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Norddeutsche Rundschau

25. März 2017 | 18:33 Uhr

Ausgebucht : Die Kitas sind voll

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Schon vor dem Start des neuen Kindergarten-Jahres am 1. August sind die Reserven in Itzehoe nahezu ausgeschöpft.

Clara, Lasse, Nele und Sina rücken dicht heran an Thomas Lohse. Der sozialpädagogische Assistent liest den „Seepferdchen“ aus der Krippengruppe im evangelischen Kindergarten Fehrsstraße vor. Dass es dabei eng wird, hat symbolischen Charakter: „Wir sind komplett ausgebucht“, sagt Leiterin Claudia Pohlmeyer. Und das gilt nicht nur für diese Tagesstätte: Überall in der Stadt sind die Kindergarten-Plätze knapp. Und das Kita-Jahr beginnt am 1. August gerade erst.

Im Bildungsausschuss berichtete Carsten Roeder vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt über die aktuelle Anmeldesituation. Bei den knapp 1000 Plätzen für Kinder über drei Jahren gebe es nur noch eine Reserve von knapp fünf Prozent, davon nur sehr wenige am Vormittag. Bei den 250 Krippenplätzen für die Ein- bis Dreijährigen ist es noch enger: Nur drei Prozent Reserve, „das ist sehr, sehr wenig zu Beginn eines Kindergarten-Jahres“. Denn in der Praxis sieht es so aus, wie es Claudia Pohlmeyer gegenüber unserer Zeitung beschrieb: „Das Jahr fängt gerade an, und es kommen dann immer noch Kinder, die drei Jahre oder ein Jahr alt werden.“

Was tun? Die Stadt sei schon sehr restriktiv bei der Aufnahme von Kindern, die nicht aus Itzehoe kommen, sagte Roeder. Das sorge auch schon einmal für Ärger, aber: „Wir sind den Itzehoer Eltern und Kindern verpflichtet.“ Ob es sich nur um einen Einmaleffekt durch Flüchtlingskinder handele, könne er nicht sagen. Froh sei man aber, diese nahezu alle versorgt zu haben: „Da sind wir schon besser als viele andere Gemeinden.“

Die Geburtenrate im Land steige, wenn auch noch nicht unbedingt in Steinburg. Wie viele Menschen zuzögen, sei nicht vorherzusagen, unklar sei auch noch, wie sich das Krippengeld auswirke, mit dem das Land ab 2017 die Eltern von Kindern unter drei Jahren um monatlich 100 Euro bei den Betreuungskosten entlasten will. Dieses Geld wäre bei den Trägern der Kindergärten womöglich besser aufgehoben, sinnierte Andreas Arndt, Leiter des Amtes für Bildung, und bat die Ortspolitiker darum, diese Diskussion den Kollegen auf der Landesebene nahezulegen.

Kurzfristig hilft das nicht. Er habe immer gesagt, dass die Nachfrage nach U3-Plätzen steigen werde, betonte Roeder. Die einzige Ausbaureserve in der Schublade sei die Erweiterung der städtischen Kindertagesstätte Sude-West. Diese hatte die große Koalition vor drei Jahren nach vielen Diskussionen abgelehnt. Weil die Verwaltung Misstrauen gegenüber ihren Prognosen gespürt hatte, war ein externes Gutachten zum Bedarf an Plätzen eingeholt worden. Dieses hatte vor einem Jahr festgestellt: Handlungsbedarf im U3-Bereich, aber nicht akut.

Jetzt vielleicht doch. Roeder nannte einen weiteren Aspekt: Zunehmend gebe es Kinder mit heilpädagogischem Förderbedarf, und jede Einzel-Integration koste zwei reguläre Plätze. Aktuell prüfe das Gesundheitsamt dies nach seiner Kenntnis für mehr als 50 Kinder für Itzehoe, so Roeder. „Ich habe keine einfache Lösung“.

Ralf Schwedler (SPD) startete den Appell, kurzfristige Ansätze zu unterstützen, diese aber nicht mit längerfristigen Projekten zu verquicken. Für neue Plätze im Vormittagsbereich muss laut Roeder investiert werden, dafür brauche es einen neuen Impuls aus dem Ausschuss. Im Nachmittagsbereich gehe es ohne große Investitionen, das sehe er im Moment als einzige Möglichkeit.

Zunächst soll die Entwicklung im beginnenden Kindergarten-Jahr beobachtet werden, aber Claudia Pohlmeyer schickt ein Signal aus der Fehrsstraße: „Wir haben schon einmal vor dreieinhalb Jahren eine Nachmittagsgruppe aus dem Boden gestampft. Wir würden gern noch Plätze anbieten.“

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erstellt am 19.Jul.2016 | 12:00 Uhr

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