Jean-Paul Satre. Sylvia Plath und Ted Hughes. Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Elsa Morante und Alberto Moravia. Die Liste ist lang. Insgesamt 28 schreibende Paare hat Tania Schlie in ihrem gleichnamigen Buch näher betrachtet, das gerade erschienen ist. „In den vergangenen drei Jahren habe ich viel recherchiert, das ist langsam gewachsen“, erzählt die 55-Jährige. Sie wälzte Tagebücher, Memoiren, Briefe, Autobiografien, alte Zeitungsartikel. Eine Fülle an Material, das sie in ihrem Werk verarbeitet hat. Herausgekommen ist ein eindrucksvoller Einblick in das „bunte Theater“ der Beziehungen dieser Literaturpaare.

Denn wenn die Liebe zwei Schriftsteller zusammenbringt, werden sie „Komplizen des Wahnsinns“ wie es Nina George – selbst mit einem Schriftsteller verheiratet – passend in ihrem Vorwort umschreibt. Die Konkurrenz habe sie sich da ins Bett geholt. „Schriftsteller sind besondere Menschen, sehr ausgeprägte Charaktere. Da prallen zwei Extreme aufeinander“, so Tania Schlie. „Die Beziehung zwischen zwei Schreibenden kann Liebe, Leidenschaft, Freundschaft, Kampf, Rivalität bedeuten, sie kann fördern und bestätigen oder erdrücken und zur Gefahr werden“, schreibt sie in ihrem Buch.

„Die Beziehungen sind filmreif“, resümiert die Glückstädterin. Zelda und F. Scott Fitzgerald waren ein Paar , das nicht miteinander konnte – aber auch nicht ohne einander. „Sie haben sich zu ihren besten Büchern inspiriert, aber sie haben sich beide kaputt gemacht.“Er verbot ihr das Schreiben. „Wenn du ein Theaterstück schreibst, darf es nicht über die Psychiatrie sein, und es darf weder an der Riviera noch in der Schweiz spielen. Was immer auch das Thema sein wird, du wirst es mit mir absprechen.“ (F. Scott Fitzgerald, Mai 1933). Sie wurde schließlich in die Nervenheilanstalt eingeliefert. Um den Aufenthalt zu bezahlen, musste er die Arbeit an seinen Romanen zurück stellen und Kurzgeschichten schreiben. „Die Katastrophe war da.“

„Es gibt auch Paare, bei denen die Verbindung tödlich endete“, so Tania Schlie. Als Sylvia Plath merkte, dass ein Leben als Schreibende an der Seite von Ted Hughes nicht funktioniert, steckte sie den Kopf in den Gasofen. Und auch die Liebe zwischen Martha Gellhorn und Ernest Hemingway bietet Stoff für großes Kino. „1945 war Martha Gellhorn für die Zeitschrift Collier’s akkreditiert, um von der Landung der Alliierten in der Normandie zu berichten, Hemingway hatte keinen Skrupel, ihr den Auftrag wegzuschnappen.“ Am Ende ist es aber sie, die mit den Soldaten an Land ging, er war „nur“ auf dem Schiff.

Einige Paare verband ein Sommer, andere trennte erst der Tod. In sieben Kapiteln hat Tania Schlie die 28 Paare zusammengefasst. Illustriert ist das Werk mit zahlreichen eindrucksvollen Bildern. Text und Bild eröffnen einen sensiblen Blick auf die Privatmenschen hinter so großen Werken wie „Der alte Mann und das Meer“ oder „Der große Gatsby“. Tania Schlie zeigt eindrucksvoll, was passiert, wenn zwei Schriftsteller Bett und Schreibtisch teilen und der Alltag zuschlägt. „Betrachten wir das Leben schreibender Paare, so ist der Skandal oft nicht weit. Wenn durch einen – zugegeben manchmal voyeuristischen – Blick die Neugierde der Leser auf den Text geweckt wird – umso besser“, schreibt sie im Vorwort. Ein so privates Thema zu behandeln, findet sie legitim, „wenn sich nicht gerade jemand explizit dagegen ausspricht wie aktuell die italienische Autorin Elena Ferrante.“

Mit ihrem Thema hat Tanie Schlie auf jeden Fall ein Händchen für Trends bewiesen. „Es werden gerade viele Doppelbiografien herausgegeben. “ Und die Glückstädterin hat sie gleich alle in einem Buch vereint.

>Tania Schlie „Schreibende Paare – Liebe und Literatur“ mit einem Vorwort von Nina George; 240 Seiten im Format 17,0 x 24,0 cm mit zahlreichen Abbildungen illustriert und vierfarbig gedruckt. ISBN 978-3-85179-303-1


Karte
zur Startseite

von
erstellt am 14.Okt.2016 | 12:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen