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Norddeutsche Rundschau

25. August 2016 | 02:56 Uhr

Historie : Die Kirche in der Nazi-Zeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wanderausstellung zu sensiblem Thema ab Freitag in St. Laurentii in Itzehoe zu sehen.

Es ist ein Thema, über das nicht alle in der Kirche gern reden: „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“, lautet der Titel einer Wanderausstellung, die jetzt zum ersten Mal in Schleswig-Holstein gezeigt wird: Ab Freitag, 26. Februar, bis zum 15. März werden in der St. Laurentii-Kirche insgesamt 42 Tafeln in sechs Themeninseln den Umgang der Kirche mit ihrer Geschichte dokumentieren. Zurzeit ist die Wanderausstellung noch in der St. Jakobi-Kirche Hamburg zu sehen, später tourt sie durch verschiedene Städte Schleswig-Holsteins.

Die Ausstellung basiert auf einem zweibändigen Werk von Stephan Linck. „Es bringt aber nichts, dass ein Buch in den Bibliotheken steht, wir müssen über das Thema debattieren“, fordert Ulrich Hentschel von der Arbeitsstelle Erinnerungskultur der Nordkirche, der die Ausstellung mitinitiiert hat. „Kirche hat sich mitschuldig gemacht an Verbrechen des Nationalsozialismus, und das ist nach 1945 nicht aufgearbeitet worden“, sagt Hentschel. „Offenbar geht das erst jetzt, nachdem viele der Protagonisten gestorben sind.“ Zwei Generationen habe es gebraucht – „wir müssen die Geschichte aufarbeiten, um unserer selbst willen, aber auch um der Opfer willen“.

Hentschel kann viele Beispiele nennen von kirchlichen Würdenträgern, die mit den Nazis kooperierten und nach der NS-Zeit dafür nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Etwa der Pastor aus den Alsterdorfer Anstalten in Hamburg, der es geschehen ließ, dass 500 Behinderte umgebracht wurden. Oder der Bischof, der sich in Nazi-Unifom weihen ließ. Dass sich die Kirche damit auseinander setzen muss, sei klar. „Schon die Bibel ist ein Buch, in dem es um die eigene Schuld geht. Das ist ein Wesenszug des Christentums“, sagt Hentschel.

Das ist Thema in der Ausstellung, die auch Raum für lokale Aspekte lässt. In Itzehoe ist das nicht so sehr die Historie der Nazi-Zeit, sondern es wird vor allem um die Debatte um das Rotbuch Kirche gehen, verfasst unter anderem von Jens Motschmann, der von 1972 bis 1987 Pastor in Itzehoe war. Motschmann war Mitglied der Evangelischen Notgemeinschaft in Deutschland, einer extrem konservativen Strömung innerhalb der evangelischen Kirche. „In den 70er Jahren ging es ihm darum, wie die Kirche angeblich von Sozialisten und Kommunisten beeinflusst wurde“, sagt Hentschel, der darüber mit Motschmann und anderen am Mittwoch, 2. März, um 19.30 Uhr in St. Laurentii auf dem Podium diskutieren wird. „Das wird hoffentlich eine spannende Kontroverse – auch über Kirche und Politik“, sagt Georg Alexy, Pastor der Innenstadtgemeinde, der am Sonntag, 13. März, einen von zwei Gottesdiensten zum Thema feiern wird. „Ich finde es sehr spannend zu hören, wie Menschen in Itzehoe darüber heute denken, gerade weil es auch um die Geschichte ihrer eigenen Gemeinde geht.“

Die Aufarbeitung der Vergangenheit sei mit dem Buch, der Ausstellung und der Podiumsdiskussion längst nicht abgeschlossen, meint Hentschel. „In vielen Kirchengemeinden herrscht weit verbreitetes Unwissen über die eigene Geschichte – vor allem zwischen 1933 und 1945.“ Das gehöre ins Licht der Öffentlichkeit, findet auch Alexy. „Wenn sich wegen der Ausstellung jemand in Itzehoe findet, der auf die Vergangenheit der Kirche hier vor Ort blicken möchte, dann wären wir natürlich offen dafür.“

>Die Ausstellung ist zu folgenden Zeiten in der St. Laurentii-Kirche zu sehen: 26. Februar, 19 Uhr; 27. Februar, 10 bis 13 Uhr; 2. März, 19.30 Uhr; 3. März, 15.30 bis 17.30 Uhr; 4. März, 15.30 bis 17.30 Uhr; 5. März, 10 bis 13 Uhr; 10. März, 15.30 bis 17.30 Uhr; 11. März, 15.30 bis 17.30 Uhr; 12. März, 10 bis 13 Uhr und nach den Gottesdiensten. Führungen sind ebenfalls nach Anmeldung möglich: 04821/676210.

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erstellt am 22.Feb.2016 | 05:00 Uhr

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