zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

28. September 2016 | 22:29 Uhr

Hilfsaktion : „Die kommen nicht wegen Sozialhilfe“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Flüchtlingshilfe vor der griechischen Insel Lesbos: Zwei Rettungsassistenten aus Heiligenstedten und St. Margarethen engagieren sich ehrenamtlich bei „Sea Watch“.

Nach ihrer Motivation gefragt, fällt die Antwort ganz einfach aus: „Das ist Rettungssanitäter-Mentalität. Wir müssen einfach helfen, wir können nicht zuschauen.“ Deshalb engagieren sich Thorsten Kliefoth (49) aus Heiligenstedten und sein St. Margarethener Kollege Andreas Krey (42) bei „Sea Watch“ (siehe Infokasten). Die beiden Mitarbeiter der Rettungsdienst-Kooperation RkiSH opfern ihre wertvolle Freizeit, um vor der griechischen Insel Lesbos in Seenot geratenen Flüchtlingen zu helfen.

Zweimal saß Kliefoth bereits mit anderen freiwilligen Helfern in dem 35 Knoten schnellen Schlauchboot. Patrouille fahren dürfen sie damit nicht: Um nicht in Konflikt mit örtlichen Behörden zu kommen, ist die Crew offiziell auf dem Weg zu einer Kaffeepause. Wenn sie dabei auf völlig überladene und marode Flüchtlingsboote trifft, muss sie nach international gültigen Regeln natürlich eingreifen. Die fünf Seemeilen zwischen türkischem Festland und der Insel Lebos werden leicht zur Todesfalle. „Wenn man sieht, wie die mit Kindern bei Null Grad unterwegs sind mit ihren gefälschten Rettungswesten, weiß man: Die kommen nicht wegen der Sozialhilfe zu uns“, sagt Thorsten Kliefoth.

Beeindruckt zeigt er sich von der Hilfsbereitschaft über alle Grenzen hinweg. Vor Ort sitzen Norweger, Holländer und spanische Rettungsschwimmer, Ärzte ohne Grenzen und Greenpeace-Aktivisten bei der Flüchtlingshilfe in einem Boot. Und von Land aus dirigiert ein Neuseeländer per Funk die „Sea Watch-Crew“ zum nächsten Einsatz. Bemerkenswert auch: In einer Gruppe arbeiteten Israelis und Palästinenser eng zusammen, um Syrern zu helfen.

Rund 3000 Helfer seien auf Lesbos im Einsatz, was für die Einheimischen auch einen kleinen wirtschaftlichen Ausgleich für den wegbleibenden Tourismus bedeute. Überhaupt sei die Insel nicht erst jetzt so massiv betroffen. Kliefoth: „Die Fischer waren doch die ersten, die rausfuhren, wenn es um die Wurst ging.“ „Alle haben nur ein Ziel: Es darf niemand ersaufen“, wirft Andreas Krey ein. Der St. Margarethener wird Ende Februar erstmals nach Lesbos starten. Er hat sich im Vorfeld gut informiert und tritt dem Eindruck entgegen, da kämen nur junge Männer. Sein Kollege pflichtet aus eigenen Beobachtungen bei: „Bei einem überladenen Schlauchboot konnten wir zunächst nur drei oder vier Kinder erkennen. Am Ende wurden dann gemeinsam mit Frontex 37 Kinder aus dem Boot geholt.“ Eingeprägt hat sich bei dem Heiligenstedtener auch der Eindruck von Flüchtlingen, wenn diese begriffen hätten, dass sie sich jetzt in europäischer Sicherheit befinden: „Die haben gemeinsam gesungen oder gebetet.“

Medizinisches Fachwissen bringen sie beruflich mit, erforderliche Grundkenntnisse auf dem Wasser als Skipper auf der Elbe oder als Segler. Alles andere ist für Kliefoth und Krey einfach nur das Ziel, Leben zu retten. Dafür bummeln sie dann auch gerne Überstunden – zum Teil schon im Vorgriff – für den harten Hilfseinsatz ab. Gleichzeitig hoffen sie auf eine baldige politische Lösung. „Die Syrer brauchen Asylrecht und eine sichere Passage“, weiß Thorsten Kliefoth jetzt auch aus eigener Erfahrung.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Feb.2016 | 07:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert