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Ehrenamt im Verein : Die gute Seele des MTV Herzhorn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gerhard Sosat ist ein Ehrenamtler mit Liebe und Leidenschaft. Der 76-Jährige ist überzeugt: „Es kommt viel zurück“.

In loser Folge stellen wir ehrenamtlich tätige Menschen in und um Glückstadt vor. Heute: Gerhard Sosat.

Montags am Nachmittag die „Ladys Exklusiv“ und abends die vierten Damen, mittwochs die männliche Jugend D, freitags die Handball-AG der Grundschule und sonntags das Training für ältere Herren. Vier Mal pro Woche kommt Gerhard Sosat als Trainer zur Gymnastik und zur Handballschulung in die Sporthalle Herzhorn. Und das, obwohl er bereits 76 Jahre alt ist.

„Das Zusammensein mit anderen Menschen und die Bewegung machen mir Spaß und geben mir selbst viele positive Gefühle“, beschreibt er seine Motivation. „Wenn am Freitag die strahlenden Kindergesichter in die Halle kommen, dann geht mein Herz auf. Die Arbeit mit ihnen ist befriedigend, denn sie nehmen alles auf und man sieht schnell Erfolge.“ Insgesamt arbeitet er lieber mit Frauenmannschaften als mit den Männern: „Da gibt es nicht so viel Gerede und keinen Streit über Regelauslegungen. Die sind immer gut organisiert und sorgen sich auch um ein stimmiges Umfeld.“

Der MTV Herzhorn ist ein Stück Leben für Sosat geworden, und für den MTV ist er so etwas wie die gute Seele. Wenn ein Trainer seinen Hallenschlüssel vergessen hat, kommen sie bei ihm und seiner Frau Traute vorbei. Er kümmert sich um die gesamte Bearbeitung der Spielerpässe. Bei Sport- oder Verkehrsunfällen während der Vereinsfahrten regelt er die Unfallsachbearbeitung, und er plant und beaufsichtigt die Busfahrten für die Mannschaften der Oberliga. Bei Heimspielen der ersten Damen betreut er die Mannschaft oder sitzt im Kampfgericht. Und das, obwohl er in seiner Jugend nie Handball gespielt hat.

„Alles habe ich mir irgendwoher abgeguckt und bin immer noch dankbar, wenn ich neue Anregungen bekomme.“
Sosat strahlt eine ansteckende Fröhlichkeit aus und kann andere Menschen begeistern. Vielleicht auch deshalb, weil er selbst Leid erlebt hat. 1941 in Ostpreußen geboren, musste er am Ende des Zweiten Weltkrieges mit vier Jahren die Flucht antreten.

„Mein Vater war noch bis 1948 in russischer Kriegsgefangenschaft. Meine früheste Kindheitserinnerung ist der 32 Kilometer lange Fußmarsch mit meiner Mutter an die kurische Nehrung.“ Von dort ging es mit dem Schiff über die Ostsee nach Travemünde und dann aufs Land in die Nähe von Hanerau-Hademarschen. Dort besuchte Sosat die Volksschule bis seine Eltern in den 1950er Jahren nach Herzhorn umzogen. Nach der Schule begann er eine Ausbildung bei der Papierfabrik Temming in Glückstadt und arbeitete 16 Jahre als Papiermacher. Aber die Schichtarbeit belastete ihn und er wollte regelmäßiger mit seiner Familie zusammen sein. Durch Zufall ergab es sich, dass eine Versicherungsagentur in Glückstadt einen Filialleiter suchte. So kam er in ein ganz neues berufliches Umfeld, in das er sich einarbeiten musste. Im Nachhinein bezeichnet er diesen Neuanfang als Glücksfall.

Sein Sohn spielte in dieser Zeit Handball in der Mannschaft von Antje Hartz und so trat er 1976 selbst in den MTV ein. Bereits zwei Jahre später wurde er zum zweiten Vorsitzenden gewählt. „Klaus Lange war Vorsitzender und suchte einen Nachfolger für den Stellvertreter. Von ihm habe ich danach viel gelernt. Besonders, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren muss.“

Ende der 1970er Jahre war der mögliche Aufstieg der ersten Herrenmannschaft in die Bundesliga ein heißes Thema. Sosat erinnert sich noch an viele kontroverse Diskussionen. Die Damen stiegen in die Bundesliga auf und Sosat begleitete die Mannschaft von Trainer Manfred Kuhnke als Betreuer. Von 1993 bis 2002 übernahm er als Nachfolger von Wolfgang Axen den Vereinsvorsitz.

Heute sieht sich Sosat als Trainer und Kümmerer. „Das machen wir gern und wollen dafür kein Geld.“ Auch seine Frau Traute steht hinter dem Verein. Sie wäscht wöchentlich die Trikots nach den Punktspielen. Neben dem Training organisiert Sosat den Hühnerbrückenlauf. Mit der Sonntagsgruppe von Hannes Peters beteiligt er sich jährlich am Frühjahrsputz in der Gemeinde und zusammen mit Gerd Kardell und Johannes Peters hat er 20 Jahre für den Dorfball auf- und abgebaut. Auch wenn Ende der Sommerferien die Zelte für den Wildnis-Cup aufgebaut werden müssen, ist er dabei. Und als Teamchef des Dorfbootes bei den „Wilden Alten“ nimmt er selbst am Wettkampf teil. „Die letzten zehn Sekunden vor dem Start sind immer noch voller Aufregung und Anspannung - aber das ist ein schönes Gefühl.“ Wenn Gerhard Sosat sich entspannen möchte, fährt er mit seiner Traute in ihre Ferienwohnung nach Büsum.


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